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Krefeld: Realschule erwartet erste Schüler zurück

Aus den Krefelder Schulen : Realschule erwartet erste Schüler zurück

Ab dem heutigen Montag gibt es das Angebot, dem Distanzunterricht in den Schulräumlichkeiten zu folgen. Da die Teilnahme freiwillig ist, befürchten Pädagogen, dass angesprochene Schüler trotz Bedarf nicht kommen.

Erneut wird die Flexibilität von Lehrern auf die Probe gestellt. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) forderte in ihrer Schulmail am Donnerstag dazu auf, Schülern, die mit dem Distanzlernen Schwierigkeiten haben, anzubieten, ab dem heutigen Montag dafür  die Räumlichkeiten und die technische Ausrüstung der Schule zu nutzen. So heißt es in dem Schreiben: „Ab dem 1. Februar 2021 erhalten Schülerinnen und Schüler aller Klassen und Jahrgangsstufen, die das Angebot des Distanzunterrichtes im häuslichen Umfeld ohne Begleitung nicht zielgerichtet wahrnehmen können, zur Wahrung der Chancengerechtigkeit die Möglichkeit, in der Schule am Distanzunterricht teilzunehmen.“ Wir fragten an Krefelder Schulen nach, wie viele Schüler angesprochen werden.

Relativ entspannt sieht die Situation an den Gymnasien aus. Nur wenige Schüler sind dort mit dem Distanzunterricht überfordert. Stefan Kleeberg vom Stadtpark Gymnasium in Uerdingen sagt: „Es sind vielleicht eine Handvoll, die angesprochen werden. Die hätten wir aber in jedem Fall kontaktiert, eine entsprechende Mail an alle Lehrer hatte Schulleiterin Frau Dr. Rinnen bereits zuvor verschickt.“

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Anders sieht die Situation an einigen Realschulen aus. Dort fehlt zum Teil sogar den Lehrern die fürs Distanzlernen erforderliche technische Ausrüstung und der überwiegende Teil der Schüler benutzt dafür ein Handy. „An unserer Schule sind Videokonferenzen technisch nicht möglich. Auch die zugesagten digitalen Endgeräte sind noch nicht angekommen. Wir stellen Aufgaben über eine Lernplattform ein, die von den meisten Schülern mit dem Handy abgerufen werden. Doch einige haben auch kein eigenes Handy“, berichtet Schulleiterin Ute Eißling-Schroers.

Sie schätzt, dass pro Klasse zwei bis drei Schüler betroffen sind, die nun von den Klassenlehrern angesprochen werden. Sollten alle kommen, muss die Schule noch am Wochenende ein Hygienekonzept für rund 90 Schüler erstellen, die dann in Kleingruppen unterteilt werden. „Diese Schüler müssen von Lehrern angeleitet werden. Anders geht es einfach nicht. Da müssen wir jetzt alle durch. Es gibt Berufsgruppen, die es weitaus härter trifft in dieser Zeit. Deshalb dürfen wir Lehrer uns nicht beklagen“, findet die Rektorin. Ägerlich ist aus ihrer Sicht jedoch, dass die Mail des Ministeriums die Schulen mal wieder sehr spät erreichte. „Wir hatten für den Distanzunterricht bis Mitte Februar schon alles fertig ausgearbeitet und mussten einen Teil jetzt wieder umschmeißen. Das ist unnötig“, findet sie, weist aber daraufhin, dass Entscheidungen in dieser Zeit natürlich generell immer schwierig seien.

Ob ab heute tatsächlich rund 90 Schüler das freiwillige Angebot nutzen, wird auch davon abhängen, ob sie generell Interesse am Unterricht haben. Das sehen Pädagogen schulformübergreifend durchaus kritisch. Zu oft haben sie erlebt, das technische Probleme nur vorgeschoben wurden, um sich dem Distanzlernen zu entziehen oder fehlende Aufgaben zu entschuldigen.

So merke man auch, je länger Unterricht in den heimischen vier Wänden stattfinde, dass die Bereitschaft, sich für Schule einzusetzen, bei vielen Kindern und Jugendlichen sinke, vor allem dann, wenn sie sich weitgehend selbst überlassen seien, weil Eltern beispielsweise arbeiten. Eigentlich sind genau sie diejenigen, die nun das Angebot der Schule nutzen sollten, um nicht den Anschluss zu verlieren. Doch auch da sind die Pädagogen skeptisch. Selbst wenn Eltern diese Lösung begrüßen, heiße es ja nicht,so ihre Einschätzung, dass Schüler auch wirklich kommen, wenn kein Erwachsener zu Hause ist, der sie schickt.

Und so könnte es tatsächlich passieren, dass sich Lehrer viel Mühe geben, um Distanzlernen in Schulräumlichkeiten zu ermöglichen, die auf die Schnelle ausgearbeiteten Konzepte aber gar keine Anwendung finden, weil deutlich weniger Jugendliche kommen als gedacht. Schließlich setzt das Angebot voraus, das Schüler lernen wollen – was aber eben nicht immer der Fall ist.