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Krefeld: Stadt und Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verhandeln über Kaserne Forstwald

Kaufverhandlung : Stadt will Kasernengelände kaufen

Die Kaufverhandlungen für das Gelände der ehemaligen englischen Kaserne in Forstwald zwischen Stadt und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sind in vollem Gange. Das Areal könnte für Wohnbebauung genutzt werden. Doch auch die Lobby für Aufforstung erstarkt angesichts des Klimanotstandes.

Hinter verschlossenen Türen wird derzeit über den Verkauf des ehemaligen Kasernengeländes in Forstwald verhandelt. Am Verhandlungstisch gegenüber sitzen sich Mitarbeiter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Eigentümer des Areals und Vertreter der Städte Krefeld und Tönisvorst.

Die Krefelder Verwaltung gibt sich in Sachen Kasernengelände zugeknöpft: Eine Anfrage unserer Redaktion vom 20. Januar zum Stand der Dinge blieb trotz mehrfacher schriftlicher und telefonischer Nachfrage mehr als sechs Wochen lang ohne jegliche Reaktion. Der Verdacht liegt deshalb nahe, dass die Verwaltung ein erneutes Hochkochen der Diskussion um „Bebauung oder Aufforstung“ zum jetzigen Zeitpunkt vermeiden möchte.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das Gelände auf Krefelder Seite irgendwann als Wohnbaufläche entwickelt werden wird. Laut eines Ratsbeschlusses von 2017 hat die Verwaltung nämlich den Auftrag, mit der BImA den Erwerb der Fläche als „Wohnbaufläche“ zu verhandeln. So ist es im Flächennutzungsplan festgeschrieben. Ob tatsächlich gebaut wird, liegt in der Planungshoheit der Stadt Krefeld und ist letztlich eine Frage der politischen Mehrheiten. Grüne und SPD hatten sich in der Vergangenheit klar für eine Bebauung der Fläche ausgesprochen, wegen des Mangels an Wohnbauflächen in Krefeld, aber auch, weil das Areal bereits versiegelt sei und die Aufforstung viel zu aufwendig wäre.

Im Stadtteil Forstwald ist die Bebauung jedoch umstritten. Die Bebauungsgegner haben dort mit Unterstützern in der CDU und der FDP eine starke Lobby, die sich seit Jahren für die Aufforstung des Areals stark macht. Ihre Position hat im Zuge der Diskussion um den Klimanotstand Aufwind bekommen: Der FDP-Bundestagsabgeordnete Otto Fricke hat zu Jahresbeginn eine so genannte Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, um in Erfahrung zu bringen, ob die Bundesregierung eine Wiederaufforstung des ehemaligen Kasernengeländes im Forstwald plane. Das Gelände in BImA-Besitz befinde sich, so Fricke, „in der Verfügungsgewalt des Bundes“. Wenn die Regierung es mit dem Klimaschutz ernst meine, sagt der Bundestagsabgeordnete, müssten Aufforstung und Wiederaufforstung auch und vor allem vor der eigenen Haustüre beginnen. Doch auch die Bundesregierung verweist in ihrer Antwort auf die laufenden Verkaufsverhandlungen. Es gebe daher für das Areal von Seiten des Bundes „keine weiteren Pläne“. Die beiden Kommunen Krefeld und Tönisvorst hätten die Planungshoheit und würden entscheiden, welche Nutzungen zukünftig zulässig seien.

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat unterdessen ein Programm zur Wiederaufforstung der Wälder von insgesamt 100 Millionen Euro für die nächsten zehn Jahre aufgelegt. Das hat Umweltministerin Ursula Heinen-Esser Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer jüngst in einem Schreiben als Antwort auf Krefelds Beschluss, den Klimanotstand auszurufen, mitgeteilt. Geld für die Aufforstung wäre also unter Umständen verfügbar, wenn in Krefeld der politische Wille zur Aufforstung des Kasernengelände da wäre. Aufforstungs-Befürworter Günther Porst, FDP-Ratsherr, meint: „Wenn eine Wiederaufforstung der mitten im Wald entstandenen Rodungsfläche der Forstwaldkaserne nicht die geeignete Maßnahme zur Umsetzung der Klimaziele ist, wo soll eine solche sonst gegeben sein?“ Tönisvorst habe klar entschieden, ihre Teilfläche wiederaufzuforsten. „Krefeld wollte bebauen, hat dazu aber von der BImA einen untragbaren Kaufpreis genannt bekommen“, sagt Porst, der dafür kämpft, dass Krefeld dem Tönisvorster Beispiel folgt.