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Krefeld: Schauspieldirektor Matthias Gehrt verlässt 2022 das Theater

Theater Krefeld : Schauspieldirektor Gehrt verlässt das Theater

Der 63-Jährige will Bienen züchten und als freier Regisseur arbeiten – auch am Gemeinschaftstheater. Er wird die Reihe „Außereuropäisches Theater“ weiterhin kuratieren.

Nichts ist beständiger als der Wechsel. Das ist ein Grundgesetz des Theaters. Doch mancher Abschied ist ein Einschnitt: Nach der Spielzeit 2021/22 wird Schauspieldirektor Matthias Gehrt das Theater verlassen. „Ich habe lange überlegt, wie ich das letzte Drittel meines Lebens gestalten möchte“, sagt er.  „Es ist ein Einschnitt, in gewisser Weise ist Schluss, auch wenn ich noch als Regisseur arbeiten werden.“ Freiberuflich will er das tun. Aber es gibt auch andere Pläne. Er möchte mit seiner Frau, der Bühnenbildnerin Gabriele Trinczek, wieder fest in Berlin leben und auf dem gemeinsamen Bauernhof in Mecklenburg-Vorpommern Bienen züchten. „Man soll doch immer drei Berufe im Laufe seines Lebens ausüben. In meinem Fall sind das zuerst der Einzelhandelskaufmann, dann der Regisseur und drittens hoffentlich der Imker. Eine Wiese in Mecklenburg habe ich schon.“

Seit 2010 leitet Matthias Gehrt die Sparte Schauspiel am Gemeinschaftstheater, hat dort in dieser Zeit über  25 Inszenierungen auf die Bühne gebracht und kann in 2022 auf 41 Spielzeiten an unterschiedlichen deutschen Theatern zurückblicken. „Fast mein ganzes Berufsleben habe ich am Theater verbracht. Ich möchte die Erfahrung machen, wie das Leben auch anders ist“, sagt er. „Ich habe mir vorgenommen, einmal im Monat einen ganzen Tag sozialer Arbeit zu widmen.“ 

Zwölf Jahre am Niederrhein, das ist mit Abstand die längste Zeit, für die sich Gehrt beruflich gebunden hat. „Angetreten bin ich damals für fünf Jahre.“ Doch die Zusammenarbeit mit Intendant Michael Grosse und seinem Team war fruchtbar und glücklich. So ist Gehrt geblieben. Eine Kündigung gibt es übrigens nicht. Der Vertrag bis zum Ende der Spielzeit 2021/22 wird nicht darüber hinaus verlängert. „Dann bin ich 65“, sagt Gehrt. Und der Zeitpunkt sei gut, weil seine Nachfolge in Ruhe geregelt werden könne.

Es ist kein endgültiger Abschied, denn Gehrt wird die Reihe „Außereuropäisches Theater“, die er ins Leben gerufen hat, weiter  kuratieren. „Ich bin sehr froh darüber, dass wir seine internationale Vernetzung mit Theaterschaffenden dadurch weiter nutzen können“, so Generalintendant Michael Grosse.

Die Reihe mit Regisseuren aus Japan, Armenien, Iran, Libanon, Israel, Mexiko oder Syrien ist ein Herzensanliegen Gehrts und hat dem Publikum beeindruckende, außergewöhnliche Theaterabende beschert. Gehrt, der am Niederrhein mit den großen Klassikern der Antike, mit Shakespeare, Goethe, Schiller seine Regiehandschrift zeigte, hat auch im Ausland inszeniert: „Ödipus“  in  Ghana, „Draußen vor der Tür“ in Israel, „Antigone“ in Athen.