Krefeld: Stadt stoppt Arbeiten an neuer Obdachlosenunterkunft

Notschlafstellen in Krefeld : Städtischer Obdachlosenunterkunft droht das Aus

Auf Menschen ohne Unterkunft kommen in Krefeld frostige Zeiten zu: Die Notschlafstelle sollte umziehen, doch die Renovierungsarbeiten sind offenbar gestoppt worden. Grund dafür ist ein Rechtstreit.

Die Stadtverwaltung hat einerseits in ihrer Notschlafstelle in der ehemaligen Don-Bosco-Schule entsprechenden Zulauf, andererseits ist die Nutzung der bis zu 90 Plätzen in der Obdachlosenunterkunft nicht ganz unproblematisch. Die Ausnahmegenehmigung zur Nutzung der Schule läuft Ende März aus. Durch ein Umzug in  neue Räumlichkeiten an der Oppumer Straße sollte die Situation entschärft werden. Doch die bereits fast ein Jahr andauernden Renovierungsarbeiten sollen von Seiten der Stadt gestoppt worden sein. Juristen prüfen einen Rechtsstreit.

„Die Umbauarbeiten an der Oppumer Straße konnten noch nicht fertiggestellt werden“, räumt Stadtsprecherin Angelika Peters ein. „Weiterhin gibt es Probleme mit der Trinkwasseranlage. Die diesbezüglich bestehenden Differenzen mit dem Eigentümer werden einer gerichtlichen Klärung zugeführt.“

Die Obdachlosenunterkunft wird in der Regel von 20 bis 30 Personen genutzt. Kurzzeitig steigt die Belegung, wenn zum Beispiel aufgrund von extremen Wetterbedingungen, Wohnungsbränden oder durch Räumung von Problemimmobilien die Unterbringung weiterer Personen erforderlich ist. Peters: „Da das Objekt für eine Belegung von bis zu 90 Personen ausgelegt ist, reichen die vorhandenen Kapazitäten aus.“ Inwieweit eine zeitliche Verlängerung der Nutzung der ehemaligen Schule als Obdachlosenunterkunft erfolgen kann, wird zurzeit von der Verwaltung geprüft. Parallel dazu suchen die Ämter intensiv nach einer alternativen Unterbringungsmöglichkeit.

Die Räume der ehemaligen Schule sind von der Verwaltung in der Vergangenheit unter anderem auch schon als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden. Angesichts  steigender Flüchtlingszahlen wurden die Räume 2013 für 70 bis 100 Asylbewerber vorbereitet. Damit musste Krefeld erstmals auf ein Provisorium zurückgreifen, um dem Flüchtlingsstrom gerecht zu werden. Aus je einer Schulklasse waren zwei Räume geworden, jeweils mit einem Waschbecken, mit Gemeinschaftsküchen und Duschen im Container. Parallel wurde die Schule  brandschutztechnisch ertüchtigt. Rund 300.000 Euro hat damals der Umbau gekostet.

 Erste Anlaufstelle für Obdachlose in Krefeld ist seit Jahrzehnten die Wohnungslosenhilfe der Diakonie an der Lutherstraße 18. Die Einrichtung unterhält an diesem Standort eine Notschlafstelle für bis zu 40 Personen und ist auch auf die Unterbringung von wohnungslosen Frauen eingerichtet. Zusätzlich betreibt sie an gleicher Stelle einen Tagesaufenthalt. Die Sozialarbeiter bieten außerdem intensive Beratung und Hilfestellung zur Überwindung der Obdachlosigkeit. Des Weiteren betreibt der Caritasverband für die Region Krefeld an der Melanchthonstraße 68 eine Notschlafstelle mit zwölf Übernachtungsplätzen für Wohnungslose mit einer Suchterkrankung.

Mehr von RP ONLINE