Krefeld: Sechstes Sinfoniekonzert mit Solistin Alena Baeva

Sinfoniekonzert : Böhmisches Temperament einer kasachischen Geigen-Virtuosin

Ins sechste Sinfoniekonzert war mit Alena Baeva eine Solistin gekommen, die für dieses Werk die besten Voraussetzungen mitbrachte.

(gho) In Dvoráks Violinkonzert stecken eine Menge böhmisches Temperament und viel einschmeichelnde Melodik. Es enthält allerdings auch zahlreiche geigerische Schwierigkeiten. Kein Mangel besteht an Doppelgriffen, rasanten Läufen und Spiel in den höchsten Lagen, im geigerischen Jargon auch ewiger Schnee genannt. Mit anderen Worten: die Anforderungen sind sehr hoch.

Ins sechste Sinfoniekonzert war mit Alena Baeva eine Solistin gekommen, die für dieses Werk die besten Voraussetzungen mitbrachte. Die in Kasachstan geborene Geigerin verfügt über alles, was russische Spitzengeiger seit langem auszeichnet: eine souveräne Technik, einen intensiven, großen Ton und ein beachtlich kraftvolles Spiel, auch in den allerhöchsten Lagen. Mit viel Energie und Temperament spielte sie die Ecksätze, saftig erklangen die Kantilenen des langsamen Satzes.

Natürlich bedauerten die begeisterten Zuhörer, dass die Geigerin keine Zugabe mehr spielte. Aber Verständnis hatten sie schon. Das Dvorák-Konzert ist nicht nur mit anstrengenden Schwierigkeiten voll gespickt, sie folgen auch schnell aufeinander. Zeit zum Entspannen wird der Solistin nicht gegönnt. Da kann man nicht beliebig weitermachen, das leuchtete ein.

Zu den heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Komponisten gehört der 1871 in Wien geborene Alexander von Zemlinsky. Seine Orchesterfantasie „Die Seejungfrau“ ist nach Hans Christian Andersens Märchen als Programmmusik konzipiert. Ob man nun in der Musik den Inhalt des Märchens wiedererkennt oder nicht, ist letztlich nebensächlich. Der Reiz dieses hochromantischen Werkes liegt in den opulenten, differenzierten Klangfarben. Die wurden vom Orchester mit Engagement umgesetzt, GMD Kütson achtete auf sorgfältige Detailarbeit. Die Niederrheinischen Sinfoniker waren (wie gewohnt) glänzend aufgelegt, einzelne Gruppen des Orchesters herauszustellen wäre den anderen gegenüber ungerecht.

Hervorzuheben sind allerdings solistische Leistungen. Für die Bläser sei stellvertretend der Solohornist Kristiaan Slootmaekers, für die Streicher Philipp Wenger genannt. An sich ist es ja undankbar, nach einer Geigensolistin der Oberklasse als Orchestergeiger solistisch in Erscheinung zu treten. Aber der Konzertmeister hatte damit offensichtlich keine Schwierigkeiten und durfte sich zu Recht über den Sonderbeifall seiner Kollegen und des Publikums freuen. Noch einmal Dvorák gab es als Zugabe des Orchesters  für den begeisterten Beifall nach dem zweiten Slawischen Tanz.

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