Krefeld: Sanierung von Stadthaus wird für Stadt zum Millionengrab

Kosten steigen : Sanierung des Stadthauses wird für Krefeld zum Millionengrab

Die Stadthaus-Sanierung in Krefeld steht kurz vor dem Aus: Experten um Baudezernent Martin Linne rechnen jetzt mit Kosten von mindestens 83,5 Millionen Euro. Die CDU erwartet, dass Oberbürgermeister Meyer Führungsverantwortung übernimmt.

Die Kosten für das Projekt sind nicht mehr seriös kalkulierbar, die bisherige Planung der Stadtverwaltung zeigt sich zu fehlerhaft. Bislang war eine Investition von rund 70 Millionen Euro veranschlagt. In geheimer Runde im Rathaus ist diese Summe schon längst zu den Akten gelegt worden.

Derzeit rechnen die Experten um Baudezernent Martin Linne mit Sanierungskosten von 83,5 Millionen Euro. Doch auch das muss nicht unbedingt der letzte Griff in die städtische Kasse gewesen sein. Für die Fachleute aus Verwaltung und Politik ist klar: Jede zusätzliche Änderung wird das Projekt weiter verteuern. Und das sei bei der Sanierung eines denkmalgeschützten und gleichzeitig recht maroden Hauses nicht ausgeschlossen, hieß es bei den Teilnehmern des Treffens.

Fakt ist: Für das neue Heim der städtischen Mitarbeiter würden die Bürger - einschließlich der Finanzierung - mindestens 180 Millionen Euro aufbringen müssen. Ende offen. Für die Verwaltung entwickelt sich die ganze Angelegenheit langsam zu einem Fiasko. Im Juli 2016 hatte Linne das Gutachten zum Umgang mit dem Stadthaus vorgestellt. Spezialisten errechneten, was am günstigsten ist: Anmietung dezentraler Räume für die Verwaltung, Sanierung des Stadthauses in Eigenregie der Stadt, Sanierung über ein PPP-Modell (ein Privater saniert, die Stadt mietet an) oder ein Neubau. Ergebnis: Die PPP-Sanierung bekam den Zuschlag.

Risiken, die keine Firma tragen wollte

Der erste Rückschlag: Die Verwaltung sprach in einer Markterkundung mit Firmen, die für eine solche Sanierung in Frage kommen. Doch: Niemand will das Risiko einer Sanierung in der ausgeschriebenen Form auf sich nehmen. Dabei hatte Linne noch voller Optimismus gesagt, der Denkmalschutz habe zugestimmt, einen Großteil der maroden Fenster auszutauschen. Doch diese Frage war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht verbindlich geklärt. Jenseits der Fenster barg die Ausschreibung weitere Risiken, die keine Firma tragen wollte: Die Fliesen der Fassade sollten gelöst und wieder angebracht, ebenso die Türen erhalten, sprich aufgearbeitet werden.

Die CDU ist über die jüngsten Ergebnisse entsetzt. "Auf der Arbeitsgruppensitzung Politik zum Thema Stadthaus hat die Verwaltung uns die aktuelle Situation zum Thema Stadthaus mitgeteilt. Demnach haben sich die Kosten deutlich erhöht. Aufgrund der Zeitverzögerung unter anderem wegen des Denkmalschutzes, aber auch auf Grund von Baukostensteigerungen ist mit einer Kostensteigerung um rund zwölf Millionen Euro auf 83,5 Euro zu rechnen. Das sind die reinen Investitionskosten, diese Summe wird sich durch die Finanzierungs- und Kreditkosten noch erhöhen", so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jürgen Wettingfeld. Die CDU behält sich vor, die Sache Stadthaus neu zu bewerten. Sie erwartet von der Verwaltung wie auch der Oberen Denkmalbehörde, dass alle Entscheidungen schnellstens durchgeführt werden. Wettingfeld erwartet von Oberbürgermeister Frank Meyer Führungsverantwortung: "Ansonsten müssen wir über einen Plan B sprechen. Die Sanierung des Stadthauses muss zur Chefsache erklärt werden."

Auch beim Faktor Zeit setzt Dezernent Linne die Politik massiv unter Druck. Nach Informationen unserer Redaktion erwartet die Verwaltungsspitze, dass die Politik ihr noch zwei weitere Jahre Zeit gibt, bevor sich der Rat mit dem Stadthaus abschließend beschäftigen kann. Das heißt: Im August 2020 - der letzten Sitzung des derzeit gewählten Rates - soll die Politik eine Entscheidung treffen. Diese umsetzen müsste dann der neue Rat.

Für die derzeitigen Ratsmitglieder wäre das ein finanzieller Balanceakt ohne Sicherung. Niemand weiß, wie sich bis 2020 die (Welt-) Wirtschaft und der Kapitalmarkt entwickeln werden. Stand heute ist für Wettingfeld jedoch eines klar: "Wir haben von der Verwaltung in den vergangenen Monaten immer positive Signale bekommen. Jetzt muss man feststellen, dass wir nach anderthalb Jahren nicht mal ein Nullergebnis, sondern ein Negativergebnis haben."

(RP)
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