Krefeld: Tod nach SM-Sex - Mann wegen Mordes vor Gericht

Prozess in Krefeld : Ehefrau nach SM-Sex gestorben - Mann wegen Mordes vor Gericht

Weil er seiner Frau nach einer schweren Verletzung beim Sex tagelang keine Hilfe geholt haben soll, muss sich ein Krefelder wegen Mordes vor Gericht verantworten. Als die Retter endlich alarmiert wurden, war es für die Frau zu spät.

Im Juli vergangenen Jahres soll der Krefelder seine Frau bei sexuellen Handlungen lebensgefährlich verletzt und nicht den Arzt gerufen haben. Als er Tage später doch Hilfe holte, war es zu spät: Der Rettungsdienst konnte der Frau nicht mehr helfen. Ihr Dickdarm war abgerissen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dem Mann bewusst war, dass die 49-Jährige in Lebensgefahr schwebt, er dennoch keinen Arzt holte.

Seit Dienstag muss sich der 52-Jährige vor dem Krefelder Landgericht verantworten. Die Staatsanwältin wirft ihm Mord durch Unterlassen vor. Damit habe der Mann eine andere Straftat, die vorangegangene Körperverletzung, verdecken wollen. Zu den Vorwürfen wollte er sich nicht äußern. Seit 2011 waren die beiden liiert, geheiratet haben sie erst kurz vor dem Tod der Frau. Der Sohn sagte gestern, dass seine Mutter ihm die Heirat verschwieg habe, möglicherweise, weil sie wusste, dass er dagegen war. Er selber hatte den Kontakt zum Angeklagten schon länger eingestellt.

Der Zeuge gab an, er habe schon in der Vergangenheit Verletzungen gesehen. Er habe versucht, seine Mutter zu beschützen, sie zu sich nach Hause geholt und ihr schließlich einen Platz im Frauenhaus besorgt. Dort habe sie sich jedoch vom Angeklagten abholen lassen und sei wieder zu ihm zurückgekehrt. „Ich habe ihr Vorwürfe gemacht, dass sie soviel duldet, dass es soweit gekommen ist, und dass sie es mir nicht eher gesagt hat“, schilderte der Sohn dem Richter.

Seine Mutter habe ihm Hämatome gezeigt und beteuert, sie wolle ihren Mann nie wieder sehen und nie wieder von ihm verletzt werden. Allerdings habe sie sich immer wieder vom 52-Jährigen beeinflussen lassen, mit schönen Worten sei sie leicht zu manipulieren gewesen. Die beiden führten eine Firma, bei der sie als Geschäftsführerin eingetragen gewesen sei, tatsächlich aber nur Reinigungsarbeiten übernommen habe.

Im Januar vergangenen Jahres habe er seine Mutter aus dem Krankenhaus abgeholt, sie kehrte zurück. Danach sei sie erneut vor ihrem Mann geflohen. Sie habe Verletzungen am ganzen Körper und im Genitalbereich gehabt. Der Mann habe sie „misshandelt, erniedrigt und missbraucht“. Er gehe auch davon aus, dass Drogen ein Thema waren. „Ich glaube schon, dass sie ihn geliebt hat“, sagte der Sohn. Zwei Mal hatte sie bereits Strafanzeige erstattet und diese dann wieder zurückgenommen.

Die Lebensgefährtin des Sohnes bestätigte, dass die 49-Jährige mit Verletzungen zu ihnen kam. „Wir hatten keine Ahnung“, sagte sie über mögliche Gewalttaten des Angeklagten. Später sei dann immer mehr bekannt geworden, zum Beispiel, dass die Frau die Wohnung nicht verlassen durfte. Sie sei gezwungen worden, Drogen zu nehmen. Der Angeklagte habe sie sogar verprügelt, wenn sie ohne Erlaubnis zum Friseur ging.

Die Zeugin gab ab, sie kenne nicht alle Hintergründe, wisse aber, dass die Gewalttaten einen sexuellen Bezug hatten. Die 49-Jährige habe wohl auch psychische Probleme gehabt, das habe man aber nicht gemerkt. Die Frau sei freundlich und herzlich gewesen. Warum sie immer wieder zu dem Mann zurückkehrte? „Das haben wir damals alle nicht verstanden“, sagte die Lebensgefährtin des Sohnes als Zeugin.

Insgesamt sind fünf Prozesstage angesetzt. Die Verhandlung wird am 27. Juni fortgesetzt.

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