Kronprinzenviertel in Krefeld Krefelds verschenktes Juwel

Barbara Schnell wohnt seit 1986 mitten in der Stadt. Als Vorsitzende des Bürgervereins Kronprinzenviertel und Spielplatzpatin auf dem Albrechtplatz engagiert sie sich seit Jahren im und fürs Quartier. Mit uns unternahm sie einen Streifzug durch die verkehrsbelasteten Straßenzüge zwischen Ostwall und Philadelphiastraße.

Wie lebt es sich im Kronprinzenviertel?

SCHNELL Eigentlich wirklich gut. Wir wohnen in der Nähe der Stephankirche und haben viele nette Nachbarn. Man kennt sich in der Gegend, da es viele Familien wie unsere gibt, die schon lange dort wohnen und deren Kinder auch im Viertel groß wurden. Dazu gibt es immer junge Leute, die hierher ziehen. Die Mischung ist bunt, interessant und abwechslungsreich. Das Viertel hat mehr zu bieten, als sein oft eher schlechter Ruf vermuten lässt.

Viele Häuser sind richtige Schmuckstücke, bei denen sich ein zweiter Blick lohnt.

SCHNELL Auf jeden Fall! Leider sieht man von der Schönheit wenig, da die immer größer werdenden Autos, die überall parken, so dominant sind, dass kaum noch jemand einen Blick für die Häuser mit den prächtigen Fassaden übrig hat. Man hat als Fußgänger schließlich genug damit zu tun, in dem täglichen Verkehrschaos, das in den engen Straßen herrscht, unbeschadet seinen Weg zu finden. Gerade für Grundschulkinder, die hinter einem SUV unsichtbar sind, ist der Schulweg durchs Viertel  bis zur Mariannenschule zum Teil lebensgefährlich.

Autos sind hier wirklich überall und parken auch an den unmöglichsten Stellen wie hier gerade vor der Mariannenschule.

SCHNELL Verkehr und Parken sind für mich die Mutter aller Probleme in der Innenstadt. Es ist einfach unglaublich, wie konstant sich die Lage nicht nur bei uns im Viertel dadurch verschlimmert, dass die Autos immer mehr und immer größer werden und viele die Straßenverkehrordnung für einen Witz zu halten scheinen. Dabei haben wir vom Bürgerverein wirklich jede Gelegenheit genutzt, um Verantwortliche bei der Stadt, aber auch Politiker auf das Thema anzusprechen. Die Grünen haben ihre Geschäftsstelle sogar im Kronprinzenviertel, sind durchaus auch offen für unsere Anregungen, scheinen letztendlich aber nicht ernsthaft motiviert, sich für eine Verbesserung vor ihrer Haustür einzusetzen.

Es klingt so, als hätten Sie Verbesserungsvorschläge...

Schnell Natürlich. Die habe ich schon lange. Es nützt aber nichts, wenn ich mir den Mund fusselig rede, man in der Verwaltung aber nur hilflos mit den Schultern zuckt. Ein schnell umzusetzender Vorschlag wäre beispielsweise, die Parkplätze, die an Kreuzungsbereiche stoßen, wegzunehmen. Was früher kein Problem war, da kleine, niedrige Autos dort abgestellt wurden, birgt heute immenses Gefahrenpotential, da die großen, hohen Wagen die Sicht auf Straße und Kreuzungsbereich komplett versperren. Ich kann auch nicht verstehen, warum auf der Luisenstraße auf einer Seite das Parken auf dem Bürgersteig erlaubt wurde. Viele Anwohner hatten angesichts der engen Fahrbahn darauf gehofft, dass nur noch Parken auf einer Straßenseite oder noch besser versetztes Parken und dazu Straßengrün möglich gemacht würden. Stattdessen sahen wir auf einmal die Parkmarkierungen auf dem Gehweg. Das ist natürlich auch eine Möglichkeit, eine Fahrbahn zu verbreitern – auf Kosten der Fußgänger, die nun kaum noch wissen, wie sie den Gehweg benutzen sollen, vor allem dann nicht, wenn sie einen Kinderwagen oder Rollator schieben und auch noch Mülltonnen vor dem Haus stehen. Welche Auswirkungen diese Maßnahme auf das Straßenbild mit seinen zum Teil richtig schönen Fassaden hatte, kann man sich ja denken.

Nun sind manche Fassaden zwar denkmalwürdig, aber in eher schlechtem Zustand. Kommen Hausbesitzer da ihren Verpflichtungen nicht nach, etwas für die Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Viertel zu tun?

Schnell Das geht nur Hand in Hand mit der Kommune. Wir würden unsere Fassade sofort sanieren lassen, wenn die Kommune mit begleitenden Maßnahmen dafür sorgen würde, dass dieser Schatz dann auch zur Geltung kommen könnte und nicht in der Blechlawine untergeht. So haben wir unsere Prioritäten erst einmal auf die energetische Sanierung gesetzt. Erschwerend kommt noch Vandalismus hinzu. Selbst die festgedübelten Blumenkästen an unserem Haus, die etwas Farbe in die Straße bringen sollten, wurden zerstört. Ich werde sie jetzt durch Metallkästen ersetzen.

Wie könnte man die Parkplatzsituation entschärfen?

Schnell Eine Überlegung: Könnte man nicht an Plätzen, die bereits jetzt als Parkfläche genutzt werden, zum Beispiel gegenüber der Sparkasse, zweigeschossige Parkhäuser in Leichtbauweise aufstellen, deren Dächer man für Gemeinschaftsgärten und Photovoltaik nutzt? Klar, für solche „Quartiersgaragen" müsste die Kommune auf private Grundstückseigentümer zugehen, aber in solchen Mini-Parkhäusern würde man deutlich mehr Autos unterkriegen als jetzt auf den eindimensionalen Flächen, und man könnte gleichzeitig etwas fürs Stadtklima und für die Menschen tun. Dann wäre es meiner Meinung nach sinnvoll, die vorhandenen Parkhäuser, das unter der Sparkasse und besonders das am Bahnhof, besser auszulasten und für sie als gute, selbstverständliche Alternative zu werben. Unverständlich ist mir zum Beispiel auch, wieso für den Supermarkt im ehemaligen Odeon-Kino an der Neue Linner Straße keine Kurzparkplätze eingerichtet werden. Dort parken Kunden und Lieferanten oft in zweiter Reihe, was wieder zu Verkehrsbehinderungen und gefährlichen Situationen führt. Dabei müsste die Stadt doch eigentlich bereits bei der Genehmigung eines solchen Marktes das Thema ansprechen und nach Lösungen suchen. Nein, der Marktinhaber muss tätig werden, wenn sich etwas ändern soll. Und das kann dauern.

Aber es sind ja auch viele, die in der Innenstadt einkaufen wollen oder dort arbeiten, die im Viertel einen Parkplatz suchen.

Schnell Es muss aufhören, dass wir der Parkplatz der Innenstadt sind! Attraktiv wird das Parken in unserem Viertel ja dadurch, dass es flächendeckend kostenfrei und höchstens zeitlich durch Parkscheiben begrenzt ist. In welcher Stadt findet man denn so etwas in direkter Zentrumsnähe? Trotzdem verstehe ich Autofahrer nicht, die lieber bis zu zwanzig Minuten durchs Viertel kurven, als ins Cinemaxx-Parkhaus zu fahren, wo die monatliche Stellplatzmiete kein Vermögen kostet. Stattdessen brauchen wir Kurzzeitparkplätze etwa für Pflege- oder Lieferdienste oder Handwerker. „Parkplatzsuchverkehr" muss endlich ein Fremdwort werden!

Könnte Krefeld nicht mit den baulichen Juwelen des Viertels auch viel für den Tourismus tun, durch Führungen oder aber auch Plaketten mit QR-Codes, wie sie in Linn an den Häusern hängen, die auf die Geschichte der Baudenkmäler hinweisen?

Schnell Ja, das wäre durchaus möglich, es gibt ja bereits Stadtführungen der VHS durch unser Viertel, die gut angenommen werden. Ich fände es aber nicht nur für Touristen schön, sondern auch für die Anwohner, die sich vielleicht ja stärker mit der Gegend identifizieren würden, wenn sie um die Geschichte und die Geschichten hinter den schönen Fassaden wüssten – und sich dann vielleicht auch mehr engagieren würden.

Mangelt es an Menschen, die ehrenamtlich tätig werden?

Schnell Es ist sehr schwierig, Menschen in diesem Viertel längerfristig zu mobilisieren. Der Albrechtplatz wird von vielen migrantischen Familien besucht. Den Müttern, mit denen ich spreche, sind aber die Hemmschwellen zu hoch, sich mit städtischen Fachbereichen auseinanderzusetzen, um dort Spielplatzpatin werden zu können. Deswegen finde ich den Container auf dem Albrechtplatz mit seinem niederschwelligen Angebot so wichtig. Von solchen Angeboten müsste es aber noch deutlich mehr geben, um Menschen zu erreichen und zum Mitwirken zu bewegen.

Das Kronprinzenviertel mit der Kirche St. Stephan und den historischen Häuserfassaden ist ein richtiges Juwel – wären da nicht all die Autos.

Das Kronprinzenviertel mit der Kirche St. Stephan und den historischen Häuserfassaden ist ein richtiges Juwel – wären da nicht all die Autos.

Foto: Bärbel Kleinelsen
Bärbel Schnell, Vorsitzende des Bürgervereins Kronprinzenviertel, versteht nicht, wie man Parken vor einem Kircheneingang erlauben kann.

Bärbel Schnell, Vorsitzende des Bürgervereins Kronprinzenviertel, versteht nicht, wie man Parken vor einem Kircheneingang erlauben kann.

Foto: Bärbel Kleinelsen
 Kronprinzenviertel

Kronprinzenviertel

Foto: Bärbel Kleinelsen
Der Gehweg auf der Luisenstraße ist von parkenden Autos und einer Mülltonne versperrt.

Der Gehweg auf der Luisenstraße ist von parkenden Autos und einer Mülltonne versperrt.

Foto: Bärbel Kleinelsen

Wie sähe das Kronprinzenviertel aus, wenn Sie gleich mehrere Wünsche frei hätten?

Schnell Es gäbe hier deutlich mehr Platz für Menschen und mehr Grün, das ist klar. Ich fände Parklets schön, in denen kleine grüne Inseln eingerichtet oder Begegnungsplätze geschaffen würden. Es gibt ja bereits Entwürfe, die sehr vielfältig sind und damals viel Zuspruch fanden. Wenn die Menschen mehr Identifikations- und Verweilorte hätten, würde sich vielleicht auch die Sauberkeit im Viertel verbessern. In meinem Wunschviertel würde die vor einigen Jahren angekündigte Sanierung des Schinkenplatzes endlich realisiert. In einem solchen Viertel würde auch das kulturelle Leben anders zur Geltung kommen. Wir haben schließlich einiges zu bieten, man denke nur an das Haus der Seidenkultur oder den Kulturpunkt an der Friedenskirche. Ich sehe ein Viertel vor mir, in dem man mit Freude durch die Straßen schlendert, Muße hat, sich die schönen Fassaden anzuschauen, und in dem es nette Cafés und Kneipen gibt, die an schönen Tagen Außengastronomie anbieten, wie jetzt das „Stadtmitte“ an der Neue Linner Straße oder der "Blaue Engel". Ein Viertel, das zum Miteinander und zur Vernetzung einlädt. Ein Viertel, in dem Anwohner und Kommune konstruktiv Hand in Hand arbeiten.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort