Krefeld: Krefeld profitiert vom Pakt

Krefeld : Krefeld profitiert vom Pakt

Chempark-Leiter Stefan Dresely weist im Gespräch mit unserer Zeitung die Kritik der Politiker an der Zusammenarbeit mit dem Duisburger Hafen zurück. Die Stadt Krefeld sei Nutznießer der Kooperation.

Krefelds Politiker haben verärgert über Ihre Ankündigung reagiert, ausgerechnet mit dem Duisburger Hafen bei Logistikdienstleistungen kooperieren zu wollen . . .

Dresely Ja, diese Reaktion habe ich auch mit Verwunderung und Überraschung zur Kenntnis genommen.

So verwunderlich ist der Ärger der Politiker doch nicht. Krefeld hat selbst einen Hafen, und das Duisburger Terminal an der Stadtgrenze zu Krefeld lehnte der Stadtrat schon vor Wochen ab, weil zahlreiche negative Auswirkungen befürchtet werden — unter anderem mehr Lkw-Verkehr.

Dresely Unsere Zusammenarbeit mit dem Duisburger Hafen ist überhaupt nicht gegen Krefeld gerichtet. Im Gegenteil: Krefeld profitiert von unserer Kooperation mit "duisport"! Der Chempark Krefeld-Uerdingen wird attraktiver für neue Firmen und auch für die bereits produzierenden Unternehmen im Chempark bringt diese Lösung wirtschaftliche Vorteile. Bislang haben wir als einziger der drei Chempark-Standorte keine Anbindung an ein Containerterminal. Ein gewichtiger Standortnachteil. Bald können die Firmen auch Container nutzen. Das macht den Standort für neue Unternehmen interessanter.

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Das ist Zukunftsmusik. Welche positiven Auswirkungen hat die Zusammenarbeit denn ganz konkret?

Dresely Zurzeit verlassen pro Monat rund 10 000 Lkw mit fertigen Produkten den Chempark Krefeld-Uerdingen. Wenn das Terminal in Betrieb genommen wird, wird mehr und mehr unseres Warenverkehrs auf die Schiene verlagert. Das bedeutet: Lkw-Verkehre durch Uerdingen nehmen ab und die CO2-Bilanz des Transports verbessert sich. Bayer Material Science hat unlängst eine Investition von rund 90 Millionen Euro im Chempark angekündigt. Die Produktionskapazität wird von 330 000 Tonnen auf 400 000 Tonnen jährlich ausgedehnt. Die Anlieferung der Materialien erfolgt übrigens über den Rheinhafen Krefeld. Damit profitiert er also direkt von den Investitionen.

Die Politiker sind enttäuscht, dass der Rheinhafen Krefeld keine Chance bekommen hat, die Container aus dem Chempark zu transportieren.

Dresely Vielleicht erkläre ich die Situation noch einmal etwas deutlicher: Es gibt keine nutzbaren Gleise vom Chempark zum Hafen. Also hätten die Container per Seitenlader auf Lkw geladen werden müssen, dann über Krefelder Straßen zum Hafen und dort dann auf die Schiene. Das hätte mehr Zeit und Geld gekostet und mehr Autoverkehr gebracht. Der extreme Vorteil des Duisburger Hafens ist seine Nähe zu unserem Chempark. Mit einem speziellen Containerfahrzeug können wir hier, quasi werksintern, die Container zum Terminal bringen, ohne über öffentliche Straßen fahren zu müssen. Dies kann uns der Rheinhafen einfach nicht bieten, da er räumlich einfach nicht an unseren Werksgrenzen liegt.

Der Rheinhafen nannte es einen "unfreundlichen Akt", dass der Chempark dem Duisburger Hafen auf seinem Gelände Ausweichfläche verschafft.

Dresely Es ist richtig, dass der Duisburger Hafen diese Gleise mit nutzen darf. Diese Fläche ist gerade mal sieben Hektar groß. Ich weiß nicht, was von uns erwartet wird: Wir haben da ein Gelände — und das sollen wir nicht vermarkten dürfen?

Die Grünen haben die Befürchtung geäußert: Der Duisburg-Pakt ist ein Vorzeichen, dass die Kohle fürs geplante Steinkohlekraftwerk vom Duisburger Hafen über die Schiene angeliefert wird — statt über einen neuen Anleger des Krefelder Hafens vor dem Chempark.

Dresely Da kann ich Entwarnung geben. Wenn das Kraftwerk kommt, kommt die Kohle per Schiff. Die wird nicht in Containern angeliefert.

Krefelds Kritikpunkt am Duisburger Containerterminal Hohenbudberg bleibt aber: Duisport-Chef Staake hat mehrfach bekräftigt, dass die Lkw vom und zum Terminal über Krefelder Stadtgebiet fahren sollen.

Dresely Die Frage der Anbindung des "duisport"-Terminals ans öffentliche Straßennetz ist in erster Linie eine Frage, die nur "duisport" beantworten kann. Ich sehe jedoch keinen stärkeren Lkw-Verkehr auf Krefelder Stadtgebiet; im Gegenteil! Durch die Kooperation bringen wir zukünftig mehr Container auf die Schiene und entlasten so den Straßenverkehr in unserer Nachbarschaft.

Wie wollen Sie die Verstimmungen mit Krefelds Politikern jetzt ausräumen?

Dresely Ich habe die Fraktionen bereits in der vergangenen Woche über unsere Zusammenarbeit informiert. Geplant sind nun neue Besuche, um eventuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

Martin Röse führte das Gespräch

(RP)
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