Etwa 5600 Krefelder Unternehmen nutzen Chancen nicht Firmen sollen auf Jobfitness der Belegschaft achten

Krefeld · Im ersten Halbjahr hat die Arbeitsagentur nur 86 berufliche Weiterbildungen für Beschäftigte bei 5630 Unternehmen in Krefeld gefördert. Betriebe sollten die Angebote „künftig intensiver nutzen“, fordert die Gewerkschaft NGG.

 Die Agentur für Arbeit Krefeld hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nur 86 Weiterbildungen für Beschäftigte gefördert.

Die Agentur für Arbeit Krefeld hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nur 86 Weiterbildungen für Beschäftigte gefördert.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Eine neue Zeit erfordert neue Kenntnisse bei den Menschen im Berufsleben. „Jobfitness“ nennt das die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und hat dabei speziell die Digitalisierung im Auge. Nach Feierabend setzten viele auf Fitness – Joggen, Schwimmen, Radfahren, Krafttraining. Dabei komme in den Stunden davor ein anderes Training oft zu kurz: die „Jobfitness“. Denn das Fitmachen für den eigenen Arbeitsplatz spiele in vielen Betrieben keine Rolle, betonte die NGG. Sie appelliere daher an die rund 5630 Unternehmen in Krefeld, mehr in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten zu investieren.

Im ersten Halbjahr habe die Arbeitsagentur nach Angaben der Gewerkschaft lediglich 86 berufliche Weiterbildungen für Beschäftigte in Krefeld gefördert. Betriebe sollten die Angebote der Arbeitsagentur „künftig intensiver nutzen“, forderte die NGG am gestrigen Donnerstag. „Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Vieles wird digitaler. Ein wichtiger Punkt ist auch das Energiesparen bei Produktionsprozessen. Das spielt alles eine immer größere Rolle. Beschäftigte dürfen dabei nicht auf der Strecke bleiben. Sie müssen die Chance bekommen, sich mit einer passenden Weiterbildung für neue Ansprüche im Job fit zu machen“, sagte Claudia Hempel von der NGG Krefeld-Neuss.

Dafür notwendig seien allerdings engagierte Unternehmen. „Von der intelligenten Lagerlogistik in der Ernährungsindustrie bis hin zu neuen Online-Marketingstrategien in Konzernen – es geht darum, praxisnahes Know-how in die Unternehmen zu holen. Und das funktioniert nur, wenn der Betrieb den ‚Motivationsfaktor B‘ nutzt und darin investiert: B – wie Bildung“, so Claudia Hempel. Das koste Zeit, die nicht am Arbeitsplatz, sondern in Seminaren investiert werde. Ebenso müsse der Betrieb Geld in die Hand nehmen. „Allerdings bieten funktionsfähige Digitalstrategien vielen Unternehmen in Krefeld auch die Chance, enorme Schritte nach vorn zu machen. Bei den Abläufen in der Produktion genauso wie in der Verwaltung oder im Marketing“, macht Hempel deutlich. Die digitale Transformation sei heute ein Muss. Sie sei ein entscheidender Punkt, um die Zukunft von Unternehmen zu sichern, heißt es weiter.

„Insbesondere viele ältere Beschäftigte sind für den digitalen Arbeitsalltag nicht gewappnet. Den Umgang mit neuer Betriebssoftware lernt man allerdings auch nicht einfach so nebenbei“, erklärte Hempel. Die NGG fordert deshalb von Betrieben und Politik, sich für eine „Qualifizierungsoffensive“ stark zu machen. Nur mit einem gesetzlich verankerten „Recht auf lebenslanges Lernen“ könnten heimische Beschäftigte den Anschluss an die technische Entwicklung halten.

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