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Krefeld: Sinti und Roma präsentieren sich im Bahnhof

Krefeld: Aktion im Werkhaus : Sinti und Roma präsentieren sich im Südbahnhof

Kaum eine Volksgruppe wird in Deutschland, wie auch weltweit, mit so viel Vorurteilen betrachtet, wie die der Sinti und Roma. Abschätzig werden sie oft als „Zigeuner“ bezeichnet und mit Gewalt, Kriminalität und Heimatlosigkeit in Verbindung gebracht.

Auch im dritten Reich gehörten sie neben Juden zu den am stärksten von Verfolgung und Mord betroffenen Gruppen. Doch was sind eigentlich Sinti und Roma? Was zeichnet sie aus? Wofür steht ihre Kultur, und sind sie wirklich „fahrendes Volk“, wie wohl die meisten Menschen denken?

Letztere Frage beantwortet Wolfgang Dreßen mit nein. Der habilitierte Politologe forschte vor allem zur „Arisierung“ in der NS-Zeit, also dem Raub an den Juden und der Bereicherung der Deutschen an deren Habseligkeiten. In diesem Zuge stieß er auch immer wieder auf das Vorgehen gegen die Sinti und Roma und ist aus diesem Grunde federführend an einem Projekt beteiligt, das in den kommenden Monaten den Südbahnhof in Atem halten wird. Auftakt ist der Mittwoch (10. Oktober). Dann findet eben dort die Vorführung des Filmes „The Awakening“ statt, in dem Regisseur Kenan Emini die Situation der Unterdrückung in anderen Ländern beleuchtet, in die auch teilweise Sinti und Roma als „sichere Drittstaaten“ abgeschoben werden.

Dreßen sagt: „Es ist keineswegs so, dass Sinti und Roma nur im Wohnwagen leben. Sie sind allerdings ein Volk ohne Staat, und das wird von vielen Menschen fast synonym wahrgenommen.“ Mit diesem und ähnlichen Vorurteilen wollen die Organisatoren im Zuge der Veranstaltungsreihe aufräumen. „Wir selbst wollen dabei die Sinti und Roma nicht vorstellen. Sondern es sind Menschen aus der Volksgruppe selbst, die sich präsentieren. Sie wollen zeigen, was sie und ihre Kultur ausmacht“, sagt Anja Jansen vom Werkhaus. Dazu werden sich beispielsweise Roman Franz vom Landesrat der Sinti und Roma NRW und andere Angehörige der Gruppe präsentieren.

Dabei sollen sie beispielsweise die Frage beantworten, was einen Sinti oder Roma ausmacht. Da es keine Staatsangehörigkeit gibt und die seriöse Wissenschaft eine „rassische“ Herangehensweise eher ins Reich der Fabel verweist, liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier vor allem um die Wahl eines Lebensstils handelt. Wie dieser allerdings aussieht, und ob es grundsätzlich jedem frei steht, sich dazu zu bekennen, oder eben nicht, das soll in mindestens elf Veranstaltungen bis Januar eruiert werden. „Wir empfinden eine „Hassliebe“ für die oft als „Zigeuner“ subsumierte Gruppe. Wir verbinden sie mit Freiheit, nach der wir uns gleichzeitig sehnen und sie fürchten“, sagt Dreßen. Diesen Vorteilen wollen die Organisatoren nun Fakten entgegenstellen.