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Krefeld: Stadt fehlen 4,6 Millionen Euro Gewerbesteuer

Kurzarbeit in Krefeld : Stadt fehlen 4,6 Millionen Gewerbesteuer

Laut IHK fühlen sich 90 Prozent der Unternehmen von der Corona-Krise negativ betroffen, 13 Prozent befürchten eine Insolvenz. Ein Drittel der Firmen geht davon aus, dass sie trotz Kurzarbeitergeld Personal entlassen müssen.

Die Corona-Krise sorgt für dunkle Wolken am Krefelder Finanz- und Wirtschaftshimmel. Der Stadtkasse fehlen schon jetzt 4,6 Millionen Euro an Einnahmen aus der Gewerbesteuer. 50 Betriebe haben bereits eine Stundung der Zahlungen beantragt. „In diesem Punkt handelt es sich um ein Volumen von 900.000 Euro“, erklärt Kämmerer Ulrich Cyprian. Einbrüche von weiteren 3,7 Millionen Euro gibt es bei den Vorauszahlungen. Hier spricht der Finanzdezernent von 130 Fällen. Und die Verwaltung will weiteren Betroffenen helfen. „Wir haben für die Unternehmen ein Merkblatt vorbereitet, das über Abläufe zur Stundung oder Anpassung der Vorauszahlung der Steuer informiert“, so Cyprian. Er betont, dass die Stadt ein großes Interesse daran habe, dass die Firmen so wenig wie möglich Schaden in der Krise nehmen. Es müsse sich jetzt für jeden bedrohten Arbeitsplatz eingesetzt werden.

Auf die Dramatik der Situation weist auch IHK-Geschäftsführer Jürgen Steinmetz hin: „Laut einer von uns durchgeführten Umfrage fühlen sich 90 Prozent der Unternehmen von der Corona-Krise negativ betroffen, 13 Prozent befürchten eine Insolvenz. Ein Drittel der Firmen geht davon aus, dass sie trotz Kurzarbeitergeld Personal entlassen müssen.“ Mehr als 5000 Anfragen ihrer Mitglieder hat die IHK-Hotline in den vergangenen Tagen entgegengenommen. In der IHK-Mittlerer Niederrhein sind 80.000 Firmen organisiert. Steinmetz empfiehlt außerdem, bei aktuellen Online-Bestellungen lokalen Anbietern „die Treue“ zu halten. Parallel ruft der IHK-Chef dazu auf, sich darüber Gedanken zu machen, ob eine größere Zahl von verkaufsoffenen Sonntagen in der zweiten Jahreshälfte dem Einzelhandel vor Ort wirtschaftlich helfen könnte: „Eine solche Aktion müsste mit allen Beteiligten abgesprochen werden.“ Unterstützung bekommt Steinmetz vom städtischen Wirtschaftsförderer Eckart Preen: „Es gibt bisher kerngesunde Mittelständler mit dreistelligen Arbeitsplatzzahlen, die in Existenznot geraten könnten, sollte die Situation weiter anhalten.“

Mit Blick auf die kommenden Monate beschäftigt sich die Leiterin der Arbeitsagentur Krefeld, Bettina Rademacher-Bensing, mit der Situation der Jugendlichen, die für den Herbst einen Ausbildungsplatz suchen: „Ich habe die Sorge, dass dies derzeit etwas in den Hintergrund gerät. Normalerweise machen sich die Firmen jetzt Gedanken über Azubis.“ Davon sei jedoch wenig zu spüren. Statt vier sind derzeit 40 Mitarbeiter der Arbeitsverwaltung an der Hotline der Behörde beschäftigt. Anfangs hatten Firmen Beratungsbedarf, die erstmals Kurzarbeitergeld beantragten, jetzt sind es die Betroffenen, die zuvor noch nie soziale Unterstützung bezogen hatten. In der Finanzkrise 2009 bezogen im Bereich der Agentur 970 Unternehmen Kurzarbeitergeld. „Wir werden diesen Wert diesmal um ein Vielfaches übertreffen.“

Oberbürgermeister Frank Meyer geht davon aus, dass die NRW-Landesregierung nach Ostern eine Entscheidung zum weiteren Umgang mit den aktuellen Einschränkungen trifft. Der städtische Krisenstab bereite sich darauf vor, dass Schulen, Kitas der öffentliche Personennahverkehr und die Verwaltung schrittweise ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Insgesamt wurden bisher in Krefeld 272 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet – das sind drei mehr als am Vortag. Davon gelten 96 Menschen inzwischen als genesen. Aktuell werden 20 Erkrankte in Kliniken behandelt, acht sind auf der Intensivstation. Die Zahl der Abstriche im städtischen Diagnosezentrum an der Schwertstraße ist auf 2732 Proben gestiegen.

Im Bereich des Theaterplatzes ist es wieder zu Verstößen gegen das Versammlungsverbot gekommen. Mehr als elf Personen aus der Drogen- und Alkoholszene hatten sich dort getroffen. „Diesmal wurden Strafverfahren eingeleitet“, so Cyprian. Inzwischen sei der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) auf 34 Mitarbeiter aufgestockt worden.