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Krefeld: Unternehmen laut Frühjahrsumfrage der IHK NIederrhein optimistisch

IHK-Frühjahrsumfrage Niederrhein : „Die Rohstoffpreise ziehen gewaltig an“

Die Unternehmen sind erstaunlich optimistisch – Sorgen bereiten allerdings Effekte wie drastisch steigende Rohstoffpreise. Holz, Metalle oder Computerchips sind teilweise gar nicht mehr zu bekommen.

Die Konjunktur in den IHK-Bezirken Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein erholt sich in schnellen Schritten von der Corona-Pandemie. Das ist das Ergebnis der Frühjahrsumfrage der Industrie- und Handelskammer. 800 Unternehmen mit rund 75.000 Beschäftigten nahmen in den letzten beiden April-Wochen an der Umfrage teil. Das Bild zeichnet einen optimistischen Ausblick. Hatten die Indizes im vergangenen Herbst noch sämtlich im negativen Bereich gelegen, so drehten sie nun teils deutlich ins Plus.

„Die Erwartungen der Industrie haben aktuell in etwa den Stand erreicht, den wir vor der Pandemie, also im Winter 2019/20, hatten. Allerdings muss man hier im Hinterkopf behalten, dass wir uns damals nicht in einer Hochkonjunktur befanden, sondern durchaus schon Probleme spürbar waren“, erläutert Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Auch sei der Trend zwar im Schnitt sehr ermutigend, allerdings gelte es, die einzelnen Branchen sehr differenziert zu betrachten.

„Der große Treiber ist derzeit die produzierende Industrie. Hier sind die Niveaus der Vor-Coronazeit teilweise bereits übertroffen. Anders sieht es im Einzelhandel – mit Ausnahme des Lebensmitteleinzelhandels – oder den kontaktintensiven Dienstleistungen aus, wo es streckenweise große Probleme gibt“, erläutert Berghausen.

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Problematisch für die aktuell bereits wieder gut laufende Industrie seien vor allem zwei Risikofaktoren: Rohstoffe und Fachkräfte. „Die Rohstoffpreise ziehen gewaltig an. Es gibt sogar Unternehmen, die derzeit in Bereichen wie Holz, Metallen oder Chips überhaupt nichts bekommen“, sagt der Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, Jürgen Steinmetz, und Berghausen ergänzt: „Ich habe heute mit einem Vertreter der Handwerkskammer gesprochen. Er erzählte, dass Dachdecker teilweise die Arbeit ruhen lassen müssen, weil sie vom Großhandel kein Holz mehr bekommen.“

Auch der Fachkräftemangel habe sich verstärkt. „Die Unternehmen bekommen ihre Ausbildungsplätze schlicht nicht besetzt. Das Angebot ist da, aber die Unternehmen finden keine Auszubildenden“, sagt Steinmetz. Das liege zum Teil auch daran, dass weniger Jugendliche die Schulen verlassen. „Wir hoffen, dass dieser Effekt nur kurzfristig ist und die jungen Leute dann mit ein, zwei Jahren Verzögerung auf den Markt kommen und nicht noch eine akademische Ausbildung anstreben. Ich kann nur betonen, dass die Ausbildung gerade in der Industrie sich lohnt“, sagt Berghausen eindringlich.

Auffällig ist bei der Langzeit-Darstellung der Geschäftsklimaindizes, dass die Auswirkungen der Pandemie deutlich geringer sind als die der großen Lehman-Finanzkrise 2008. Damals lag beispielsweise bei den Unternehmenserwartungen der Tiefststand bei minus 60 Punkten. Im vergangenen Jahr betrug der schwächste Wert etwa  minus 30 Zähler. „Wir erwarten in der Tat, dass die Krise nachhaltig überwunden ist. Zwar kann es in einigen Branchen dazu kommen, dass noch einige Insolvenzen nachgeholt werden, da die Antragspflicht aufgrund der Krise ausgesetzt war, aber wir erwarten insgesamt nicht, dass die Zahl am Ende das langjährige Mittel übersteigt“, sagt Steinmetz.

Für die Zukunft sei für Einzelhandel und Veranstaltungsbranche vor allem wichtig, dass die Impfkampagne gut weiterlaufe. „Wir erleben derzeit in Ländern, in denen das Impfen schneller geht wie Israel oder den USA, dass das Interesse an einem bestimmten Punkt abflaut und eine Impfmüdigkeit einsetzt. Das sollten wir uns nicht leisten. Impfungen gemeinsam mit Tests sind der Ausweg aus der Krise für alle Bereiche“, appelliert Berghausen eindringlich an die Verbraucher.

Gelänge das, dann sehe die Wirtschaft am Niederrhein in eine positive Zukunft. „Zwar wird es Bereiche geben, in denen Geschäftsmodelle durch Digitalisierung verloren gehen, aber insgesamt glauben wir, dass sich die Wirtschaft als robust darstellt“, bilanziert der IHK-Chef aus der Landeshauptstadt.