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Krefeld: Tierheim verliert Fundtierauftrag

Krefeld : Tierheim verliert Fundtier-Auftrag

Moers hat ein Angebot vorgelegt, das deutlich günstiger sein soll als das des Krefelder Tierheims - angeblich eine Million Euro.

Das Krefelder Tierheim wird künftig nicht mehr für die Stadt Krefeld Fundtiere aufnehmen und versorgen. Dieser Auftrag geht mit Wirkung von Januar 2019 an das Tierheim in Moers.  Die Stadt hatte den Auftrag ausgeschrieben; Moers hat ein Angebot vorgelegt, das deutlich günstiger sein soll als das des Krefelder Tierheims - angeblich eine Million Euro. Existenzbedrohend ist dieser Schlag für das Tierheim zwar nicht, betont Dietmar Beckmann, Vorstandssprecher des Tierschutzvereins als Träger des Tierheims: „Wir geraten nicht in Existenznot. Die Fundtiere machen 30, 35 Prozent unserer Arbeit aus. Das können wir auffangen.“ Enttäuscht aber ist er dennoch: „Wir haben über die Fundtierbetreuung seit 1969 intensiven Kontakt zur Krefelder Bevölkerung und stehen jetzt außen vor.“

Auch über die offenbar beinharte Konkurrenz zwischen Tierschutzvereinen ist Beckmann bestürzt. „Es gab zuletzt den Trend, dass die Kommunen die Tierheime für ihre Arbeit anständig bezahlen. Jetzt sieht es danach aus, dass die Tierheime sich untereinander Konkurrenz machen. Jeder will billiger sein; die Kommunen gewinnen und finden wieder genügend Leute, die diese Arbeit umsonst machen.“ Dass die Moerser dieses Spiel mitmachen, findet Beckmann „ganz schlimm“. Außerdem fürchtet er, dass die Lage herrenloser Tiere in Krefeld sich objektiv verschlechtert. Das Krefelder Tierheim beschäftigt zurzeit acht Mitarbeiter; offen ist, ob nun Entlassungen ausgesprochen werden müssen, erklärt Beckmann.

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Der Auftrag der Betreuung von Fundtieren war für vier Jahre ausgeschrieben und umschließt eine Bereitschaft rund um die Uhr. „Dafür braucht man mindestens drei bis vier Leute“, sagt Beckmann. Ihm ist es ein Rätsel, wie die Moerser dieses Angebot so viel kostengünstiger als die Krefelder schaffen. „Ich kenne deren Struktur nicht. Vielleicht haben die viele Ehrenamtliche, die das kostenlos machen.“ Ob dieser Dienst ohne bezahlte Kräfte verlässlich aufrechtzuerhalten sei, werde sich zeigen.

In Sorge ist Beckmann auch wegen eines anderen Punktes. Fundtiere im Sinne des Gesetzes sind ihm zufolge nur Tiere, die erst kurze Zeit nicht mehr unter der Aufsicht ihrer Besitzer stehen. Tiere, die offensichtlich längere Zeit ohne Aufsicht sind, gelten als „Streuner“, erläutert Beckmann. Und für Streuner sind die Moerser laut Auftrag eben nicht zuständig. „Wir haben uns natürlich auch um Streuner gekümmert. Das sind vor allem Hunde und Katzen. Aber wir haben auch mehrere Male im Jahr Kartons mit Meerschweinchen und Kaninchen gefunden, die illegal einfach irgendwo am Straßenrand abgestellt wurden. Wir haben diese Tiere aufgenommen.“ Wie es künftig mit solchen Streunern weitergeht, ist offen.

Die Ratsfraktion der Partei „Die Linke“ hat die Auftragsvergabe an das Moerser Tierheim kritisiert und gegen das „rücksichtslose Vorgehen“ der Krefelder Verwaltung gegenüber dem Krefelder Tierheim protestiert.