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Krefeld: Uwe Beckers startet in Gambia mit weiterführender Schule

Krefelder Entwicklungshilfe : Spaß am Lernen in Papa Bubas Arche Noah

Wegen der Pandemie sind auch die Schulen in Gambia geschlossen. Den Schülern fehlt nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch das warme Essen. Uwe Beckers hofft, die neue weiterführende Schule im September öffnen zu können. Er baut nun auch eine Krankenstation.

Die Pandemie hat auch vor Afrika nicht Halt gemacht. Anfang März musste Uwe Beckers in Gambia seine Emma Christine Grundschule schließen.  Dort unterrichtet der Krefelder Entwicklungshelfer, der von allen nur Papa Buba genannt wird, aktuell 431 Kinder (wir berichteten).

Die Schüler sind auf zwölf Schulklassen verteilt und werden sowohl vormittags als auch nachmittags unterrichtet. Neben Schuldirektorin Aja Manka und Schulleiter David Mendy kümmern sich 16 Lehrer um die Bildung der Kinder. Außerdem gibt es fünf Lehramtsstudenten und etliche Helfer aus Deutschland, darunter zahlreiche Studenten, die das ambitionierte Schulprojekt in Madina unterstützen. Dabei ist neben Bildung auch die Versorgung der Kinder mit Lebensmitteln wichtig. Ist wie jetzt die Schule geschlossen, fehlt das tägliche Essen und viele Familien geraten in Not. Die Regierung verteilt deswegen Säcke mit Reis, und auch der Verein „Grundschule Gambia“, der Uwe Beckers Projekt unterstützt,  hat seine Mitglieder um Geld für Reis-Spenden gebeten. „Es ist hart, und ich hoffe, dass wir bald wieder die Schule öffnen können“, sagt der Krefelder, der seit Ende März mit seiner Familie in Deutschland ist.

Es fühlt sich für ihn seltsam an, in ein Land zurückgekehrt zu sein, in dem die Angst vor der Lungenkrankheit Covid-19 den Alltag bestimmt. „Mir fehlt schon jetzt die afrikanische Gelassenheit, das freundliche Miteinander dort und die Herzlichkeit. In Deutschland sind immer alle so im Stress und getrieben. Das ist gar nicht gut für die Gesundheit. Ich merke das auch selbst. Ich kann mit Termindruck und Hektik  nicht gut umgehen“, sagt der 56-Jährige, der in Deutschland in einem Teilzeitmodell bei der Agentur für Arbeit angestellt ist und nebenbei noch Spenden für seine Schule sammelt und den Container nach Afrika bestückt. Arbeit scheut er bestimmt nicht, sie macht ihm aber mehr Spaß in Gambia. „Ich arbeite dort bestimmt zwölf Stunden am Tag für die Schule, aber eben in einem gemäßigteren Tempo und mit viel mehr Freude. Meine Ideen kann ich in Afrika schneller umsetzen und sehe auch direkt, was die Hilfe bewirkt und wie sich die Menschen freuen. Das macht unheimlich viel Spaß“, erklärt Beckers, der sich wünschen würde, dass seine Tochter Emma, nach der die Grundschule benannt ist, das Projekt später einmal fortführt. Schon jetzt fühlt sich die Zehnjährige in Afrika zu Hause, auch wenn sie dort mehr lernen muss als in Deutschland. „Sie geht vormittags in unsere Schule, in der alles auf englisch unterrichtet wird, und wird nachmittags von Lehramtsstudentinnen aus Deutschland im Schulstoff unterrichtet, den sie aus Deutschland bekommt. Sie spricht drei Sprachen fließend, Deutsch, Englisch und Mandinka, die Sprache in Gambia.“

Vater Uwe Beckers hat in dem von Armut geprägten Land viel erreicht, zählt inzwischen zu den größten Arbeitgebern der Region. Kinder  aus den unterschiedlichsten Teilen des Landes bemühen sich um die Aufnahme an der Schule, deren Besuch kostenfrei ist. Dafür sind die Regeln streng. „Pünktlichkeit, Respekt und ein gewaltfreies Miteinander sind mir sehr wichtig. Wer dagegen verstößt, bleibt außen vor. Wer beispielsweise zu spät zum Unterricht kommt, steht vor verschlossener Tür und kann nach Hause gehen. Das ist für die Kinder eine harte Strafe“, erklärt Beckers und wünscht sich, dass seine Schüler Freude am Unterricht haben. „Das schaffen wir auch meistens.“

Im September möchte er alle 60 Schüler aus den Anfangsjahren der Schule, die jetzt die sechste Klasse der Grundschule besuchen, mit an die weiterführende Schule in Kitty nehmen. Dort haben er und seine Helfer alle drei Klassenräume fertiggestellt, einen Brunnen angelegt und für Nachtwächter und Hausmeister Häuser gebaut. Eine Delegation des Schulministeriums hat die Schule kürzlich abgenommen und für gut befunden.

Es könnte also losgehen, wäre da nicht dieses Virus, das momentan international alle Pläne lahmlegt. „Ich baue sicherheitshalber noch eine Krankenstation, um auf alles vorbereitet zu sein und die Schüler und Lehrer bestmöglich versorgen zu können“, sagt der Krefelder, der mit Lea Ruhland eine deutsche Pädagogin für die Leitung der neuen Schule gewinnen konnte. Die Secondary School ist nach dem jüngsten Becker-Spross Noah benannt und heißt wegen der Tiere, die dort leben,  Arche Noah. Sie ist ein weiterer wichtiger Baustein im Entwicklungshilfe-Modell des Krefelders. Fest kooperiert Beckers inzwischen unter anderem mit dem Krankenhaus in Darsilami, das sich unter deutscher Leitung befinden.

 Neu ist, dass Familie Beckers nur noch gemeinsam reist. Beide Kinder sollen sowohl in Gambia, als auch in Deutschland  aufwachsen. „Die Vielfalt der Kulturen ist für die Kinder ein enormer Gewinn. Den möchten wir ihnen nicht dadurch nehmen, dass sie hauptsächlich in Deutschland leben. Afrika wird immer ein wichtiger Teil in ihrem Leben sein.“