Krefeld: Sorge in einigen Vierteln wegen Zuzug von Osteuropäern

Unruhe in Krefeld : Sorge wegen Zuzugs von Osteuropäern

In Krefeld gibt es Viertel, in denen der Zuzug von Osteuropäern den Bürgervereinen Sorge bereitet. Eine Anwohnerin der Prinz-Ferdinand-Straße berichtet von ihren Beobachtungen; der Sprecher der Bürgervereine bekräftigt den Bericht.

In Krefeld gibt es mehrere Viertel, in denen sich die Anwohner sorgen, dass sich das Gesicht des Viertels durch den deutlichen Zuzug von Osteuropäern verändert. Eine Anwohnerin der Prinz-Ferdinand-Straße hat jetzt unserer Redaktion mündlich und schriftlich ihre Beobachtungen von ihrer Straße und angrenzenden Straßen aus diesem Jahr geschildert. Es geht um Müll und Sperrmüll, um Lärm und einen zerstörerischen Umgang mit Häusern und Straßen. Manfred Grünwald, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine (AKB), bestätigt auf Anfrage, dass es solche Berichte auch aus anderen Vierteln gibt. „Das, was die Frau erzählt, habe ich 1:1 auf der Schwertstraße erlebt“, sagt er.

Phänomene dieser Art gibt es auch auf der Gladbacher, der Lewerentz-, der Gerber- und der Seidenstraße - dort wurden, wie berichtet, mehrere Häuser wegen baulicher Mängel zwangsgeräumt. Auch auf der Spinnereistraße gibt es Häuser mit vielen osteuropäischen Mietern.

Die Frau von der Prinz-Ferdinand-Straße, die ihren Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen möchte, berichtet, „Abfall jeglicher Art wird einfach nach draußen gestellt; schließlich kommt ja die GSAK und entsorgt die Dinge“. Ein Haus in der Nachbarschaft sei komplett mit Rumänen belegt; „gerne sitzt man ab nachmittags bis spät nachts samt lärmenden Kindern und ebensolcher Unterhaltung vor der Haustür und beobachtet, wie die Kinder einen vorher aus dem Sperrmüll geholten Eimer Farbe auf den Bürgersteig kippen, um die Farbe dann mit den Fahrradreifen auf dem Bürgersteig vorm Nachbarhaus zu verteilen. Darauf angesprochen, dies zu unterlassen reagiert man mit Kopfschütteln und ‚Nix verstehen’.“ Sie habe auch beobachtet, wie Kinder mit einer mit einem Nagel bewehrten Latte eine Hausfassade bearbeitet hätten. „Die Eltern saßen daneben und gucken zu“, berichtet die Anwohnerin.

„Geparkt“, heißt es in ihrem Bericht weiter, „wird oft übers komplette Wochenende, wo halt Platz ist. Im absoluten Halteverbot, auf Fahrradwegen und auch verkehrt herum zur Fahrbahn. Darauf angesprochen - siehe oben“; meint: Die Antwort lautet „nix verstehen“. Zudem sei sie Zeuge eines verstörenden Gesprächs auf der Straße geworden. Sie wohnt im Erdgeschoss und habe am offenen Schlafzimmerfenster zufällig zwei Männer belauscht, die sich auf Deutsch mit deutlich osteuropäischem Akzent unterhalten hätten. Die Frau fasst das Gespräch so zusammen: „,Da hinten auf der Blumenstraße, der Tschetsche hat zwei Pferdchen laufen; verdient ordentlich Geld, wollte sich Eigentumswohnung kaufen, aber die Deutschen wollten die 140.000 Euro Schwarzgeld nicht annehmen.’ ‚Ja, ist Problem, kenne hier paar Russen, die klauen und haben Probleme, wohin mit Geld; Deutsche blöd, wollen nicht mal verkaufen Schrottimmobilie. Beste Geld ist immer noch Rauschgift und dann kaufen Luxusauto und so; müssen das besser organisieren.“ Sie blieb auch auf die Nachfrage, wie realistisch es sei, dass sich zwei Osteuropäer statt in ihrer Muttersprache in gebrochenem Deutsch unterhalten, bei ihrer Darstellung. Diese Szene, betont sie, sei für sie der Anlass gewesen, ihren Bericht an die Zeitung zu schicken. Ihr sei, sagt sie, der Kragen geplatzt.

Auf die Frage, warum sie bei dieser und anderen Gelegenheiten nicht die Polizei gerufen habe, antwortete sie, dass sie das im Falle von lärmenden Betrunkenen getan habe, aber zur Antwort bekam, dass gerade niemand herauskommen könne. Und bei Vergehen wie überhöhter Geschwindigkeit oder Fahren gegen die Einbahnstraße merke man sich nicht sofort die Kennzeichen. Sie wünscht sich mehr Polizeipräsenz: „Ich glaube, wenn hier regelmäßig zwei Schupos rumlaufen würden, würde sich das Problem ganz schnell lösen. So eine Uniform hat schon mal eine gewisse Signalwirkung.“ Auch der Kampf gegen Graffiti ist ein Thema im Viertel. Sie sei dazu übergegangen, Graffiti sofort zu übermalen; wo die Sprühereien stehenblieben, kämen rasch weitere dazu.

Die 62-Jährige ist mit ihrem Mann vor 18 Jahren auf die Prinz-Ferdinand-Straße gezogen; bewusst in die Stadt in eine Erdgeschosswohnung. „Das Viertel war nie fein, aber wir haben damals gedacht, es würde sich bessern. Es hat sich auch eine Weile gebessert, aber jetzt geht es eher bergab“, sagt sie.

Die Stadt bestätigt die Darstellung der Anwohner, was das Müllproblem angeht. Beim Thema Lärm ist die Stadt deutlich zurückhaltender. Im Bereich der Prinz-Ferdinand-Straße seien Anwohner und Hauseigentümer schon in der Vergangenheit wegen häufiger illegaler Ablagerungen durch Broschüren „Wir in unserer Straße“ für die Thematik der Vermüllung des öffentlichen Raumes sensibilisiert worden, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. „Im Nachgang konnte eine deutliche Verbesserung der Gesamtsituation festgestellt werden.“ Trotzdem fänden sich auch in diesem Bereich immer wieder illegale Ablagerungen, und hier insbesondere Sperrmüll, der zu früh oder gar ohne Anmeldung, herausgestellt werde. „Der Fachbereich Umwelt hat im Mai insgesamt 25 sogenannte wilde Kippstellen und elf unangemeldete Sperrmüllablagerungen registriert“, heißt es. Der Bereich der Prinz-Ferdinand-Straße sei, auch wegen der dort vorhandenen Ginkgo-Bäume, der Reinigungsklasse III zugeordnet. „Hier werden alle Flächen zweimal wöchentlich durch die Stadtreinigungsgesellschaft GSAK gereinigt. Der Fachbereich Grünflächen beseitigt ebenfalls im Rahmen seines regelmäßigen Reinigungsturnus die Verunreinigung an den Baumscheiben.“

Was Lärm angeht, sagt die Stadt, die Auswertung der Lärm-Beschwerden für die Prinz-Ferdinand-Straße habe keinen Hinweis auf vermehrte Störungen durch Osteuropäer ergeben.

Die Polizei erklärt auf Nachfrage, sie habe das Viertel im Auge. „Im Rahmen des Präsenzkonzeptes Innenstadt“, so heißt es dazu wörtlich, „sind unsere Kolleginnen und Kollegen vermehrt in diesem Bereich unterwegs. Unsere für diesen Bereich zuständigen Bezirksdienstbeamten stehen im stetigen Kontakt mit den Bewohnern und kümmern sich um deren Anliegen oder Beschwerden. Sofern die Bewohner Ordnungsstörungen, z.B. Lärmbelästigungen feststellen sollten, ist die Stadt Krefeld originär zuständig. Für die Verfolgung von Straftaten ist die Polizei natürlich zuständig. Falls es zu Straftaten oder Gefahrenlagen (keine Ordnungsstörungen, wie z.B. Lärmbelästigungen, die in die Zuständigkeit der Stadt Krefeld fallen) kommt, bitten wir darum, dass sich die Betroffenen über den Notruf der Polizei direkt an uns wenden.“

Der AKB-Vorsitzende Manfred Grünwald ist der Überzeugung, dass viele Bürger resigniert hätten und schon gar nicht mehr bei der Stadt oder der Polizei anriefen, weil sie irgendwann einmal eine abschlägige oder gar keine Antwort erhalten hätten. Grünwald geht davon aus, dass der Zuzug von Osteuropäern in bestimmte Viertel kein Krefelder Problem ist. Duisburg hat bundesweit Schlagzeilen gemacht, Grünwald berichtet von ähnlichen Trends auch in Mönchengladbach. Betroffen seien generell Großstädte mit Vierteln, in den es sehr billigen Wohnraum und Immobilienbesitzer gebe, die sich nicht um ihre Immobilien kümmerten. Grünwald berichtet von einem positiven Beispiel von der Schwertstraße; dort gebe es ein Haus mit osteuropäischen Mietern, dessen Besitzer Präsenz zeige.

Ein Gang über die Prinz-Ferdinand-Straße gestern ergab kein auffälliges Bild. An zwei Stellen lagerte Sperrmüll auf der Straße: zum einen zwei Matratzen und zwei Küchenstühle sowie im Bereich Marktstraße Wohnzimmermöbel, wobei offen ist, ob der Sperrmüll regulär gerufen wurde. Die Bausubstanz ist bei vielen Häusern sehr schön; Gründerzeitfassaden; teils üppig verziert. Die meisten Häuser wirken gepflegt, einige Fassaden sind vorbildlich restauriert, wenige verkommen sichtlich.

Man geht mit dem Eindruck, dass sich in dem Viertel gerade entscheidet, in welche Richtung es sich entwickelt: Es gibt mehrheitlich Immobilienbesitzer, die ihre Eigentum pflegen, es gibt ein bürgerliches Publikum; die Voraussetzungen für ein schönes Innenstadt-Quartier sind gut. Im Teil der Prinz-Ferdinand-Straße zur alten Hauptschule hin entsteht ein moderner, heller Wohnkomplex. Die Straße hat Allee-Charakter. Würde der Straßenraum saniert - in Teilen mit Pflaster und gut markierten Grüninseln -, könnte eine rundum schöne Wohnstraße entstehen, in der sich auch Investoren für die letzten maroden Häuser finden.

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