Krefeld: Polizist wurde  gewürgt - Gericht sieht keine Tötungsabsicht

Krefeld : Polizist wurde  gewürgt: Gericht sieht keine Tötungsabsicht

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt: Beim Versuch einer Festnahme hat ein Mann einen Polizisten so gewürgt, dass der Beamte Todesangst hatte. Tötungsabsicht oder nicht? Das Krefelder Landgericht sagt: Nein.

(BL) Der 33-Jährige, der im Mai in einer Gaststätte einen Polizisten gewürgt hat, muss nicht wegen versuchten Totschlags ins Gefängnis. In Haft bleibt er dennoch, das Landgericht hat ihn unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Mit der Gesamtstrafe von einem Jahr und neun Monaten lag die Strafkammer weit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre Haft wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Urkundenfälschung beantragt. Das Gericht dagegen ging nicht von einem Vorsatz des Angeklagten aus, den Beamten zu töten.

Im Mai vergangenen Jahres hatte sich der Angeklagte mit aller Gewalt dagegen gewehrt,  die Beamten zur Wache zu begleiten. Bei der Ausweiskontrolle war er in einer Gaststätte auf der Breite Straße  mit einem gefälschten italienischen Ausweis aufgefallen. Um sich der Festnahme zu entziehen, schlug und trat er um sich. Wie seine Verteidigerin sagte, habe der Mann möglicherweise etwas gegriffen, das könne auch der Gurt der Tasche gewesen sein. Er habe den Gegner aber nicht bewusst stranguliert.

Der Staatsanwalt ging davon aus, dass der 33-Jährige wusste, was er tat und den Tod seines Opfers billigend in Kauf nahm. „Strangulation ist eine besonders gefährliche Gewalthandlung”, sagte er. Es gebe massive Drosselmale am Hals des 55-Jährigen. „Man unterschätzt den Angeklagten, wenn man ihn hier sieht”, führte er weiter aus. Er wisse seine Kräfte aufgrund von Kampfsport einzusetzen und habe den Beamten „ausschalten” wollen. Durch einen Tritt in die Kniekehle habe er seinen Gegner am Boden gehalten und mit beiden Händen am Gurt gezogen. Auch die psychischen Folgen für das Opfer müsse man berücksichtigen.

Die Verteidigerin betonte, dass es zu keiner Zeit einen Tatentschluss gab. Der Mann habe gar nicht gesehen, dass der Gurt am Hals des Polizeibeamten war. Man müsse auch berücksichtigen, dass er selber verletzt wurde. Sie beantragte eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren.

 Für eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags benötige man eine äußerst gefährliche Gewalthandlung, wie  einen Messerstich in die Herzgegend, erklärte das Gericht. Auch sei der Zeitraum des Drosselns nicht klar. Die Kammer gehe vielmehr davon aus, dass der Angeklagte vom Opfer  freiwillig abgelassen hätte, wenn es bewusstlos geworden wäre. Der 55-Jährige sei indes „nicht in die Nähe einer Bewusstlosigkeit gekommen”. Es handele sich um eine spontane und unreflektierte Tat.

Der Richter stützte sich auch auf die Ausführungen des Sachverständigen. Der hatte von einer potentiell lebensbedrohlichen Behandlung gesprochen. Eine akut lebensbedrohliche Situation verneinte er. Dass der Beamte sich doch noch befreien konnte, sei möglicherweise auch seiner guten körperlichen Verfassung zuzuschreiben. Dem 55-Jährigen war es gelungen, nach einem Schlagstock zu greifen und dem Angeklagten auf den Fuß zu schlagen. So konnte er seinem Kollegen helfen, den Mann zu überwältigen.

Die Angriffe auf Polizisten werden aggressiver. Die Grafik zeigt die Bilanz der Polizei Krefeld für 2018. Foto: Polizei Krefeld

Die Strafe wurde nicht zur Bewährung ausgesetzt. Dafür benötige man besondere Umstände, führte der Richter aus. Der Täter hat allerdings schon in mehreren Ländern Straftaten begangen. In Österreich wurde er per Haftbefehl gesucht. In Deutschland war er noch nicht vorbestraft.

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