Weihnachtscirkus Probst Auf Kuschelkurs mit Tigern

Krefeld · Sarah Houcke steht beim Weihnachtscircus Probst als Tiger-Dompteurin in der Manege. Seit über 20 Jahren arbeitet sie Auge in Auge mit dem majästetischen Raubtier. Europaweit teilt sie das Metier mit nur drei anderen Frauen.

 Sarah Houcke mit einem von fünf bengalischen Tigern, mit denen sie im Weihnachtscircus Probst in der Manege steht.

Sarah Houcke mit einem von fünf bengalischen Tigern, mit denen sie im Weihnachtscircus Probst in der Manege steht.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Sarah Houcke ist ein Katzenmensch, und wenn sie ihre Katzen streichelt und mit ihnen redet, hat ihre Stimme einen Kommando-Ton. Majestätische Tiere sind es, fünf an der Zahl, fressen pro Kopf fünf bis acht Kilogramm Rindfleisch am Tag. Sie können Kilometer weit sprinten, ihre Beute in Sekunden mit Nackenbiss erlegen. „Natürlich ist der Tiger ein Raubtier“, sagt Houcke. „Aber wenn man sich auf ihn einstellt, ist es wie mit einem Haustier wie Katze oder Hund.“

Houcke ist Tiger-Dompteurin, eine von wenigen Frauen auf der Welt in diesem Metier. Zur Zeit ist sie eine Hauptattraktion im Weihnachtscircus Probst, der noch bis zum 6. Januar auf dem Sprödentalplatz gastiert. Halb Engländerin, halb Französin, stammt die 41-Jährige aus einer traditionsreichen Circusfamilie, dressiert Tiere bereits in fünfter Generation. „Mein Uronkel war mein Vorbild: Er war der erste Raubtier-Dompteur in der Familie, hat mit den Tigern sogar Filme gedreht“, sagt sie. Als Kind, unterwegs mit dem Circus in ganz Europa, habe sie ein bisschen vom allem gelernt, ihre erste eigene Nummer hat sie mit 11. Mit 17 Jahren bekommt sie ihr erstes Engagement, dressiert Pferde und Exoten. Und arbeitet mit 21 Jahren zum ersten Mal Auge in Auge mit dem Tiger: bei Ringling Bros. and Barnum & Bailey in den USA – dem größten Circus der Welt, wo Houcke zum Headliner und Plakatmotiv wird.

„In 20 Jahren Arbeit mit Raubtieren wurde ich noch nie verletzt“, sagt die Mutter eines Kindes, die auch schon schwanger mit Elefanten in der Manege stand. Ihre Art, harmonisch und ruhig mit dem Tieren in Kontakt zu treten, nennt sie einen „Schmusestil“. „Ich baue eine Beziehung zu den Tigern auf, gehe täglich zu ihnen ins Gehege, um es zu reinigen und sie zu füttern.“ Wenn die Tiger genug fressen, sich im Gehege frei bewegen und mit Spielgeräten beschäftigt sind, dann – so Houcke – seien sie für den Menschen keine große Gefahr. „Immerhin schlafen sie bis 20 Stunden am Tag, ihr Jagdinstinkt ist nicht immer aktiv.“ Wichtig sei es vor allem, Ruhe und Kontrolle zu bewahren, denn das übertrage sich auf das Tier. „Der Tiger hat seine Instinkte“, sagt sie. Gefährlich werde es zum Beispiel, wenn der Dompteur hinfällt – Tiger betrachten ihn plötzlich als Beute, könnten sich auf ihn stürzen. „Das darf nicht passieren und kam bei mir auch noch nicht vor. Aber wenn, dann muss ich sofort aufstehen und Kontrolle vermitteln.“

 Die Tiger, mit denen Houcke im Weihnachtscircus Probst auftritt, stammen aus der Tierlehrerdynastie von Martin Lacey jr. vom Circus Krone. Sie sind 18 Jahre alt, mehr oder weniger domestiziert: Ihre Performance sind sie schon lange geübt und haben das regelmäßige Proben nicht mehr nötig. Houcke spricht mit ihnen auf Englisch und Deutsch. „Das ist überall auf der Welt so“, verrät sie: „Vielleicht wegen dem härteren Klang der Sprache.“

Während ihrer Kunststücke werden die Tiger mit Fleischstücken gelockt. Und dennoch: „Erzwingen kann man nichts“, sagt Houcke. Deshalb habe sie selbst vor Hunden oder Katzen, die sie nicht kennt, großen Respekt. „Jedes Tier hat seinen Charakter, den man erst kennenlernen muss, um sich darauf einzustellen.“ Das könne mitunter auch schwieriger sein: Wie bei ihrer Hauskatze, mit der werde sie nicht richtig warm. „Sie ist eigentlich die Katze meines sechsjährigen Sohnes und komplett auf ihn fixiert“, sagt Houcke und lacht.

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