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Krefeld: Solidarisch arbeiten mit Pferden ist eine Idee von Silvia Schiratti

Pferdehaltung in Krefeld : Stille Auktion für Zeit mit Pferden

Silvia Schiratti gründet eine Gemeinschaft für solidarisches Arbeiten mit Pferden. Die Idee: Jeder zahlt für die Zeit mit Pferd so viel, wie er kann. Reitstunden sind möglich, aber auch Planwagenfahrten oder Spaziergänge.

Solidarisch arbeiten mit Pferden – das ist ein neuer Ansatz, der sich anlehnt an das Konzept der solidarischen Landwirtschaft. Während es bei der solidarischen Landwirtschaft aber ganz konkret um Produkte, beispielsweise um Gemüse oder Salat, geht, die jeder letztendlich für sich selbst nutzen kann, handelt es sich bei der solidarischen Arbeit mit Pferden um Zeit, die ein Interessent mit einem oder mehreren Pferden verbringen kann.

„Es ist eigentlich ganz einfach“, erklärt Silvia Schiratti das Prinzip: In einer stillen Auktion kann jeder Interessent die von ihm gewünschte Zeit und Aktivität mit dem entsprechenden Tier zu einem von ihm selbst vorgeschlagenen Preis erwerben. Es gibt zwei Kaltblutpferde und zwei Ponys, die zur Verfügung stehen: für Reitstunden, für Planwagenfahrten, zum Spazierengehen oder für die Bodenarbeit. Wie kommt aber nun ein angemessener Preis zustande, der verhindert, dass hinterher die Kosten nicht gedeckt sind? Für den aktuellen Betrieb haben Schiratti und Tochter Emma Joerges die möglichen Kurse, Seminartage, Kutschausfahrten und Reisen mit dem Planwagen zusammengestellt. Demgegenüber stehen die Kosten für den Unterhalt der Tiere, des Ortes und der Anleiterinnen. Mit diesen Daten und der Anzahl der Teilnehmer werden dann Preise errechnet. „Die sollen allerdings nur der Orientierung dienen.

Mit Shetland-Pony „Dr. Watson“ vor dem Wagen kann Fahrpraxis gesammelt werden. Foto: Silvia Schiratti

Solidarisches Moment der sogenannten verdeckten Bieterrunde ist, dass jeder für seinen Anteil die ihm mögliche Summe angibt“, verdeutlicht Schiratti das Prinzip. Die Kosten werden völlig transparent gemacht, zum Beispiel Versicherung, Heu und Stroh, Tierarzt und dergleichen. Der Interessent weiß also genau, was die von ihm gewünschte Aktivität – zum Beispiel einmal pro Woche Kutschfahrertraining – tatsächlich kostet. Wer mehr geben kann und mag als die in der errechneten Aufstellung zur Kostendeckung benötigte Summe, tut das ebenso unbemerkt wie jemand, der weniger beitragen kann. Lediglich zwei Schatzmeister bei der Gesamtzählung wissen, was der Einzelne geboten hat.

Nach Corona soll es mit Kaltblut Nora  durch die Natur gehen. Foto: Silvia Schiratti

Ist am Ende der Bieterrunde der Gesamtbetrag zusammengekommen, kann das Jahr der solidarischen Pferdehaltung starten. Dieses Jahr bietet den Teilnehmern zuverlässig die Zeit mit Pferden und Ponys in der Natur und darüber hinaus eine Übung in Gemeinschaftsbildung. Wie kam die Inhaberin der Rosskur, die auch Mitglied der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ) ist, überhaupt zu dieser Idee der solidarischen Arbeit mit Pferden? „Bei der Gründung der Krefelder Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) „Lebendige Erde“ saß ich mit am Tisch und machte mir parallel Gedanken darüber, wie man das gemeinsame Produzieren und Teilen von Ernte auf eine Dienstleistung umsetzen kann“, erklärt Silvia Schiratti. Es werde ja aktuell viel über Solidarität gesprochen, im bisherigen Alltag, vor allem vor der Coronakrise, sei davon nur nicht allzu viel zu merken, meint sie. Welche endgültige Geschäftsform die gemeinsame Arbeit mit Pferden letztendlich haben soll, steht derzeit noch nicht fest – auf jeden Fall aber eine solidarische; ob es zum Beispiel eine Genossenschaft wird, ein Verein oder ein Förderverein, das soll dann im Detail mit allen Beteiligten gemeinsam erarbeitet und entschieden werden. Zunächst wird es eine Informationsveranstaltung geben, bei der das Prinzip dargestellt wird. Bei einer zweiten Veranstaltung für konkret Interessierte werden Details und konkrete Möglichkeiten vorgestellt. Termine können derzeit wegen der Corona-Krise nicht genannt werden.