1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Uerdingen hat wieder eine Bücherei

Außenstelle der Krefelder Mediothek : Uerdingen hat wieder eine Bücherei

Zehn Jahre Kampf gegen die Schließung haben sich gelohnt. Mit einem einfachen Ausleihkonzept geht zur Freude aller Leseratten ab sofort die Außenstelle Uerdingen der Krefelder Mediothek an den Start.

Noch erinnert die Anmutung des unaufgeräumten Parterrebereichs des Herberzhauses mit der Hausnummer 5 mehr an Umbau denn an eine Heimstätte für eine Uerdinger Bücherei. Ein bereits voll geräumtes Bücherregal wartet auf seinen endgültigen Standplatz, auf einer Fensterbank steht ein Kasten mit Hörbüchern und daneben ein Regal, das Belletristik, meist Krimis, zur französischen Bretagne vorstellt. Ein Fressen für den Bretagne-Fan Frank Meyer, der sich hier umtut und feststellt, dass er die meisten Bücher von Jean-Luc Barneluc bereits gelesen hat.

Ab dem 10. August wird der Ausleihbetrieb der Außenstelle Uerdingen der städtischen Mediothek montags und mittwochs von 9 Uhr bis 14 Uhr und freitags von 14 Uhr bis 19 Uhr unter der Aufsicht einer Mitarbeiterin der Verwaltung beginnen. „Dies war eine nicht ganz einfache Geschichte. Die Uerdinger Bücherei wurde mit einer breiten Mehrheit im Rat geschlossen. Doch hier zeigte sich Uerdingen als das berühmte gallische Dorf, das verbissen Widerstand geleistet hat“, erinnerte Oberbürgermeister Meyer in seiner Eigenschaft als Kulturdezernent an den zehnjährigen Kampf einer Gruppe von Uerdingerinnen und Uerdingern, die sich als „Arbeitskreis  Bücherei Uerdingen“ dem Fortbestand der im Jahre 2014 hundertjährigen Stadtteilbibliothek verschrieben haben.

Sprecherin Susanne Tyll legte sofort nach und forderte eine bibliothekarische Fachkraft für die Verwaltung des Uerdinger Buchbestandes. Meyer verweist auf die künftige Entwicklung: Einerseits soll ein Büchereiangebot für Uerdingen bestehen bleiben. Andererseits soll dies auf die künftige Entwicklung des Quartiers Rücksicht nehmen.

Nach dem Umbau und dem Ausbau eines Atriums im rückwärtigen Hof soll ein kulturelles Quartierszentrum entstehen, das in Zusammenarbeit mit Mediothek und VHS und einem Bürgercafé einen „dritten Raum“ zwischen Öffentlichkeit und Zuhause bildet, wie es Stadtplaner Norbert Hudde beschreibt. Zusammen mit Rachid Jaghou vom Krefelder Gebäudemanagement machte er keine Hoffnung darauf, dass die Eröffnung dieses Hauses vor 2024 erfolgen würde. Europaweite Ausschreibung, Gespräche mit dem Denkmalschutz, Vergabeverfahren, Warten auf Förderbescheide und Bewilligungsverfahren für die veranschlagten Gelder seien unabdingbar und benötigten viel Zeit. Der historische Marktplatz und das Uerdinger Parkraumkonzept werden in die Planungsüberlegungen einbezogen.

Wenn das provisorische Konzept der neuen Uerdinger „Bibliothek des Vertrauens“ mit seinem Verzicht auf kostenpflichtige Ausweise und den leicht einzuprägenden Punkten „1. Auswählen, 2. Lesen und 3. Zurückstellen“ klappt – nicht zuletzt hängt dies von der Ehrlichkeit der Ausleihenden ab, die Bücher nicht gegen andere auszutauschen oder gar zu unterschlagen – wird sich die Uerdinger Bücherei in den Köpfen festsetzen und der Standort wird sich festigen.

„In den Tagen der Pandemie haben viele Kinder zum Buch zurückgefunden“, stellt Mediothek-Leiterin Evelyn Buchholz fest. „Geblieben sind die Probleme, Jugendliche im Teenageralter zu uns zu ziehen.“ Daher stützt sich die erste Grundausstattung der Uerdinger Bücherei auf  Kinder- und Jugendbücher aus den Bereichen Technik und Naturwissenschaft.

Erwachsene Leser werden eine Menge Bestseller finden und viele neue Bücher, die sich als Ferienlektüre eignen. Bisher erhielten 200 neue Bücher das Uerdingen-Etikett. „Darunter sind auch neuwertige Bücher, die uns von Leser gespendet werden, wenn sie das Buch gelesen haben“, sagt die Mediothek-Chefin erfreut. „Wir freuen uns natürlich über solche Spenden. Aber bitte nur über solche aktuellen Bücher. Die Halbwertzeit eines neu auf den Markt gelangten Buches ist sehr kurz geworden. Bei Bücherreihen liegt sie etwa bei fünf Jahren.“