Krefeld: Projekt Anders Wohnen in Haus Esters

Ausstellung in Haus Esters : Kaffee trinken in Mies’ Gartenhaus

Das Projekt „Anders Wohnen“ in den Kunstmuseen geht weiter. Drei Künstler zeigen ab 7. Juli in den Gärten ihre Visionen vom Leben im 21. Jahrhundert. Dazu gehört ein Café, das dauerhaft bleibt.

Andrea Zittel hat sich sofort verliebt. Die 1965 in Kalifornien geborene Künstlerin gilt mit ihren portablen Wohnboxen als eine der wichtigen amerikanischen Künstlerinnen der Gegenwart. Als sie das Holzhaus sah, das so idyllisch zwischen den alten Bäumen im Garten von Haus Esters liegt, hat sie sich sofort auf den Ort und seine Geschichte eingelassen. Für das Sommerhaus in den von Ludwig Mies van der Rohe konzipierten Gärten hat sie eine Einrichtung geschaffen, die es zu einem Kunstobjekt macht, das gleichzeitig eine Funktion erfüllt: Von freitags bis sonntags wird es künftig zum Café, in dem Museumsbesucher einen ruhigen Rückzugsort finden – und dazu ein Getränk oder einen kleinen Imbiss nehmen können.

„Wir sind sehr froh, dass wir Andrea Zittel dafür gewonnen haben und die Familie Melcher das Projekt unterstützt“, sagt Museumsleiterin Katia Baudin, denn das Kunst-Café bleibt auch nach der Ausstellung, es ist Teil des Skulpturenparks – die erste Position einer Frau.

Entwickelt wurde es für das Bauhaus-Jahresthema „Anders Wohnen“, das wie ein Theaterstück mit neuen Arbeiten fortgeschrieben wird. „Akt 2“ hat das Thema Mobilität und wird am Sonntag, 7. Juli, eröffnet. Die Amerikanerin Zittel, der Franzose Didier Fiúza Faustino und der Düsseldorfer Andreas Schmitten zeigen in den Gärten ihre Positionen zu Utopien und Dystopien über das Leben und Wohnen im 21. Jahrhundert.

Zittel sieht die Welt als Zusammenspiel unterschiedlicher Flächen, die horizontal und vertikal zusammenspielen: Wände bilden Räume, die beengen oder behüten können, Stoffe sind Flächen, die als Decke oder Teppich dienen und zum sozialen Ort werden, sobald sich beispielsweise eine Picknickgruppe darauf trifft. Mit Holz und Textil hat Zittel Hocker, Tische und einen Teppich, der zur Bank wird, gestaltet: ein modulares System, dessen Erdfarben wunderbar zum Backsteinrot der Villen und zur Richard-Serra-Skulptur im Garten passen. Das Häuschen, das von innen viel größer wirkt, als es das Äußere vermuten lässt, wird zu einem mediativen Ort, verwunschen und zugleich minimalistisch funktional, an dem die Mies-Idee vom Wechselspiel des Drinnen und Draußen körperlich erfahrbar wird.

Mit den Bezügen von Natur und Architektur arbeitet auch Didier Fiúza Faustino. Der 51-Jährige lebt in Paris und ist ausgebildeter Architekt. Das ist in seinen künstlerischen Arbeiten spürbar. Er hat Feldbetten kreuzförmig zusammengesetzt. Sie sollen an Orientierungspunkte auf einer Landkarte erinnern und bilden eine Linie mit Faustinos Installation im Haus Lange. Dort hat er aus Decken zahlreicher Fluggesellschaften eine Gasse gebaut, durch die der Besucher auf den Schriftzug „Global Warming“ am Fenster zuschreitet. Die Decken scheinen individuell, weil sich alle unterscheiden, doch jede ist Teil einer Massenproduktion. Mobilität sieht Faustino als mehrschneidiges Schwert: Der Flugverkehr brummt und ist eine Ursache für die Klimaerwärmung, gleichzeitig ist der Klimawandel in vielen Ländern zur Fluchtursache geworden, sagt er.

Die Rutschbahn von Andreas Schmitten ist Kunst – absolut unbespielbar. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
Das Holzhaus im Garten von Haus Esters wurde 1923 aufgestellt; es ist ein Fertighaus aus den Deutschen Werkstätten Hellerau. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Vor der Villa präsentiert Andreas Schmitten eine Szenerie wie nach einem Sturm: ein zerfetzter Sonnenschirm, ramponierte Bistrostühle, eine kaputte, nicht benutzbare Rutsche. Es sind Details seiner Modelle von Haus Esters und Haus Lange als in die Jahre gekommene, abgenutzte Immobilien, die durch die Eiscremefarben einer 50er-Jahre-Rimini-Kulisse eine ironische Ebene bekommen. Was auf dem Rasen in Originalgröße aus Aluminium gefertigt ist, ist in der Villa als Modell zu sehen.