Krefeld: Trio Adorno beim Serenadenkonzert im Rittersaal von Burg Linn

Serenadenkonzert : Sensibel und expressiv – das „Trio Adorno“

Mit einem hochkarätigen Programm beendeten drei Musiker aus der Hansestadt Hamburg die Serenaden-Saison auf Burg Linn. Das Konzert begann mit einer Überraschung für die zahlreichen Zuhörer.

Verwunderung machte sich breit unter den Zuhörern der 9. Serenade im lückenlos gefüllten Rittersaal von Burg Linn, als zu Beginn nur ein Künstler das Podium betrat – der Pianist Lion Hinnrichs. Er wollte zunächst eine kurze Einführung ins Programm geben. Das tat er nicht etwa trocken-theoretisch, sondern mit klug gewählten Klangbeispielen am Flügel, sodass das Publikum bestens vorbereitet den Abend genießen konnte.

Mit dem gewichtigsten Werk der Programmfolge begannen Christoph Callies, Violine; Samuel Selle, Violoncello und Hinnrichs am Tasteninstrument: Dem fast dreiviertelstündigen Trio Nr.7 op.97 B-Dur, das Ludwig van Beethoven dem Erzherzog Rudolph widmete. Das in zeitlicher Nähe zur siebten und achten Sinfonie entstandene Opus – das letzte seiner Art im Schaffen des Komponisten –gilt als Höhepunkt der Klaviertrio-Literatur.

Die kunstvolle thematische Arbeit und die farbigen Kontraste arbeitete das fein aufeinander hörende Trio sorgfältig heraus, vor allem das innige, liedhafte „Andante cantabile“ (3. Satz) wurde dank der zwar expressiven, doch immer kontrollierten Spielweise der Gäste zum unvergesslichen Hörerlebnis. Nicht umsonst hat Menahem Pressler, der Gründer des legendären „Beaux Arts Trios“, die drei Musiker als „sehr intelligent“ bezeichnet.

Als Hommage für den Komponisten und Dirigenten Professor Elmar Lampson - seit 2004 Präsident der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg - waren dessen 1987 entstandene „Facetten für Klaviertrio“ gedacht.

Vier der fünf kurzen Stücke huschten wie flüchtige (aber technisch anspruchsvolle) Miniaturen vorüber. Doch das Fünfte verlangte von den Streichern Naturtöne in nicht temperierter Stimmung. Hinnrichs hatte in seiner Einführung bereits gewarnt, sie klängen „etwas verstimmt“. Sie taten wahrlich den Ohren weh, und der Sinn der Tortur war nicht so recht zu ergründen.

Robert Schumann schrieb das letzte seiner drei Klaviertrios –op.110 g-Moll - im Jahre 1851 und widmete es dem von ihm sehr geschätzten dänischen Komponisten Niels Gade. Damals lebte Schumann mit seiner Familie in Düsseldorf - es war die Zeit, als seine psychische Erkrankung sich immer mehr bemerkbar machte. Eine innere Unruhe durchzieht alle vier Sätze des ergreifenden Opus, auch empfindsame Phasen werden immer wieder aufgebrochen. Dem Finalsatz schließlich wollte der Komponist mit Macht „Humor“ einflößen – so auch der Titel. Doch der in seinen Stimmungen stetig schwankende, unglückliche Tonsetzer äußerte nach dem ersten Hören treffend „es habe ihm nicht so recht gelingen wollen.“

Umso mehr gelang es dem „Adorno-Trio“, in den ersten drei Sätzen die stets von Trauer durchzogene, hoch emotionale Musik dem Hörer nahe zu bringen und die Doppelbödigkeit des Schlusssatzes überlegen auszudeuten. „Ich hoffe, Sie haben noch fünf Minuten Zeit“, meinte der humorvolle Pianist nach dem donnernden Schlussapplaus. Dann spielten die Drei, wie von der Musik besessen, den letzten, unglaublich furiosen Satz des C-Dur Klaviertrios von Bohuslav Martinu.