1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: So will die Stadt 2030 aussehen

Visionen für Krefeld : So will Krefeld 2030 aussehen

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen – das Bonmot wird nicht dadurch richtiger, dass es so oft wiederholt wird. Der Aktionsplan Wirtschaft hat eine respektable Analyse und eine Fülle von guten, realistischen Vorschlägen erarbeitet. Jetzt müssen sie nur noch umgesetzt werden.

Im „Aktionsplan Wirtschaft für Krefeld“ haben IHK und Stadt in einem Arbeitsprozesses mit zahlreichen Akteuren aus Verwaltung, Stadtgesellschaft, Politik und Wirtschaft die Entwicklung skizziert, die Krefeld bis zum Jahr 2030 nehmen müsste. Die Ergebnisse wurde beim „Zukunftskongress“ vorgestellt. Es geht um Analysen des Ist-Zustands mit Stärken und Schwächen, um Ziele und Projekte, die nach Dringlichkeit strukturiert sind. Am dringlichsten sind sogenannte „Goldprojekte“, die die Stadt besonders voranbringen.

Wir dokumentieren wichtige Punkte der Präsentation und erläutern Chancen und  Probleme:

Stärken / Schwächen-Analyse:

– Erfolgreicher Industriestandort mit etlichen Weltmarktführern,

aber schwache Dynamik von Wertschöpfung, Beschäftigung und Gründungen.

– Regionales Zentrum mit intensiven Pendlerverflechtungen und Wanderungsgewinnen,

aber knappes Flächenangebot für Wohnen und Gewerbe hemmt Entwicklung.

– Hoher Stellenwert von Facharbeitern mit beruflicher Ausbildung auf Arbeitsmarkt,

aber langfristig droht Fachkräftemangel; die Übergänge zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sind verbesserungswürdig.

– Hochschulstandort und vier Wällen sind einmalige historisch gewachsene Stadtstruktur,

aber studentisches Leben und Potenziale der vier Wälle liegen brach.

Visionen für 2030

Mobilität: Krefeld bietet digitale und umweltfreundliche Mobilität; die Stadt ist flächendeckend mit Glasfaser, WLAN und dem neuesten Mobilfunknetzstandard ausgestattet; die Kombination aus „Wohnen und Arbeiten“ in qualitativ hochwertigen Quartieren ist in Krefeld eine Selbstverständlichkeit.

Bewertung: Beim Thema Mobilität dürfte die Stadt vorankommen; die SWK Mobil sind kompetent und innovativ (wie etwa der Nachtbus zeigt). Beim Ausbau von Wohnquartieren muss sich die Mentalität in der Stadt ändern. Wenn jedes Bauprojekt durch ein zähes Ringen um Details inklusive Verhinderungs- und Eindämmungsdebatten hindurchmuss und jede Wiese und jeder Baum wichtiger ist als Millioneninvestitionen, wird es keine moderne Quartiere geben, sondern nur ein Wurschteln im Bestand. So kommt eine Stadt nicht sichtbar voran.

Kreativität: Krefeld ist die „Digitalstadt Deutschlands“ und Zentrum für Gründer, Experten und Pioniere der Digital- und Kreativwirtschaft; Krefelds silkvalley-Initiative ist in der Szene bekannt.

Bewertung: Die Stadt ist hier auf gutem Weg. Das Basecamp im K2-Tower und silkvalley sind ein fabelhafter Anfang; Krefeld hat noch den Vorteil günstiger Gewerbemieten. Das kann sich rasch und gut entwickeln.

Goldprojekte

Lebensqualität und Urbanität:

Die vier  Wälle sollen als Krefelder Wahrzeichen gestärkt werden. Belebung, Schönheit, Erkennbarkeit und Vermarktbarkeit sind die Dimensionen. Zentrale Bausteine sind ein Verbindungsband zwischen den Wällen; zudem sollen Sauberkeit/Sicherheit und Aufenthaltsqualität gesteigert und die Wälle mit Events bespielt werden.

Bewertung: Eine Herkules-Aufgabe, die die Stadt mit viel Geld und hohem Einsatz angehen sollte. Die fachliche Expertise dazu bietet die stadthistorische Analyse, die parallel zum Aktionsplan erarbeitet wird –  mit faszinierenden Ergebnissen.  Hier braucht die Stadt einen langen Atem und einen starken Konsens der Verantwortlichen. Geschätzte Umsetzungszeit aus dem Kreis der Gutachter: 20 Jahre. Krefeld hätte dann ein anderes Gesicht. Umsetzungsaussichten: Wenn man Krefeld ernsthaft voranbringen will: gut. Mönchengladbach und Duisburg, Düsseldorf ohnehin, arbeiten mit Hochdruck an städtebaulichen Offensiven. Krefeld muss gegenüber den Nachbarstädten gewinnen, das städtebauliche Kleinklein beendet werden; die Stadt muss einen Kraftakt hinbekommen, wenn  sie nicht böse ins Hintertreffen geraten will.           

Infrastruktur/ Mobilität/ Fläche

– Anlage eines „Innovations- & Technologiecampus ITC Krefeld“ am Evonik-Werksgeländes zur Schaffung eines Innovations- & Technologiecampus mit Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus; enge Kooperation bei der Vermarktung mit Hochschule & Wirtschaftsförderung für Gewinnung von Partnern aus Wirtschaft und Industrie.

Bewertung: Exzellente Idee; Umsetzungsaussichten sind gut.

Konkrete Ideen

Schienenkonferenz Krefeld: In einer Schienenkonferenz wird die unzureichende Verkehrsanbindung Krefelds thematisiert. Es werden konkrete Forderungen formuliert, Lösungen aufgezeigt und an die politischen Entscheider herangetragen.

Bewertung: realistische Perspektive.

Zukunftsatlas Flächen: Es wird ein „Zukunftsatlas Flächen“ erarbeitet. Darin werden in Steckbriefen die wirtschaftlichen Rahmendaten einzelner Gewerbegebiete zusammengefasst. Der Zukunftsatlas soll Perspektiven und Handlungsbedarf für die Flächenentwicklung aufzeigen und den Akteuren in Politik und Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden.

Bewertung: Gute Idee, um Prozesse zu verstetigen und systematisch Konsens herzustellen. Auch hier muss sich wie  bei der Entwicklung von Wohnquartieren die Mentalität ändern. Wenn um jede Fläche Kämpfe entbrennen, wird es keine stetige Entwicklung geben.

City Hubs: Zur Entlastung der Innenstadt werden Warenlieferungen von Verteilzentren am Stadtrand aus mit kleineren Lieferfahrzeugen und Lastenfahrrädern in die Stadt geschafft.

Bewertung: Die Idee ist so gut, dass man sich fragt, warum das nicht schon längst angepackt ist. City Hubs wären auch eine Jobmaschine und brächten einen Sprung beim Stadtklima mit sich. Hoffentlich kommen die City Hubs bald.

Verbesserung der Straßeninfrastruktur: Der Zustand der Straßen treibt die Unternehmer um. Es besteht dringlicher Handlungsbedarf. Das Thema soll in einem gemeinsamen Prozess aller Beteiligten aufbereitet werden (zuletzt 2003 in ähnlicher Form geschehen) und dabei konkrete Handlungsempfehlungen identifiziert werden.

Bewertung: Der Hinweis auf einen ähnlichen Prozess im Jahr 2003 sagt eigentlich alles. Die Idee ist gut,  das Problem ist bekannt, marode Schlaglochstraßen regen die Bürger maßlos auf – warum also kommt dieser Prozess nicht mit Macht in Gang?

Coding School Niederrhein: Gedacht ist an Angebote für Schüler, die sich für Programmieren und Software interessieren: Mit modernsten Methoden und zu aktuellsten Technologien werden die Kinder so geschult, dass Informatik und Digitalisierung Spaß machen. Pilotkurse an vier Krefelder Schulen sind erfolgreich angelaufen.

Bewertung: Großartiges Projekt. Machen!

„Silk Bridge Krefeld-China”: Die ohnehin schon starken Handelsbeziehungen Krefelds mit China sollen systematisch gepflegt und verstärkt werden, gerade bei jungen Unternehmen.

Bewertung: Die Idee ist richtig, China bleibt ein Wachstumsmarkt.

Krefeld wird Studentenstadt:

Studentisches Leben soll in Krefeld sichtbarer werden. Denkbar sind unter anderem die Erstellung eines Gutscheinsystems, die Kombination zwischen der Hochschule-Niederrhein-App (die alle Studenten herunterladen müssen) und Veranstaltungen in Krefeld beziehungsweise Angeboten in der Innenstadt, ein Konzept, um die vier Wälle auch für Studierende sichtbar zu machen, und eine Kampagnenidee, um Krefeld interessant für Studierende zu machen.

Bewertung: Kaum etwas wäre schöner für das Straßenbild als die Präsenz von mehr Studenten. Es bleibt das objektiv schwer lösbare Problem, dass die Hochschule Niederrhein eine Pendler-Uni und baulich weitgehend ausgestattet ist. Der Campus wird sich also nicht mit neuen Instituten in die Stadt verlängern lassen.  Viele Studenten bleiben zudem schon aus Kostengründen zu Hause wohnen. Dennoch: Studentisches Leben in die Stadt zu ziehen bliebt ein richtiges Ziel.

360° - Virtuelle Unternehmensbesichtigungen für Fachkräfte: Mit 360°-Image-Filmen sollen sich Unternehmen potenzielle Mitarbeitern vorstellen und sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren.

Bewertung: Gute Idee, wird laufen, weil die Unternehmen ein hohes Interesse daran haben.

Sprach- und Vorbereitungskurse für Flüchtlinge: Um Flüchtlinge in die Arbeitswelt zu integrieren, wird es intensiver Vorbereitungsarbeit bedürfen. Wirtschaft, Betriebe und IHK wollen ihre Bemühungen intensivieren, dass die jungen Leute die fälligen Prüfungen schaffen.

Bewertung: Der Ansatz ist selbstredend richtig und liegt im wohlverstanden Eigeninteresse des Einwandererlandes Deutschland. Für die politische Akzeptanz dieser Anstrengungen ist es wichtig, alle jungen Leute mit Anschlussproblemen an das Berufsleben gleichermaßen zu betreuen. Es gibt zudem genug verlorene Kinder in Krefeld, die dringend Begleitung brauchen. Ein paar neue Stellen für das SpieDie, dem  – hervorragende Arbeit leistenden – Offenen Jugendtreff in Dießem, gehören auch dazu.