Krefeld: Traditionelle Schleppjagd durch Hülser Bruch

Organisiert von „Reiterfreunde Luisenhof“ : Farbenfrohe Jagd durchs Hülser Bruch

56 Reiter folgten am Samstag der Hundemeute. Die Schleppjagd organisierte diesmal der Reitstall Luisenhof.

Das Parforcehorn ertönt und gibt den Reitern das Startsignal für die traditionelle Schleppjagd. Als die Hunde die Witterung aufnehmen, stürmen sie der frischen Geruchsfährte hinterher, 56 Reiter folgen ihnen. Eine Szene, wie man sie häufig in Filmen bestaunen kann – oder aber an diesem Wochenende in Krefeld.

Die „Cappenberger Schleppjagd-Meute“ begleitet die Reiter bei der Jagd durchs das Hülser Bruch. . Foto: Reiterfreunde Luisenhof

Seit über 50 Jahren findet jährlich im Herbst die Krefelder Gemeinschaftsjagd hinter der Hundemeute statt. Für dieses Ereignis trainieren die Reiter schon Monate im Vorfeld. Aber auch die rund 200 Zuschauer, die sich an diesem Wochenende am Hülser Bruch versammelt haben, fiebern mit. Veranstaltet wird das Spektakel in diesem Jahr von den Mitgliedern des Reitvereins „Reiterfreunde Luisenhof“. Mit wohltönenden Jagdsignalen sorgen die Parforcebläser „Trompes des Chasse Erstland“ für die passende Stimmung auf der Wiese. Als die ersten Reiter elegant über das Hindernis springen, ist die Begeisterung bei den Zuschauern groß.

Die Reiter in ihren zum Teil farbigen Röcken galoppierten durch die herbstliche Landschaft. Foto: Reiterfreunde Luisenhof

Die Jagd beginnt: Vorreiter sorgen für die Sicherheit der Teilnehmer, in dem sie die Hunde leiten und Spaziergängern auf dem Weg ankündigen, dass gleich eine Jagdgesellschaft vorbei kommen wird.

Die 22 Hunde vom Cappenberger Schleppjagdverein folgen einer Duftfährte, die am Sattel des Schleppenlegers befestigt ist. Geleitet vom „Jagdherrn“, Horst Wittfeld, folgen Feldpiqueure, die die drei Jagdreiterfelder anführen. Eine Besonderheit in diesem Jahr ist das Einsteigerfeld. Neben dem sonst üblichen „springenden“ und „nicht springenden“ Feld, gibt es nun auch für Reiter mit weniger Erfahrung die Möglichkeit zur Teilnahme.

„Pferde sind Herden- und Fluchttiere. Wenn sie in der Gruppe galoppieren, kann es für unerfahrene Reiter schwierig werden, die Kontrolle zu behalten“, erklärt Vereinsvorsitzende Eva Wallrath. Deswegen trainierten die 20 Reiter des Einsteigerfeldes bereits vor der Jagd an drei Probetagen, mit der Gruppe über Wiesen und im Wald zu galoppieren. Julia Driehsen (22) reitet erstmals mit ihrem eigenen Pferd „Lurchi“ mit. „Im Einsteigerfeld reiten wir mit etwas gemäßigterem Tempo und auch eine kürzere Strecke als die anderen. Die Übungstage haben sehr geholfen, uns auf die Schleppjagd vorzubereiten“, erklärt sie.

Mit Leichtigkeit springen Elisabeth Halbreiter (17) und ihr Pferd über die Hindernisse. Die beiden sind bereits ein eingespieltes Team. Das merkt man auch bei der Jagd, denn dieses Jahr übernimmt die Jugendliche erstmals die Rolle der Vorreiterin: „Es macht unglaublich viel Spaß“, berichtet die junge Reiterin. Mehrere Monate habe sie mit ihrem Pferd zusammen Muskulatur und Ausdauer trainiert, um die 15 Kilometer Strecke zu meistern.

Das gemeinschaftliche Ausreiten in der Natur ist nicht nur für die Reiter selbst aufregend. Auch zu Fuß war die Stimmung gut. Petra Kievelitz (52) ist früher selbst im springenden Feld mitgeritten. Jetzt ist sie als Zuschauerin dabei. „Es ist jedes Jahr ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Man trifft sich mit den umliegenden Ställen, lacht und feiert anschließend zusammen“, erzählt die Krefelderin. Tatsächlich geht es heute bei den Schleppjagden um das gesellige Beisammensein. Tiere wie Fuchs oder Hase werden dabei in Deutschland nicht mehr gejagt.

Traditionell endet die Jagd mit dem Halali – einem Jagdhornsignal, das anzeigt, dass das gehetzte Wild gestellt ist. Als Dank erhalten die Hunde bei einem großen Lagerfeuer den Pansen. Den 56 Teilnehmern werden der Knopf und der Bruch feierlich überreicht.

Im direkten Anschluss geht es mit dem Jagdball auf dem Luisenhof weiter. Für den besonderen Anlass haben die Vereinsmitglieder die Longierhalle mit viel Liebe zum Detail zu einer Partylokation umgestaltet. Die Reiterfreunde feiern hier zusammen mit Zuschauern und Gästen bis in den späten Abend hinein die erfolgreiche Herbstjagd.

 „Tradition bedeutet die Weitergabe von Sitten und Handlungen. Ich bin froh, dass wir mit diesem Jagdtag eine solche Tradition aufleben lassen konnten. Und sogar Petrus war auf unserer Seite“, resümiert die Vorsitzende und freut sich über den gelungenen Tag im Hülser Bruch. So viel ist klar: Im kommenden Jahr werden sich die Freunde der Schleppjagd wiedertreffen.

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