Krefeld: Premiere von Räuber Hotzenplotz im Theater

Premiere im Stadttheater : Die Suche nach Räuber Hotzenplotz begann im Foyer

Dass nicht alles Gold ist was glänzt, muss Hotzenplotz erfahren, als Kasperl und Seppel ihm eine Falle stellen.

Seit Jahrzehnten hat er Klassiker-Status: der Räuber Hotzenplotz von Otfried Preußler. Der erste Band über den unverschämten dreisten Räuber ist nun als Kinderoper zu sehen – das Premierenpublikum fieberte voller Begeisterung mit. Als Zugabe verteilten die Darsteller im Foyer Unterschriften und standen den Kindern Rede und Antwort – von Anfang an lag ein bisschen Fankult um den berüchtigten Räuber Hotzenplotz in der Luft.

Der schwarze Schlapphut sitzt ihm tief im Gesicht, sein Bart ist struppig und in seiner rechten Hand trägt er eine Pistole: im Foyer des Theater Krefeld hat die Suche nach Räuber Hotzenplotz längst begonnen. Während Wachtmeister Dimpfelmoser eilig Steckbriefe an das junge Publikum austeilt, schleicht Hotzenplotz an dem tumben Polizisten vorbei, auch Kasperl und Seppel sind ins Foyer gekommen und die Jagd auf den polternden Halunken ist eröffnet. Mit diesem unterhaltsamen Intro sind die Zuschauer sofort mittendrin in der Erzählung um den beliebten Berufsräuber mit den sieben Messern.

Hotzenplotz (charmant dreist Matthias Wippich) schreckt vor nichts zurück, nicht mal die Kaffeemühle der alten Großmutter ist vor ihm sicher, kurzerhand reißt er das gute Stück an sich und versetzt der alten Dame solch einen Schreck, dass sie in Ohnmacht fällt. Auch die Musiker und der Dirigent nimmt Hotzenplotz ins Visier: „Hände hoch und Flöte her, da hinten gibt’s noch mehr“ singt Hotzenplotz, geht zum Orchestergraben und greift nach dem Dirigentenstock. Aus der ersten Reihe wandern Taschen und Trinkflaschen in seinen großen Schnappsack. Doch die Räuberei, verrät Hotzenplotz, ist ein hartes Geschäft: „Ich stehe stets früh morgens auf und schaue nach meiner Beute aus.“

Dass nicht alles Gold ist, was glänzt muss Hotzenplotz erfahren, als Kasperl (sehr spielfreudig und clever Alexander Kalina) und Seppel (einfühlsam Woongyi Lee) ihm eine Falle stellen. Doch so mir nichts- dir nichts lassen sich Räuber nicht an der Nase herumführen, schon gar nicht von Hobby-Kriminalisten, wie Kasperl und Seppel. Inzwischen hat sich die Szenerie in einen richtig unheimlichen Räuberwald verwandelt. Hotzenplotz wird sich rächen, so viel ist klar, denn „Räuber sind oft gar nicht so dumm, wie sie aussehen.“

Es hilft ungemein, wenn man die Buchvorlage von Otfried Preussler im Kopf hat, denn die Geschichte ist ganz schön verzwickt und das Erzähltempo entsprechend schnell. Dass die Liedtexte der Sänger nicht immer klar zu verstehen sind, störte die jungen Zuschauer nicht weiter. Den Räubersong konnten einige von ihnen sogar mitsingen, denn im Vorfeld der Inszenierung fand ein kleiner Theaterworkshop statt, der die Kinder spielerisch auf das Stück vorbereitete. Und was sich das ein oder andere Mal auf der Textebene nicht erschließt, transportiert die Bildebene umso deutlicher. Großartig sind die schnellen Bühnenumbauten (Bühne und Kostüm: Heiko Mönnich): aus der Rückseite von Großmutters Gartenzaun wird kurzerhand das Spuckschloss des bösen Zauberers Petrosilius Zwackelmann (herrlich kauzig Markus Heinrich in einer Doppelrolle).

Unter Freunden hilft man sich und so bringt Hotzenplotz Kasperl als Seppel getarnt in das Schloss, das Versteck- und Verwechslungsspiel nimmt seinen Lauf. Und obwohl „der große Zauberer aus Dreck Gold machen konnte, […] war es ihm trotz vieler Mühe noch nie gelungen, Kartoffeln die Schale herunter zu zaubern.“ Da kam ihm Kasperl als „dumme Hilfsperson“ genau richtig. Das Publikum ist begeistert von den coolen Zaubertricks Zwackelmanns und spätestens als der alte Magier fliegend sein Schloss verlässt, sind viele nicht mehr auf ihren Sitzen zu halten. Doch was wäre die märchenhaft-beseelte Geschichte ohne die gute Fee Amaryllis? Sie teilt ihr Leid und gleichzeitig ihr Wissen mit Kasperl, durch sie bekommt die Geschichte einen wichtigen Wendepunkt: ihre Befreiung können sie nur zusammen erreichen, nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“, siegen List und Klugheit über Macht und Dummheit. Und obwohl die Szenen rasch wechseln, lässt die Regisseurin Katja Bening allen sieben Figuren reichlich Raum sich zu entfalten – sowohl Einzel- als auch Ensemblegesang sind stimmlich wunderschön umgesetzt (Libretto Jörg Schade, musikalische Leitung Karsten Seefing). Die Musik für Kammerorchester (Holz- und Blechbläser, Schlagzeug, Akkordeon und Klavier) stammt aus der Feder des Komponisten und Musikpädagogen Andreas Tarkmann. Sie ist lebendig und äußerst vielschichtig – an manchen Stellen jedoch lauter als der Gesang.

Weitere Termine So, 15.12., 11 Uhr, Mi, 25.12., 15 Uhr sowie zahlreiche Schulvorstellungen im Dezember 2019.