Krefeld: Stromspar-Check der Caritas vor dem Aus

67.500 Euro fehlen : Stromspar-Check der Caritas vor dem Aus

CDU und SPD votieren gegen Zuschuss von 67.500 Euro. 41 Langzeitarbeitslose verlieren Ende März ihren Zusatzjob.

Als „höchst bedauerlich“ bezeichnet die Fraktion der Grünen die von der Caritas angekündigte Beendigung des in Krefeld seit Jahren erfolgreich laufenden, zuletzt aus Bundesmitteln finanzierten Projektes „Stromspar-Check“. Dort werden Menschen mit geringem Einkommen von eigens geschulten Langzeitarbeitslosen beraten, wie sie Strom sparen können. 41 langzeitarbeitslose Menschen waren bisher in dieser Zukunftsbranche tätig.

„Da die bisherigen Zuschüsse vom Bund Ende März dieses Jahres hin auslaufen, hatte die Caritas im Zuge der vergangenen Haushaltsberatungen an alle Fraktionen appelliert, das Projekt durch eine ersatzweise städtische Förderung am Leben zu erhalten“, sagt der sozialpolitische Sprecher der Grünen, Sayhan Yilmaz. 67.500 Euro werden für dieses Jahr, 77.500 Euro für 2020 benötigt. Die Caritas teilte der Politik schriftlich mit, diese Finanzlücke aus eigenen Mitteln nicht schließen zu können. Yilmaz: „Leider aber hat die Mehrheit aus SPD und CDU diesen Wunsch nicht aufgegriffen und keine Mittel in den Haushalt eingestellt.“

Dabei ist der „Stromspar-Check“ in Krefeld ein Erfolgsmodell. Seit mehr als fünf Jahren bietet er Haushalten mit geringen Einkommen in Krefeld eine attraktive Beratung zur Energieeinsparung an. Immer mehr Menschen haben aufgrund steigender Energiepreise Probleme, ihre Energierechnung zu bezahlen, so die Caritas. Auch in Krefeld werde aufgrund von Zahlungsrückständen immer wieder die Energielieferung gesperrt.

Der Verband liefert der Politik Zahlen: Danach wurden bis Juni 2018 insgesamt 1464 Haushalte beraten. Die jährliche Einsparung pro Haushalt liegt bei rund 120 Euro. „Bis zu 745 Euro sparen diese Haushalte durch die Beratung langfristig. Insgesamt sind das mittlerweile knapp eine Million Euro für alle bisher beratenen Haushalte“, rechnet die Caritas vor. 83.000 Euro spart die Stadt Krefeld langfristig durch die Beratung der bisher 1464 Haushalte bei den Kosten der Unterkunft, 1877 Tonnen CO2 werden werden nach Angaben der Caritas langfristig vermieden.

Neben der Caritas sind auch die Stadtwerke Krefeld von dem Projekt überzeugt. Der Versorger beteiligte sich 2018 ebenfalls mit einem Zuschuss und ist überzeugt, dass „die Tätigkeit im Rahmen des Energiesparchecks zu einem bewussteren Umgang mit Energie führt und daher einen sinnvollen und wichtigen Beitrag zur Senkung der Anzahl von Versorgungsunterbrechungen darstellt“.

Als weiterer Kooperationspartner war bisher auch das Jobcenter mit im Boot. Die so gewonnen Berater wurden - im Zusatzjob - geschult und eingearbeitet. Ein Vorteil sei, dass die Stromsparberater oft selbst aus einkommensbenachteilgten Haushalten stammen und daher die Probleme der Betroffenen leichter nachvollziehen können. „Die Sparvorschläge werden leichter aufgenommen, wenn sie auf Augenhöhe vorgebracht werden“, argumentiert die Behörde.

Seit 2014 gehört der Kühlgerätetausch zum Angebot des Stromspar-Checks für einkommensarme Haushalte. Mit 150 Euro bezuschusst das Bundesumweltministerium den Austausch alter „Stromfresser“ gegen energieeffiziente Kühlgeräte. Im Projekt „Stromspar-Check Kommunal - NRW Spezial“ legt das Land Nordrhein-Westfalen seit Sommer 2016 noch einen zweiten Gutschein drauf (abhängig von der Haushaltsgröße), denn vor allem größere A+++-Kühlgeräte, wie gerade mehrköpfige Familien sie brauchen, sind sehr teuer. „Diese gelungene Kombination aus Sozialpolitik, Klimaschutz und Beschäftigungsförderung macht den Stromspar-Check so einzigartig“, so Heinz-Josef Kessmann, Sprecher der nordrhein-westfälischen Caritasdirektoren, auf einer Jubiläumsveranstaltung in Düsseldorf.

In Krefeld steht das Erfolgs-Projekt nun kurz vor dem Aus. „Soweit wir aus der Stadtverwaltung erfahren haben, konnte unser Antrag auf Förderung des Caritas Stromspar-Checks im städtischen Haushalt nicht berücksichtigt werden“, teilt Caritas-Vorstand Hans-Georg Liegener jetzt den Fraktionen im Stadtrat mit. „Wir haben auch von den Bemühungen um andere Fördermöglichkeiten erfahren. Leider werden diese Mittel nicht ausreichen, um die Arbeit des Stromspar-Checks fortsetzen zu können. Aus diesem Grund werden wir mit dem Auslaufen der bisherigen Zuschüsse aus dem Bundesprojekt dieses Angebot zum 31. März 2019 einstellen.“

Die Grünen bedauern, dass diese Maßnahmen in der Seidenstadt künftig keine Rolle mehr spielen sollen. „Die logische Folge ist, dass Krefeld nun aus der Liste der mehr als 150 Städte und Gemeinden herausfallen wird, in denen dieses großartige, sozial- und umweltpolitische Aspekte vereinende Maßnahme läuft“, so Yilmaz.

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