Krefeld: Silvesterserenade im Rittersaal der Burg Linn

Silvesterserenade : Mozarts Schlager mit Champagnerlaune und Original-Oboe

Historische Instrumente setzte das Trio Lèzard bei der Silvesterserenade ein und bescherte dem Publikum ein informativen und lehrreichen Abend.

Die Bühne im Rittersaal der Burg Linn erscheint am Silvesterabend wie ein Instrumentenmuseum. Bei jedem Stuhl sind unterschiedliche Blasinstrumente aufgereiht, die auf ihren Einsatz warten. Die Musiker Stéphane Egeling, Jan Creutz und Stefan Hoffmann – das Trio Lézard – haben ihr Konzert unter das Motto „Champagner, Rum & Coca-Cola“ gestellt.

Die musikalische Reise beginnt mit  Arien aus den Mozart-Opern Figaros Hochzeit und Don Giovanni. Auf historischen Instrumenten bieten die Musiker spritzige Interpretationen. Klarinettist Creutz gibt unterhaltsame wie lehrreiche Informationen: „Da wir älter geworden sind, haben wir ältere Schlager aus dem ausklingenden 18. Jahrhundert ausgewählt, wie diese Gassenhauer von Mozart.“ Er weist darauf hin, dass man auf Instrumenten aus jener Zeit spiele, teils auf Kopien, aber die Oboe von 1770 sei ein Original. Das Instrument ist aus Buchsholz und besitzt viel weniger Metall als seine modernen Nachfolger. Ein weicherer Klang erscheint charakteristisch für diese historischen Instrumente.

Variationen über „Là ci darem la mano“ von Beethoven präsentieren die Musiker als kecke Dialoge mit viel Virtuosität. Dass sie seit über 20 Jahren gemeinsam konzertieren, zeigt sich im perfekten Zusammenspiel als Musiker wie Unterhalter. Man erfährt, dass die Bezeichnung Englischhorn aus mangelnden Französischkenntnissen der Wiener stammt, die nicht zwischen „anglé“ (winkelförmig) und „anglais“ (Englisch) unterscheiden konnten.

Fagottist Egeling sorgt für Schmunzeln bei seinem Exkurs in die Standesgesellschaft des 18. Jahrhunderts, als der Adel die vornehmere Form des bäuerlichen Dudelsacks, die Musette de cour, entwickeln ließ. Man war zu vornehm, die Dudelsackpfeifen mit dem Mund zu blasen und sorgte mit einem kleinen Blasebalg, den man um den Bauch schnallte, für die Luft, die dann durch zwei Pfeifen strömte und zweistimmiges Spiel erlaubte. Egeling führt dies in Begleitung von Barockoboe und Bassett Horn mit einem Trio von Joseph Haydn vor.

Kein Wunder, dass die Musiker nicht zu einer Pause kommen, sondern stattdessen viele Fragen um die Instrumente beantworten müssen. Im zweiten Teil spielen sie auf „modernen“ Instrumenten, die teils aus dem 19. Jahrhundert stammen. Großes Staunen und viele Lacher ernten sie mit ihren Erläuterungen zu den Sarrusophonen. Es sind Blechblasinstrumente, die Pierre-Auguste Sarrus erfunden und fünf Jahre lang gebaut hat, um den Militärkapellen zu lauteren Klängen zu verhelfen. Das passte Adolphe Sax nicht, der sich seine Saxophone bereits hatte patentieren lassen. So verschwanden fast alle Sarrusophone in Museen, aber ein Alt- und ein Kontrabasssarrusophon bewiesen, dass sie sich auch für spritziges Spiel in Champagnerlaune eignen.