Krefeld: Sanierungsarbeiten an Bodenplatte und Hochaltar der St. Cyriakuskirche

Sanierungsarbeiten an der Bodenplatte : St. Cyriakus: Altar gibt seine Geheimnisse preis

Der prachtvolle Hochaltar wird abgebaut, um die Bodenplatte zu sanieren. Die Arbeiten werden genutzt, um Steinsockel und Schnitzaltar auszubessern. Mit Spannung wird das Anheben der Altar-Deckplatte erwartet: Vieles deutet darauf hin, dass dort Reliquien eingebettet sind.

Es ist immer etwas Besonderes, wenn in einer Kirche Dinge abgebaut werden, die für die Ewigkeit fest zu stehen scheinen. In St. Cyriakus ist es mal wieder soweit: Aufsteigende Feuchtigkeit zwingt dazu, den Hochaltar zu zerlegen, um am Boden Abdichtungsarbeiten vornehmen zu können. So ergeben sich völlig neue Perspektiven. Dass die Figuren, die den Predigttisch rechts vom Altar unter Kunststoffbahnen wie Wesen aus einer anderen Welt wirken, ist nur ein Effekt. Aber ein passender: Denn es geht in einer Kirche um Botschaften aus einem anderen, göttlichen Reich.

Verblüffend: Die Spitze des Hochaltars zum Beispiel hat stets das Bild des Stifters Andreas Baum verdeckt, der drei Kirchenfenster gestiftet hat. Sein Bildnis ist in einem kleinen Kirchenfenster zu Füßen des Christus-Fensters verewigt. Anrührend: Die Gläubigen sehen (wenn es überhaupt aus der Ferne zu sehen ist) die Figur Jesu im Garten Gethsemane im Profil, als er fleht, der Kelch des Leidens möge an ihm vorübergehen. Jetzt aber, da der Schnitzaltar zerlegt ist und die Teile in der Taufkapelle lagern, sieht man das Antlitz des Herrn aus der Nähe, wie Schnitzkünstler des 19. Jahrhundert es sich vorgestellt haben. Fast ein Jahrhundert-Blick: So oft werden Hochaltäre nun mal nicht zerlegt.

Der Anlass für die umfangreichen Bauarbeiten in der Kirche hat mit Feuchtigkeit zu tun. Hintergrund: Bei eine der letzten Sanierungsrunden ist die Bodenplatte, auf der der Altar steht, mit Beton wasserdicht hergerichtet worden. Man hatte allerdings die Altarfläche ausgespart. Was keiner ahnen konnte: Der Effekt war, dass die Feuchtigkeit aus dem Boden sich den Weg zu dieser Aussparung suchte und dort mit Macht nach oben drückte. „Es wird vermutet, dass die aufsteigende Feuchtigkeit im Bereich des Stipes, also des Altarsockels, und der Stufenanlage hinter dem Hochaltar die Schäden verursacht“, sagt der zuständige Architekt Thomas Blohm-Schröder, „darunter hat der Altar gelitten.“ Innerhalb von Monaten seien außergewöhnliche Fugenbilder entstanden. Die Fugen wurden fingerbreit; es gab Abplatzungen; der Stein arbeitete sichtlich. So war klar: Der tonnenschwere Altar musste abgebaut werden, sowohl der Unterbau aus Naturstein als auch der geschnitzte Aufbau, um die Bodenplatte komplett „nach unten zu isolieren, so dass künftig keine Feuchte mehr aufsteigt“, so Blohm-Schröder weiter.

Das acht Meter hohe Retabel ist abgebaut, der Altarbereich ist eingehaust, um den steinernen Sockel abbauen zu können. Der Blick auf die Kirchenfenster oben ist nun frei, darunter ein Bildnis des Stifters von drei Kirchenfenstern. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Mittlerweile ist das Retabel, also der (acht Meter hohe) geschnitzte Altaraufsatz, zerlegt und in der Taufkapelle gelagert. Neogotische Pracht: Es ist ein Erlebnis, den Figurenreichtum aus der Nähe zu betrachten. So nah kommt man ihm eben normalerweise nicht.

Der Stipes steht noch und ist eingehaust, damit Staub nicht den Kirchenraum verschmutzt. Bautechnisch spannend: Um die tonnenschweren Steinstücke- und -platten bewegen zu können, wird im Innern der kleinen Bauhütte ein beweglicher Kran installiert.

Der spannendste Moment dürfte der sein, in dem die Deckplatte für den vorderen Teil des Altars abgehoben wird. In der Mitte ist eine Art kleiner Deckel eingelassen; rechts und links am Rand sind Weihekreuze eingearbeitet, die vermuten lassen, dass im Altar Reliquien lagern, berichtet Cyriakus-Pfarrer Paul Jansen.

Die Bauarbeiten bieten auch die Gelegenheit, sich einiger Besonderheiten dieser Kirche zu erinnern, die mit ihrer farbenfrohen Ausmalung im Verein mit den wunderbaren Fenstern doch die hübscheste, delikateste und freundlichste am Niederrhein ist.

Das älteste, nämlich 1700 Jahre alte Stück der Kirche ist bekanntlich eine Marmortafel vom Calixtus-Friedhof in Rom, den ein Pfarrer 1864 mit an den Niederrhein brachte. Dieser Friedhof war die erste Gemeinde. Katakombe der Christen in Rom und ist nach Bischof Calixtus I. (gestorben 222) benannt.

Das zweitälteste Stück dürfte ein Tabernakel aus dem 14. Jahrhundert sein, das hinter dem Altar in die Wand eingelassen ist. Besonderheit am Altars, die vielleicht nicht allen Katholiken geläufig ist: Am Fuß der Rückseite findet sich ein kleines Gitterfenster, das den Blick auf einen Schacht freigibt, der ins Erdreich unter der Kirche führt. Diese Öffnung ist das Sakrarium. Dort wird zum Beispiel Wasser entsorgt, mit dem Kelche für die Darreichung der Hostien gereinigt werden. So soll sichergestellt werden, dass Spuren der Hostie, dem Leib Christi, würdig in geweihtem Boden gelagert werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der prachtvolle Hochaltar von St. Cyriakus wird abgebaut

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