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Krefeld: Senioren-Betrug durch den Enkeltrick

Broschüre in Krefeld : Senioren-Betrug durch den Enkeltrick

Die Anrufer sitzen meist im Ausland, stehen aber in ständigem Kontakt mit „Geldabholern“ und „Logistikern“, die sich in der Nähe ihrer Opfer aufhalten und diese auf dem Weg von der Wohnung zur Bank verfolgen und beobachten.

Polizei und Sparkasse Krefeld warnen gemeinsam vor gängigen Betrugsmethoden, wie Polizistentrick oder Enkeltrick. Mal tarnen sie sich als Familienangehörige oder Bekannte, dann als Polizisten oder Mitarbeiter der Stadtwerke. Ob am Telefon oder an der Haustür – die Maschen der Betrüger wechseln ständig und ihre Methoden werden immer ausgefeilter. „Leider haben die Täter immer öfter Erfolg und bringen Bürger jeden Alters um ihr Hab und Gut“, sagt Dietmar Maus, kommissarischer Leiter des Polizeipräsidiums. Seine Behörde und die Sparkasse möchten gemeinsam vor diesen „fiesen Maschen“ schützen. Dazu haben sie die Broschüre „Klüger gegen Betrüger“ entwickelt, in der sie rund um die Themen Trickdiebstahl und Trickbetrug aufklären und Tipps zur Vorbeugung geben. 5000 Exemplare des 32-seitigen Heftes liegen ab sofort in den Filialen des Geldhauses aus.

Die Vorfälle häufen sich. Abermals haben Trickdiebe, die sich in Krefeld als Polizisten ausgegeben haben, Senioren betrogen und auf diese Weise Wertgegenstände und Geld erbeutet. 30 Mal schlugen die Betrüger 2018 zu. „In 29 Fällen blieben die Taten im Versuchsstadium stecken. Nur in einem Fall waren sie erfolgreich“, erklärt Kriminalhauptkommissar Robert Lax. Der Experte ergänzt: „Dabei manipulieren die Betrüger durchaus auch die Telefontechnik, dass auf dem Display der Opfer die Nummer 110 erscheint.“

Die Täter geben sich als Polizeibeamte aus und behaupten, sie hätten Erkenntnisse, dass bei den Senioren demnächst eingebrochen werden solle. „Sie raten dazu, Geld und Schmuck aus den Wohnungen ,in Sicherheit’ zu bringen. Die Polizei werde die Wertsachen ,gerne so lange aufbewahren’“, so Lax. Ein Opfer nahm das Angebot an, ohne zu ahnen, dass es damit den Betrügern sein Erspartes übergab.

„Betrüger haben immer neue Ideen, um an das Geld anderer Menschen zu gelangen. Gleichzeitig wollen wir uns neue Wege einfallen lassen, um unsere Kunden zu schützen“, betont Siegfried Thomaßen, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse. „Einer dieser Wege ist die Kommunikation.“

Immer noch beliebt ist der Enkeltrick, bei dem sich Betrüger als Enkel oder nahe Verwandte ausgeben. Da sie gerade in einer finanziellen Not seien, um zum Beispiel eine Arztrechnung oder eine Operation zu bezahlen. „Niemand will eine Rabenoma oder ein Rabenopa sein“, so Lax. „Das Vertrauen, das es in Familien gibt, wird missbraucht.“ Sparkassensprecher Harald Schulze ergänzt: „Wir sprechen Kunden an, wenn sie atypisch hohe Beträge bar abheben wollen. Manchmal ist das erfolgreich.“

Der Druck, der von den professionell geschulten Tätern am Telefon aufgebaut wird, ist hoch. Ein aufmerksamer Sparkassenmitarbeiter hat in Krefeld im Juli einen Enkeltrick verhindert und damit einer 91-jährigen Frau aus Linn den Verlust von 20.000 Euro erspart. „Um 13.20 Uhr hat der Betrüger das Opfer angerufen, um 14.20 Uhr war die Seniorin bereits am Schalter, um das Geld für den angeblichen Neffen aus Hamburg abzuholen“, beschreibt Lax den Ablauf. „Erfreulich ist, die Frau behielt ihr Geld.“ Die Täter zu fassen ist nach Aussage des Kripo-Manns schwer. Denn die Banden, deren Mitglieder die Polizei unter dem Terminus „Rotationseuropäer“ führt, sind professionell organisiert. Die Anrufer sitzen meist im Ausland, stehen aber in ständigem Kontakt mit den „Geldabholern“ und den „Logistikern“, die sich in der Nähe ihrer Opfer aufhalten und diese auf dem Weg von der Wohnung zur Bank beobachten.

Sie stellten die neue Broschüre „Klüger gegen Betrüger“ vor: Siegfried Thomaßen, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse, Kriminalhauptkommissar Robert Lax, Dietmar Maus, kommissarischer Leiter der Polizeibehörde Krefeld und Sparkassensprecher Harald Schulze (von links). Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Parallel hat die Polizei derzeit ein massives Problem mit den sogenannten falschen Handwerkern. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass es neue Meldungen von weiteren Opfern gibt. Auffällig ist, dass die Täter auch hier meistens hochbetagte Rentner ins Visier nehmen. 47 solcher Delikte gab es 2018 in Krefeld, in 42 Fällen waren die Unbekannten erfolgreich. Meist klingelt ein Mann an der Haustüre und gibt sich als Wasserwerker aus. Er müsse den Wasserzähler prüfen, sagt er, oder aber wegen einer Rohrverstopfung den Wasserablauf testen. In einem Fall ging der vermeintliche Handwerker wortlos an seinem Opfer vorbei ins Bad und drehte einfach alle Wasserhähne auf. „In den meisten Fällen agieren die Täter so, dass einer die Senioren ablenkt, währenddessen ein zweiter in die Wohnung schleicht und nach Geld oder Schmuck sucht“, so Lax zum Ablauf. Sein dringender Rat: Niemanden in die Wohnung lassen, den man nicht kennt, sich nicht einschüchtern lassen und um eine Telefonnummer bitten, bei der man anrufen kann. Und der Kriminalhauptkommissar verspricht: „Unter der 110 gibt es in solchen Fällen immer schnelle Hilfe. Es ist nie falsch, die Polizei zu anrufen.“