Krefeld: Tierheim-Mitarbeiter versorgen 52 unterernährte Igel

Tierschutz-Thema : Aufgepäppelte Igel werden in die Freiheit entlassen

Das Krefelder Tierheim hat sich über den Winter um 52 Igel gekümmert, die die kalte Jahreszeit sonst nicht überlebt hätten.

Um 52 Igel hat sich das Tierheim Krefeld in diesem Winter und Frühjahr gekümmert. Viele Tiere kamen im Herbst verletzt oder unterernährt an den Flünnertzdyk. Tierheimmitarbeiter und Tierärzte päppelten sie auf und ermöglichten ihnen eine artgerechte Überwinterung. Nun steht die Phase an, in der die Pfleglinge ausgewildert werden. „Die Tiere werden ganz langsam daran gewöhnt, sich selber zu versorgen, um Gewicht zuzulegen“, erklärt Frank Schankat, Leiter des Tierheims und Experte für Igel im Tierschutzverein.

Auch Neuzugänge gibt es noch. „Durch die warmen Temperaturen, die in diesem Jahr sehr früh kamen, sind viele Igel aus dem Winterschlaf erwacht. Sie haben sich auf Nahrungssuche begeben, aber es gab noch wenig Futter. Als es kühler wurde, fielen sie in eine Art Winterruhe. Der Energiebedarf ist dabei höher, und auch das Herumlaufen hat Kraft gekostet. Darum sind viele Igel in einem schlechten Zustand“, erklärt Schankat. „Auch das ist eine sehr unschöne Folge des Klimawandels. In den vergangenen Jahren trat diese Art von Problemen deutlich gehäuft auf.“

Nicht immer gelingt es, alle Tiere durchzubringen. „Wir haben jedes Jahr Verluste. Einige Tiere kommen schwer verletzt an, wurden zum Beispiel Opfer von Mähmaschinen oder Autos. Andere sind einfach in einem so schlechten Gesamtzustand, dass wir nichts mehr tun können“, erklärt der Tierheimleiter. Das aber sei, so traurig es im Einzelfall ist, unter dem Strich nicht negativ. „Natürlich wollen wir jedem Tier helfen. Aber rational gilt es auch zu sehen, dass Igel Wild- und keine Haustiere sind. Und bei Wildtieren muss es auch eine Auslese geben, sonst ist das schlecht für die Art. Es war zu jeder Zeit so, dass Tiere über den Winter gestorben sind. Für das Individuum ist das schlecht, für den Gen-Pool aber unter Umständen richtig“, erläutert er.

32 Schlafplätze für Igel hält das Tierheim vor. Mit den Neuzugängen versorgte das Team bislang 52 Igel in diesem Jahr. Einige davon waren in so schlechtem Zustand, dass sie nicht in Winterschlaf gehen konnten. „Das lässt sich über Temperatur und Nahrungsangebot steuern. Die von uns durch den Winter gebrachten Igel werden in den kommenden Tagen an den Orten, an denen sie gefunden wurden, ausgewildert. Überwiegend geschieht das durch die Finder, die ihren Igel wieder abholen und in die Freiheit entlassen.“

Damit ist die Aufgabe des Igelschutzes für die Mitarbeiter des Tierheims aber noch nicht erledigt. Auch im Sommer kommt es in unschöner Regelmäßigkeit vor, dass verletzte „Stachelritter“ zum Flünnertzdyk gebracht werden. Zumeist sind es Rasenmäher oder landwirtschaftliche Geräte, die durch Unwissenheit und unsachgemäße Anwendung Igel gefährden. Hier empfiehlt sich, ebenso wie im Straßenverkehr, Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme, denn Igel sind für die heimische Biosphäre ein wichtiger Bestandteil.

(bk)
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