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Krefeld: Polizei und Stadt wollen kriminelle „Karrieren“ im Keim ersticken​

Initiative „Kurve kriegen“ in Krefeld : Polizei und Stadt wollen kriminelle „Karrieren“ im Keim ersticken

Ein Intensivtäter verursacht im Durchschnitt bis zu seinem 25. Lebensjahr 1,7 Millionen Euro soziale Folgekosten, die von der Gesellschaft getragen werden müssen.

Es beginnt oft mit Schule schwänzen, dann kommt vielleicht Sachbeschädigung dazu und irgendwann folgen schwerwiegende Straftaten wie Raub oder das Abrutschen in die Drogenkriminalität. Was also relativ harmlos anfängt, endet fatal. Und genau das versucht die Initiative „Kurve kriegen“ des nordrhein-westfälischen Innenministeriums zu verhindern – mit Erfolg. In Krefeld gibt es die Initiative nun seit einem Jahr. Jetzt kamen die Kooperationspartner, bestehend aus Vertretern von Polizei, Stadt, Ministerium sowie der Diakonie  zur Vertragsunterzeichnung im Polizeipräsidium zusammen.

 Christopher Ursuleack vom  Innenministerium NRW  zeigt die lange Liste an Vorstrafen durch Intensivtäter und das Blatt des Programms „Kurve kriegen“.
Christopher Ursuleack vom Innenministerium NRW zeigt die lange Liste an Vorstrafen durch Intensivtäter und das Blatt des Programms „Kurve kriegen“. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Wie das auch landesweit der Fall ist, arbeiten in Krefeld bei der Initiative „Kurve kriegen“  Polizei und Jugendhilfe Seite an Seite, um kriminelle „Karrieren“ im Keim zu ersticken. „Wichtig ist es hinzuschauen“, erklärt Krefelds Polizeipräsidentin Ursula Mecklenbrauck und Melanie Gommans, Kriminalhauptkommissarin und polizeiliche Ansprechpartnerin bei „Kurve kriegen“ erläutert, wie das Team der Initiative konkret vorgeht: „Nehmen wir an, ein zwölfjähriger Junge, nennen wir ins Max, fällt auf, weil er eine Sachbeschädigung begangen hat  und deshalb angezeigt wird“, führt Gommans aus. In dem Fall erforsche sie zunächst den Hintergrund des Kindes, rufe zum Beispiel beim Jugendamt an, um sich zu erkundigen, ob der Zwölfjährige hier schon bekannt sei. „Dabei könnte dann herauskommen, dass er einen sogenannten Familienmanager hat und der würde mir wiederum weitere interessante Informationen über den Jungen und seinen Hintergrund geben“, meint Gommans. Nach solchen Gesprächen – auch Lehrer werden in der Regel befragt –  berate das Team von „Kurve kriegen“ schließlich, ob das Kind oder der Jugendliche ein geeigneter Kandidat für die Initiative sei.

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„Wenn das der Fall ist, kontaktiere ich den Erziehungsberechtigten, schildere ihm oder ihr die Situation und warne davor, dass hier ein Intensivtäter heranwachsen könnte“, ergänzt Gommans. Die Reaktionen auf solche Gespräche seien unterschiedlich, sie reichten von höchst positiv bis ablehnend. Aber meistens würden Eltern oder Alleinerziehende schließlich doch der Teilnahme an dem Programm zustimmen. Letzteres werde dann auf jeden Teilnehmer individuell abgestimmt. „Wichtig ist, dass die Kinder oder Jugendlichen motiviert sind und sich Ziele setzen“, erklärt die pädagogische Fachkraft Regina Frese vom Krefelder Kurve-kriegen-Team. Wöchentlich würden Einzel-Gespräche mit den Teilnehmern – in Krefeld sind es derzeit sechs Jungen – geführt, die, je nach Bedarf, mal kurz, mal länger und intensiv, ausfielen. Hinzu kämen Angebote wie Anti-Gewalt-Training oder Elemente aus der Erlebnispädagogik „von Klettern bis Gokart-Fahren“.

Die Arbeit mit einem Teilnehmer von „Kurve kriegen“ kostet rund 11.000 Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Ein Intensivtäter verursacht im Durchschnitt bis zu seinem 25. Lebensjahr 1,7 Millionen Euro soziale Folgekosten, die von der Gesellschaft getragen werden müssen. Zudem hinterlässt er in der Regel rund 100 Opfer. Die Präventionsrendite beträgt indes 1:3 im Minimum. Das bedeutet: Für jeden eingesetzten Euro spart die Gesellschaft mindestens drei Euro soziale Folgekosten.