Krefeld: Studenten lernen in Alexianer-Sommerakademie des Krankenhaus Maria-Hilf operieren

Sommerakademie in Krefeld : Operation am offenen Hähnchenschenkel

Chirurgische Schnitte lernen an einem Hühnchen

In der Sommerakademie des Maria-Hilf Krankenhaus werden Assistenzärzte und Studenten fortgebildet. In diesem Jahr lernen sie das laparoskopische Operieren in der Praxis kennen.

Meryem Cilingir ist hochkonzentriert: In der einen Hand hält die 20-Jährige eine Operationsschere, in der anderen Hand ein Instrument, das an eine Pinzette erinnert. Sie steht in dem Institut für Gesundheitsförderung des Krankenhauses Maria-Hilf vor einem Operationstisch und wird gleich ihren ersten Schnitt setzen. „Ich sehe gar nichts“, sagt sie ein wenig nervös und wendet sich an ihre Kollegin, die 24.jährige Samira Murad. „Soll ich das Licht heller stellen?“, fragt sie.

Die beiden sind Teilnehmerinnen der Alexianer-Sommerakademie und lernen dort das Operieren unter realen Bedingungen kennen. Die Idee für dieses praktische Seminar hatten Jens Westphal, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie und Elias Karakas, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Endokrine Chirugie bereits im vergangenen Jahr. Sie möchten Medizinstudenten und Klinikärzte für den Operationssaal schulen. Dazu gehört, dass sie die Namen der Operationsinstrumente kennen, aber auch, dass sie bestimmte Techniken selbst ausprobieren können.

Vier Tage lang dauert die Sommerakademie. Zunächst waren die Assistenzärzte an der Reihe, am Mittwoch waren die Studenten der Fliedner Fachhochschule in Kaiserswerth dabei. Sie studieren im zweiten Bachelor-Semester den Beruf des medizinischen Assistenten in der Chirurgie.

Bevor es an die Praxis geht, bekommen sie eine kurze theoretische Einführung von den beiden Chefärzten Jens Westphal und Elias Karakas. „Operieren ist ein Teamsport“, sagt Karakas, „die Assistenten sind so wichtig wie die Operateure selbst.“

Da es in der Sommerakademie vor allem um die Praxis geht, wurden im Institut für Gesundheitsförderung zwei Übungsstationen aufgebaut. An der einen können die Studenten das offene Operieren erlernen. Oberarzt Emanuel Burdzik hat dafür Hautmodelle mit einer Wunde mitgebracht. Die sollen die Studenten mit Operationsbesteck vernähen. An der zweiten Station lernen sie das laparoskopische Operieren kennen, die sogenannte „Schlüsselloch-Chirugie.“ Dafür gibt es acht spezielle Übungsgeräte. Und genau vor so einem stehen die Studentinnen  Meryem Cilingir und Samira Murad. Ihr Patient: ein Hühnchenschenkel.  Chefarzt Jens Westphal gibt noch einige Tipps. „Wichtig ist eine entspannte Körperhaltung“, erklärt er, „auf keinen Fall dürfen sie verkrampfen.“ Die beiden Studentinnen sollen einen Schnitt in den Hühnchenschenkel setzen und diesen danach mit originalen Operationsgeräten zunähen. Was leicht klingt, ist in Realität um einiges kniffliger. Denn ihren Patienten sehen die beiden nur auf einem Bildschirm. Eine der beiden Studentinnen hält die Kamera, während die andere mit den Instrumenten den Schnitt setzt. „Die Kamerahaltung ist mit die wichtigste Aufgabe“, sagt Westphal. Und Meryem Cilingir fügt hinzu: „Es ist nicht so leicht, wie es von außen aussieht.“ Während Samira Murad die Kamera führt, setzt die 20-Jährige vorsichtig einen Schnitt. „Es ist alles eine Frage der Übung“, sagt Westphal. Dann geht es ans Vernähen.

Unter videoendoskopischer Sicht operieren die Studenten jeweils einen Hühnerschenkel. Sie setzen einen sauberen Hautschnitt und vernähen diesen wieder. All das unter realistischen Bedigungen mit original OP-Besteck. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
Die beiden Chefärzte Elias Karakas und Jens Westphal erklären den Studenten der Fliedner Fachhochschule die wichtigsten Handgriffe. Dann geht es für die beiden an die Praxis. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Nicht nur Studenten werden in der Akademie geschult. In den ersten beiden Tagen waren die Assistenzärzte an der Reihe. Im vergangenen Jahr gab es die erste Version der Sommerakademie. Sie ist nun ein fester Bestandteil des chirurgisch-urologischen Fortbildungsangebotes. Ein Ziel soll auch sein, dass langfristig gut ausgebildete Fachärzte und medizinisches Fachpersonal in Krefeld gehalten werden kann. Auch soll bei Medizinstudenten Interesse geweckt werden, ihr praktisches Jahr im Krankenhaus Maria-Hilf zu absolvieren.

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