Krefeld: "Tapetenwechsel" in der Pförtnerloge der Fabrik Heeder

Ausstellung : „Tapetenwechsel“ in der Pförtnerloge der Fabrik Heeder

Zu ihrer ersten Ausstellung in Krefeld hat der Verein BBK Niederrhein Sabine Schellhorn in die Pförtnerloge eingeladen. Unter dem Titel „Tapetenwechsel“ zeigt sie Arbeiten, die sie genau für diesen Raum am Eingang zur Fabrik Heeder geschaffen hat.

„Ich arbeite gern mit Raum- und Ortsbezügen“, sagt Schellhorn, „und verbinde meine Kunst mit den Daten des Ortes.“

Das sind in diesem Fall Einzelheiten über die Fabrik Heeder, in der unter anderem Tapeten, Wachstuche und Verpackungen hergestellt wurden. Diese Produktionszweige haben das Material der Künstlerin bestimmt: Eine Mega-Kartonage ist Highlight in dem Raum. An der fensterlosen Wand hängen fünf von ihr gestaltete Tapetenbahnen. Am Fenster zum Hof hat sie, angelehnt an das Material Wachstuch, eine grafische Form aufgeklebt.

Die Motive für Karton, Tapete und Klebefolie hat sie aus einem vor mehr als 20 Jahren entstandenen eigenen Projekt gewonnen – „365 + 1 Siegel“. „Diesen immerwährenden Kalender habe ich entwickelt, ohne zu ahnen, dass sich darauf so viel aufbaut“, sagt Sabine Schellhorn. Von September 1995 bis August 1996 hat sie an jedem Tag ein Element. 1996 war ein Schaltjahr.

Für die Installation in der Fabrik Heeder konnte sie sich auf die Daten der Unternehmerfamilien beziehen. „Reinhard Schippkus, Historiker in Krefeld, hat sie mir geschickt“, sagt Schellhorn. „Ich bin hier total gut unterstützt worden!“ Sie hat die selbst entworfenen Siegel zu den Geburts- und Todestagen als Grundlage verwendet. An einem 16. Mai ist Fritz Peters verstorben. Aus dem zu diesem Tag gehörenden Siegel hat Schellhorn die zentrale Megakartonage gemacht. 

Dafür hat eine Moerser Firma – Nachfolger der Heederschen Unternehmer – die mehr als mannsgroßen Siegelumrisse ausgestanzt und in Handarbeit in mannigfachen Schichten aufeinander geklebt. „Herr Florid ist mein Held“, sagt begeistert Sabine Schellhorn über den Mitarbeiter der Kartonagenfirma Peters, der das ermöglicht hat. Siegel „16. Mai“ ist im Original rot; hier in der Farbe des Kartons. Es steht auf einem grünen Sockel. Das ist die Farbe der Firma und auch die Komplementärfarbe zum roten Ausgangsformat.

Genauso durchdacht sind die Drucke auf den Tapeten. Fünf hat Schellhorn entworfen und dabei insgesamt neun Siegel verwendet. Nummer 3, „Heeder pur“ in der Mitte, hat Graphit-Zeichnungen mit dem Siegel des August Heeder, der in Bremen geboren wurde. Was übrigens wieder eine Verbindung zur Künstlerin schafft. Denn die Frau aus Oberfranken lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Bremen. Während einer Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus in der Hansestadt wurde Brigitta Heidtmann vom BBK auf sie aufmerksam. 

Barbara Schellhorn, Jahrgang 1962, lebt in Bremen. Zahlreiche Ausstellungen, die Mehrzahl in NRW. BBK Niederrhein, Bundesverband Bildender Künstler, hat mit dieser Ausstellung die dritte und letzte 2018 organisiert. Die Tapetenbahnen von Sabine Schellhorn werden versteigert (www.sabschell-siegel.de/tapetenwechsel) Vernissage ist am Samstag, 8. September, um 19.30 Uhr. Finissage mit Vortrag des Historikers Schippkus am Sonntag, 14. Oktober, um 11.30 Uhr.

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