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Krefeld: Ulla Lenze erhält den 25. Niederrheinischen Literaturpreis für ihr Gesamtwerk

Literatur in Krefeld : Ulla Lenze erhält den Niederrheinischen Literaturpreis

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis der Stadt Krefeld soll am 6. September im Rathaus an die gebürtige Mönchengladbacherin überreicht werden. Die 46-Jährige wird für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.

Ulla Lenze ist schon ein bisschen herum gekommen in der Welt. Sie ist 1973 in Mönchengladbach geboren, hat als 16-Jährige ein halbes Jahr lang bei einer Familie in Indien gelebt, war Stadtschreiberin in Damaskus, begleitete Frank-Walter Steinmeier in dessen Zeit als Außenminister auf einer Delegationsreise nach Neu-Delhi und war Teilnehmerin beim Treffen irakischer Dichterinnen in Basra. Am 6. September steht Krefeld als Destination im Terminkalender von  Ulla Lenze. Die Schriftstellerin wird mit dem Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld 2020 ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis soll ihr an diesem Tag  im historischen Ratssaal übergeben werden.

Das Votum der Jury war einstimmig und würdigt die fünf Romane, in denen Ulla Lenze durch eine „subtile, hochdifferenzierte Charakterisierung von Städten und Menschen beeindruckt“ habe. Ihre Fähigkeit, Atmosphären und Stimmungen mit Gedanken und Reflexion zu verknüpfen, rage in der deutschen Literatur heraus, heißt es in der Begründung der Jury.

Dazu beigetragen hat auch ihr jüngster, in diesem Jahr erschienener Roman „Der Empfänger“, der von der Literaturkritik hoch gelobt wird. Darin erzählt sie die Geschichte eines Mannes ohne besondere Eigenschaften, der als Auswanderer sein Glück in Amerika sucht. Die Handlung spielt zwischen den 1920er- und 1950er-Jahren in New York, Neuss, am Niederrhein und in Südamerika. Nazi-Spione und FBI werden auf den Amateurfunker Josef Klein aufmerksam. Unversehens  und unfreiwillig wird  Klein zum Doppelagenten. Am Ende geht ihm alles verloren, auch der Traum von der großen Freiheit.

Es ist das erste Mal, dass sich Ulla Lenze in einem Roman mit der westlichen Kultur und der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt. Ihre Schauplätze lagen meist im Orient. Die Vernetzung von Schreibenden   aus Kriegs- und Krisengebieten mit deutschsprachigen Kollegen ist ihr ein Anliegen. Die Liste ihrer Stipendien ist lang – und immer wird ihre poetische Sprache gelobt.

Lenze, die heute in Berlin lebt,  ist die 25. Preisträgerin und in namhafter Gesellschaft: Elke Schmitter, Burkhard Spinnen, Hans Neuenfels und Hans Pleschinski  sind in den vergangenen Jahren mit dem Krefelder Preis geehrt worden, der alle zwei Jahre vergeben wird.