Krefeld: Sammlung von Paul Prött im Deutschen Textilmuseum

Sammlung von Paul Prött : Textilmuseum: Vom Einfluss der Trachten auf Mode und Design

Der vorbildhafte Charakter der Prött-Sammlung ist auch an einigen Kleidern zu erkennen. An ihnen wird deutlich, welche Wechselwirkung zwischen Trachten und Mode bestehen kann.

Pailletten, Flitter und Perlen mit goldfarbener Stickerei: Das ist das Material, aus dem eine Münchener Riegelhaube in der Zeitspanne von 1825 bis 1835 gefertigt wurde. Sie ist mit zahlreichen anderen Stücken im Textilmuseum zu sehen. Verschiedenste Techniken, mannigfaltige Verzierungsformen: Die Sammlung Paul Prött im Deutschen Textilmuseum umfasst Schätze aus aller Herren Länder. Die europäischen Stücke dieser Sammlung werden derzeit am Andreasmarkt gezeigt. Sie gliedern sich in drei Bereiche; nämlich Schmuck, Kleidung und Kopfbedeckungen.

Bei der Analyse der Stücke stellte sich heraus, das sie aus unterschiedlichen Regionen stammen. So gibt es Schmuck aus Skandinavien und aus dem Baltikum, Spenzer aus Schweinfurt und Hauben aus Österreich oder aus den Balkanstaaten. Aber es handelt sich an keiner Stelle um ein vollständiges Outfit von Kopf bis Fuß. Dass hier keine kompletten Trachten vorliegen, lässt einen möglichen Schluss zu: Es gibt die These, das man hier in den 1940-er Jahren eine Sammlung anlegen wollte.

Die Gewebesammlung war anfangs, wie der Name sagt, auf das Zusammentragen von Gewebe spezialisiert. Dann kam Stickerei hinzu und mit der Sammlung Prött nochmals eine Fülle von Textilien. Damit wurden viele verschiedene Verzierungsformen und auch unterschiedliche Entwürfe angeschafft.

Einige der präsentierten Exponate waren vermutlich Vorbildmaterial für die Webereischüler. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

„Das ist vermutlich Vorbildmaterial für die Webereischüler“, sagt Isa Fleischmann-Heck. Denn man habe einen Schwerpunkt auf Textil-Design und Modeschaffen legen wollen.

Der Einfluss der Trachtenmode ist offenkundig – ein Beispiel. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der vorbildhafte Charakter der Prött-Sammlung ist auch an einigen Kleidern zu erkennen. An ihnen wird deutlich, welche Wechselwirkung zwischen Trachten und Mode bestehen kann. Diese Alltagskleider weisen alle Elemente auf, die der Trachtenmode entnommen sind. Herzen und Blüten sind von den Textilien auf die Kleider gewandert; die Schnitte greifen Formen der Trachten auf.

Florale Ornamente, Palmetten und Bäume, schmücken auch die süddeutschen Riegelhauben. In einer ist sogar ein Etikett erhalten: Lene Stadler war die Stickerin und Haubenmacherin, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Regensburg eine fränkische Riegelhaube fertigte und mit eigenem Namen auszeichnete.

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