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Krefeld: Soloklarinettist Olaf Scholz liebt vor allem die extrem leisen Töne

Serie Sound der Sinfoniker : In Mozarts A-Dur-Konzert glänzt die Klarinette

Serie Der Sound der Sinfoniker: Olaf Scholz liebt die Klarinette, weil man darauf extrem leise spielen kann. Mit einem Tonumfang von vier Oktaven übertrifft sie fast alle Instrumente des Orchesters.

Für Olaf Scholz kam nichts anderes in Betracht. Auf die Frage, warum er sich gerade für die Klarinette als „sein“ Instrument entschieden habe, antwortet der Soloklarinettist der Niederrheinischen Sinfoniker ohne auch nur einen Augenblick zu überlegen: „Weil man auf ihr extrem leise spielen kann.“ Das verwundert zunächst, denn die Klarinette weiß sich im Orchester durchaus klanglich zu behaupten.

Doch Scholz erklärt: „Mit der Klarinette, die übrigens mit einem Tonumfang von vier Oktaven fast alle Instrumente des Orchesters  übertrifft, ist es möglich, die Töne individuell zu modellieren und zum Forte wie zum Piano hin dem jeweiligen Orchesterklang anzupassen. Wenn es sich dann ergibt, kann man fast bis zum Ersterben des Tons zurückzugehen. Durch diese Flexibilität ist die Intonation allerdings eines der größten Probleme. Ein besonderes Kapitel ist das aus Bambusholz bestehende Rohrblatt, das auf das Mundstück aufgesetzt wird. Einst wurden die Blätter selbst „gebaut“, inzwischen kauft man sie in Zehner-Packungen beim einschlägigen Handel. Die Blätter müssen eingehend geprüft und eingespielt werden – meist erweist sich weniger als die Hälfte als geeignet. Ein Glück, dass wir im Orchester „Rohrgeld“ bekommen.“

Olaf Scholz kam zu seinem Instrument nicht etwa, wie so viele, durch ein Erlebnis in der Kindheit, vielmehr machte ihm seine Klavierlehrerin, die hauptberuflich Bratschistin bei den Düsseldorfer Sinfonikern war, den Vorschlag, Berufsmusiker zu werden. Streichinstrumente interessierten den gebürtigen Wormser weniger, ein Versuch mit der Trompete befriedigte ebenfalls nicht – so entschied er sich schließlich für das handliche Instrument mit der zylindrischen Form und den 22 bis 28 Klappen. Dank des intensiven Unterrichts bei einem ausgezeichneten Klarinettenlehrer konnte Olaf Scholz 1995 an der Musikhochschule Detmold bei Professor Hans Dietrich Klaus sein Studium beginnen, das er dort auch erfolgreich abschloss.

Die Klarinette ist das einzige Orchesterinstrument, das erfunden wurde und sich (fast) nicht aus Vorgängerinstrumenten entwickelt hat. Ihr „Schöpfer“ war Johann Christoph Denner (1655-1707). Er entwickelte das bereits vorhandene, aber wenig verwandte „Chalumeau“, das lediglich einen Umfang von neun Tönen hatte, durch die Möglichkeit des Überblasens und mittels zweier Klappen zur ersten Klarinette, die den damaligen spieltechnischen Anforderungen genügte. Da die hohe Lage der Neuschöpfung ähnlich hell wie die Clarine (die Barocktrompete) klang, war der Name „Klarinette“ geboren.

Das neue Blasinstrument mit dem anschmiegsamen Klang setzte sich bald durch – Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel und Johann Stamitz waren die ersten Komponisten, die sich seiner bedienten. Mozart hat ihm mit dem in seinem Todesjahr 1791 komponierten Konzert in A-Dur KV 622 ein Denkmal gesetzt. „Daran kommt niemand vorbei“, konstatiert Scholz. Auch die Tanz-, Unterhaltungs- und Jazzmusik verwendet das vielseitige  Blasinstrument, das schnell auch in Griechenland, in der Türkei und im Orient heimisch wurde. Und ohne Klarinette ist die jüdische Klezmermusik nicht denkbar.

Neben dem Mozart-Konzert ist das ebenfalls von Mozart stammende Klarinettenquintett besonders beliebt – dazu von Johannes Brahms die Sonate und ebenfalls dessen Quintett. Carl Maria von Weber schrieb ein wirkungsvolles Konzert für das von ihm geliebte Blasinstrument. In der Puccini-Oper „Tosca“ gibt es ein eindrucksvolles Solo, auch in Verdis „Macht des Schicksals“ und in Webers „Freischütz“. Die 2. Sinfonie von Rachmaninow ist wegen ausdrucksstarker Soli von Klarinettisten ebenso bevorzugt wie die 3. und 6. Sinfonie von Beethoven und die 1.und 3. von Brahms. Igor Strawinsky hat die Klarinette sehr geschätzt, und unter den Zeitgenossen bedachte Jörg Widmann –  selbst Klarinettist – seine Kollegen zwar mit Modernem, aber durchaus Lohnendem und ohne große Probleme Spielbarem.