Krefeld: Sanierung des Stadtwaldhauses kostet mindestens acht Millionen Euro

Grundlegende Sanierung : Acht Millionen Euro fürs Stadtwaldhaus

Ein Experten-Gutachten liegt seit rund anderthalb Jahren in einer Schublade der Verwaltung. CDU-Ratsherr Jürgen Wettingfeld: „Wir kannten dieses 130-Seiten-Papier bis vor einer Woche nicht.“ Dezernent Martin Linne widerspricht.

Von Krefelder Pleiten, Pech und Pannen ist die Kontroverse rund um die notwendige Sanierung des Stadtwaldhauses geprägt. Die CDU warf der Verwaltung in einer recht hitzigen Diskussion im Bauausschuss „Schlamperei“ und „mangelnde Informationsbreitschaft“ vor. Tatsache ist, dass die Verwaltung bereits seit Oktober 2017 ein zuvor in Auftrag gegebenes Gutachten besitzt, das sich auch mit baulicher Problematik des Traditionslokals beschäftigt. Der Vorwurf des Ausschussvorsitzenden und stellvertretenden CDU-Fraktionschefs Jürgen Wettingfeld: „Wir kannten dieses 130-Seiten-Papier bis vor einer Woche nicht.“ Diese Kritik wollte Baudezernent Martin Linne nicht auf der Verwaltung sitzen lassen: „Sie hätten mich ja nur danach fragen brauchen. Ich hätte es Ihnen sofort gegeben.“

Bei dem Gutachten soll es sich um einen „ersten Aufschlag“ handeln, das unter anderem Hinweise auf Probleme der Statik des historischen Hauses beinhaltet. „Eine genaue Entwurfsplanung und Kostenrechnung liegt noch nicht vor“, so Wettingfeld. Trotzdem sei man 2017 von einer nötigen Investition in Höhe von 5,8 bis sechs Millionen Euro ausgegangen. „Heute ist mit Mehrkosten von 20 bis 30 Prozent zu rechnen“, so der CDU-Politiker. „Das heißt, dass wir uns in einer Größenordnung von acht Millionen Euro bewegen. Weitere Überraschungen noch nicht eingerechnet.“

Ob der derzeitige Zeitplan - der einen Beginn der Sanierung Ende 2020 vorsieht - überhaupt eingehalten werden kann, ist offen. Das gilt auch für die Frage, ob eine Instandsetzung im laufenden Betrieb möglich ist. „Tatsache ist, wenn ich ein solches Gebäude en bloc saniere, wird es zeitlich kürzer und auch kostengünstiger sein“, erklärt Linne. Abgesprochen ist, dass durch die von der Verwaltung beauftragte Krefelder Bau GmbH ein Generalplaner gefunden werden soll. „Der wird seine Ergebnisse im Frühjahr 2020 der Politik vorlegen“, so SPD-Ratsherr Jürgen Hengst, der bezüglich der Stadtwaldhaus-Aktivitäten im Internet von einem „Shitstorm“ spricht. Hengst: „Es gibt derzeit keine Entscheidung, wie die Sanierung durchgeführt wird.“ Und FDP-Parteichef Joachim C. Heitmann ergänzt: „Es müsste im Interesse des Pächters liegen, dass die Maßnahme zügig durchgeführt wird. Und es müsste im Interesse des Stadtrats liegen, dass die Maßnahme kostengünstig durchgeführt wird.“

Nach Aussage der Verwaltung bleibt das Traditionslokal für Besucher noch bis Herbst 2020 geöffnet. Die grundlegende Sanierung der Veranstaltungsstätte mit ihrem bundesweit bekannten Biergarten soll im Spätherbst 2020 in Angriff genommen werden. Der bestehende Pachtvertrag für das Stadtwaldhaus ist bis zum 31. Oktober 2020 verlängert worden. „Die Sanierungsmaßnahme soll vorbehaltlich der politischen Beschlusslage, des Bauzeitenplans des Architekten sowie aller sonstigen Rahmenbedingungen nach Beendigung des bisherigen Pachtverhältnisses ab dem 1. November 2020 begonnen und diese innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten beendet werden - entsprechend länger bei einer Sanierung in Teilabschnitten und deutlich höheren Kosten, was optional auch geprüft wird“, so Stadtsprecher Timo Bauermeister vor wenigen Tagen in einer Stellungnahme. Der Umfang der Sanierung umfasst: Arbeiten an der Baukonstruktion, Erneuerung und Sanierung der Grundleitungen, energetische Sanierung einschließlich Austauschs der Fenster, Überarbeitung der Fassade und des Dachs, Maßnahmen zur Optimierung von Betriebsabläufen, Herstellung der Barrierefreiheit sowie Instandsetzung und Teilerneuerung der Außenanlagen - dies alles unter Beachtung des bestehenden Denkmalschutzes. „Natürlich wäre es der ‚worst case‘, wenn diese renommierte, über die Stadtgrenzen hinweg geschätzte Restauration an diesem malerischen Ort für Monate oder gar für ein Jahr geschlossen würde. Die Folgen wären unabsehbar“, erklärt Grünen-Fraktionsvorsitzende Heidi Matthias. „Was wir jetzt am wenigsten brauchen, sind Politiker im Wahlkampfmodus, die noch mehr Öl in eine Debatte gießen, die durch die vom Pächter initiierte Petition bereits sehr aufgeheizt ist.“