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Krefeld: Stadt soll an Wassersäcke für Bäume verteilen

Krefeld : UWG: Stadt soll Wassersäcke für Bäume verteilen

27.000 Bäume stehen in der Seidenstadt an den Straßen. „Der Kommunalbetrieb kann nicht überall sein, um gegen Trockenheit vorzugehen“, so Ratsherr Andreas Drabben. Der Politiker setzt auf die Bürger.

Die Straßenbäume in Krefeld kämpfen ums überleben. „Genau jetzt brauchen die Bäume viel Wasser, um gesund durch den Sommer zu kommen. Egal, ob mit Eimer, Gießkanne, Gartenschlauch: Jeder Liter hilft“, erklärt Andreas Drabben, Ratsherr der UWG. Insgesamt 27.000 Bäume stehen in der Seidenstadt an den Straßenrändern und Wegen. „Die alle mit städtischen Mitteln zu wässern ist nicht möglich. Daher ist jeder Bürger, der den Baum vor seiner Tür wässert, eine große Hilfe“, so Franz Filtmann, Sachgebietsleiter Straßenbaumpflege beim Kommunalbetrieb Krefeld (KBK), bereits vor Wochen.

Mit Interesse hat die UWG zur Kenntnis genommen, wie Willich gegen die Trockenheit der Bäume innerhalb des eigenen Stadtgebietes vorgeht. „Dabei werden interessierten Bürger sogenannte Wassersäcke zur Verfügung gestellt, die vor Ihrer Haustüre die Bäume mit Wasser versorgen. Der Bürger befüllt den Wassersack, der dann langsam das Wasser an den Baum abgibt. Da der Kommunalbetrieb auch nicht überall sein kann, ist dies sicherlich auch eine gute Variante, um mit Hilfe der Krefelder Bürger, gegen die sich jetzt schon ausbreitende Trockenheit vorzugehen“, so Drabben. Verwaltung und Kommunalbetrieb seien aufgefordert, diese Wassersäcke anzuschaffen, das zu kommunizieren und sie auszugeben. Einen entsprechenden Antrag hat die UWG jetzt für die kommende Ratssitzung am 26. Juni gestellt. „Der Wassermangel erhöht zudem die Population verschiedener Insekten, wie Borkenkäfer, die den Bäumen erheblichen Schaden zufügen“, ergänzt Rita Lübbars, umweltpolitische Sprecherin der UWG.

Zur Verhinderung von Trockenschäden hat der Kommunalbetrieb seine Strategie zur Bewässerung der Krefelder Straßenbäume, Grünflächen und Parks den sich ändernden Witterungsbedingungen angepasst. Die Bewässerung der Straßenbäume startet bereits Anfang / Mitte März und dauert — abhängig von der Witterung — bis in den Herbst im Rhythmus von 14 Tagen. Die Bewässerung der Grünanlagen beginnt mit dem Austrieb im Mai an festgelegten Standorten, ergänzt durch die Bewässerung der Bäume in der Anwachsphase sowie von Stauden-, Rhododendron- und Rosenbeständen.

Einen Notfallplan gibt es bereits für die Straßenbäume. Hierbei stehen vor allem jüngere Pflanzungen sowie stark geschädigte Bäume aus den vergangenen Jahren im Fokus. Unterstützung erfolgt durch die Kanalabteilung des Kommunalbetriebes, beauftragte Firmen und gegebenenfalls das Technische Hilfswerk (THW).

Der Fuhrpark und die technische Abteilung des Kommunalbetriebs verfügen über die entsprechende Ausstattung. Genutzt werden:

- zehn Trägerfahrzeuge mit Wasserfässern von 500 bis 7.000 Litern

- Regneranlagen für den Stadtpark Uerdingen, den Botanischen Garten und alle Krefelder Friedhöfe

- 500 wiederverwendbare Wassersäcke für Jungbäume in der Anwachsphase

- vier Pumpfahrzeuge mit 25.000 Litern Fassungsvermögen für Straßenzüge mit bepflanzten Mittelstreifen

Insgesamt 35 Mitarbeiter stehen für die Wässerungsmaßnahmen zur Verfügung.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht im Erhalt von Straßen- und Parkbäumen eine der wichtigsten Anpassungsmaßnahmen mit Blick auf die Klimaerwärmung. Neben der Nothilfe betonen die Experten den langfristigen Schutz grüner Infrastruktur. Vor allem die Stadträte sowie Landes- und Bundespolitiker sind nach Aussage der Umweltorganisation gefordert. Wirksam für Bäume in der Klimakrise seien neben Maßnahmen zum allgemeinen Klimaschutz auch

- die Entsiegelung von Wegen und Plätzen, um mehr Wasser im Boden zu speichern,

- die Vergrößerung von Baumscheiben und Grünstreifen, um Bäumen mehr Raum zu geben

- und die dauerhafte Bepflanzung mit geeigneten heimischen Bodenbedeckern, die den Boden vor Verdunstung schützen und gleichzeitig auch Insekten Futter und Heimat bieten.