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Krefeld: Tanzlehrer Udo Kostorz erzählt, wie man Männern Freude am Tanzen vermittelt.

Tanzen in Krefeld : Wie man Männer zum Tanzen bringt

Einst Tanzmuffel, heute Tanzlehrer: Udo Kostorz weiß aus eigener Erfahrung, dass die ersten Schritte auf der Tanzfläche Überwindung kosten können, und erklärt, wie man Männer ans Tanzen bringen kann.

Wer könnte andere Männer besser für das Tanzen begeistern als ein Tanzlehrer, der selbst früher ein Tanzmuffel war? Udo Kostorz erinnert sich noch genau daran, dass er in den 70er Jahren seine zukünftige Karriere „eher als Bundeskanzler denn als Tanzlehrer“ gesehen hätte. Als ein guter Freund ihn fragte, ob er mit ihm einen Tanzkurs besuchen würde, lehnte er denn auch energisch ab. „Ich fand damals Tanzen unangenehm und peinlich“, erklärt Kostorz lachend. „Ich wollte mich doch nicht in der Öffentlichkeit bloßstellen und hatte Versagensängste.“

Er hatte aber dann doch ein Schlüsselerlebnis, das verhinderte, dass er Bundeskanzler wurde, denn als er vor mehr als 40 Jahren an Karneval in einer kleinen Kneipe sah, wie begeistert viele andere Menschen sich ausgelassen zur Musik bewegten, und er selbst beileibe nicht der Einzige war, der nicht tanzen konnte, fasste er sich ein Herz und ging zur Tanzschule Haase-Türk, damals an der Friedrichstraße, erklomm beklommen die Wendeltreppe, klingelte „ … und da traute ich mich plötzlich doch nicht und ich bin abgehauen“, gesteht der Ex-Tanzmuffel. Dann jedoch nahm er ein zweites Mal all seinen Mut zusammen und meldete sich zu einem Kurs an. Und wie das so ist: als Kostorz dann Tanzen gelernt hatte und es auch richtig gut konnte, machte es ihm so viel Spaß, dass vor 36 Jahren aus dem Hobby sein Beruf wurde. Seine „Berufung“ sieht er sogar darin, möglichst viele Menschen für das Tanzen zu begeistern, vor allem Männer.

Udo Kostorz bringt seit 36 Jahren Männern und Frauen das Tanzen bei. Seit kurzem ist er neuer Inhaber der ehemaligen Tanzschule Haase-Türk. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Dass dies nötig ist, wissen viele Paare aus eigener Erfahrung. Meist sind es ja die Frauen, die gerne tanzen und ihre Partner – oft vergeblich – dazu bewegen wollen, mit ihnen über das Parkett zu schweben. Auch Susanne Breckheimer weiß dazu eine Geschichte zu erzählen. Ihr Mann meinte, vom gemeinsamen Sohn auf das Tanzen angesprochen, das sei nichts für ihn. Als Susanne Breckheimer dann aber auf einer Hochzeit den ganzen Abend getanzt hatte und ihr Mann Hans nur herumsaß, hat er sich doch dazu entschlossen, dieser Freizeitaktivität eine Chance zu geben. „Mittlerweile tanzen wir beide im zehnten Jahr bei Udo,“ erzählt Susanne Breckheimer. Und ihr Mann ist sogar fester Tanzpartner für vier andere Damen und hilft auch schon mal als Assistent für den Tanzlehrer aus.

Sechs Freundinnen haben vor einigen Jahren eine andere Lösung gefunden: die Damen hatten einen Tanzkurs gebucht, dies aber geheim gehalten. Am ersten Abend wurden dann die Männer unter dem Vorwand, man gehe gemeinsam essen, vor vollendete Tatsachen gestellt. Zuerst waren sie sehr überrascht, dann „fanden sie es super und haben weitergemacht“, berichtet Kostorz lachend.

Manchmal muss es aber auch ganz schnell gehen. Denn selbst wenn heutzutage bei Hochzeitsplänen an auch noch das kleinste Detail gedacht wird und fast nichts dem Zufall überlassen bleibt, so fällt manchem Paar doch erst recht kurzfristig ein, dass man für den Hochzeitstanz auch tanzen können sollte. Unvergessen bleibt da das Paar, das bereits im Hochzeitskleid plötzlich vor der Türe stand und um eine sofortige Einzelstunde bat. „Das war wirklich eine besondere Herausforderung,“ erinnert Kostorz sich, „aber dieses Paar hat dann einen schönen langsamen Walzer als Hochzeitstanz zeigen können.“

Apropos Hochzeit: oftmals schon haben sich Paare bei ihm in der Tanzschule kennen- und lieben gelernt. So läuteten vor einigen Wochen bei einem Pärchen jenseits der 60 die Hochzeitsglocken. Sie waren beide gerade wieder Single und hatten sich im Anfängerkurs kennengelernt. Bei einem anderen Paar um die 60, das im Juni geheiratet hat, war Udo Kostorz gerne Trauzeuge, und ebenfalls bei einem Paar um die 40, das letzten September den Bund der Ehe eingegangen ist. Und weil er bei ungefähr 200 Paaren, bei denen es gefunkt hat, sozusagen Amor gespielt hat, wünschen sich viele Brautpaare dann, dass er ihr Trauzeuge ist. „Diesen Nebenjob mache ich wirklich ganz besonders gerne!“ freut sich der engagierte Tanzlehrer. Seine Frau hat er übrigens in seiner eigenen Tanzschule kennengelernt, in einem Rock’n Roll-Kurs, berichtet er. „Das war dann Liebe auf den ersten Tritt.“