Krefeld: Polizei greift bei Handy am Steuer durch

Krefeld : Polizei greift bei Handy am Steuer durch

"Wir stellen verstärkt fest, dass Autofahrer durch das Tippen auf dem Handy oder Navi abgelenkt sind", so Polizeirat Holger Klein, Leiter der Direktion Verkehr, bei der Vorstellung der Krefelder Verkehrsunfallentwicklung 2016.

Immer mehr Autofahrer in Krefeld sind ein ernsthaftes Verkehrsrisiko, weil sie während der Fahrt auf dem Smartphone lesen, tippen oder mit dem Gerät aktiv telefonieren. Das Tippen erhöht nach Aussage von Verkehrsexperten die Unfallgefahr um das Sechs- bis Zwölffache. "Wir stellen verstärkt fest, dass Autofahrer durch das Tippen auf dem Handy oder Navi abgelenkt sind", sagt Polizeirat Holger Klein, Leiter der Direktion Verkehr, bei der Vorstellung der Krefelder Verkehrsunfallentwicklung 2016. Wer eine Textnachricht während der Fahrt beantwortet, sei genauso abgelenkt wie ein Fahrer, der mit 1,1 Promille Alkohol im Blut ein Auto steuert. Klein hält die Polizei-Erfassung allerdings für lückenhaft: "Die Dunkelziffer der Handynutzer am Steuer ist groß. Das ist daher ein Punkt, bei dem wir die Kontrollen in diesem Jahr deutlich verstärken werden." Die Krefelder Polizei will dabei unter anderem mit "verdeckten Kräften" agieren.

Leiter der Krefelder Direktion Verkehr: Polizeirat Holger Klein. Foto: jon

"Ablenkung im Straßenverkehr" heißt bei der Polizei die Rubrik, unter der auch die verbotene Handynutzung abgespeichert wird. "Wir reden hier über kein Kavaliersdelikt", so Klein. Derzeit wird die verbotene Nutzung mit einem Punkt in Flensburg und 60 Euro Geldbuße bestraft. Die steigende Unfallgefahr ist jedoch auf politischer Ebene bekannt. "Es ist in der Diskussion, ob nicht sogar ein Führerscheinentzug möglich sein sollte", sagt der Polizeirat. Wer beim Fahren telefoniere oder eine SMS schreibe, riskiere das eigene und fremde Leben. In diese Richtung ermittelt - nach einem tödlichen Unfall vor wenigen Wochen - derzeit die Krefelder Staatsanwaltschaft.

Beim Blick auf die Anzahl aller Verkehrsunfälle in Krefeld im vergangenen Jahr ist die Tendenz positiv. 8278 Unfälle (2015: 8460) zählte die Polizei insgesamt, bei 91 Prozent oder 7558 Fällen (2015: 7746) blieb es bei reinen Sachschäden. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden stieg um sechs auf 720. Vier Todesfälle gab es auf den Krefelder Straßen im vergangenen Jahr zu beklagen, drei weniger als 2015. Die Zahl der Schwerverletzen - Personen, die stationär ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten - blieb mit 123 (2015: 124) fast konstant, das gilt auch für die 593 Leichtverletzten (2015: 583). Positiv war auch der Trend bei verunglückten Kindern, 78 (-10) und jungen Erwachsenen 112 (-21). Nur die Gruppe der über 65-Jährigen stieg bei den Verunglückten leicht um zwei auf 140 Personen an.

Sorge bereitet der Polizei die steigende Zahl der Verletzten im Pkw (363). "Hier macht sich das verstärkte Handynutzen bemerkbar", so Klein. Im Gegensatz dazu gibt es sinkende Zahlen bei Radfahrern (258), Fußgängern (124) und motorisierten Zweirädern (77). Übrigens: Die meisten Unfälle mit Verletzten passieren beim Abbiegen und Wenden (330) sowie Problemen bei der Vorfahrt (230). In 84 Fällen war Alkohol, in 29 Fällen Drogen beim Fahrer der Grund für Unfälle. Ebenfalls kritisch sieht die Polizei die Entwicklung bei der Verkehrsunfallflucht. "Hierbei handelt es sich um Straftaten", erinnert Klein. 1700 Mal flüchtete 2016 der Fahrer, in 1614 Fällen nach Sach-, in 86 Fällen nach Personenschäden. Dabei wird in 72 Prozent der Fälle die Unfallflucht nach Personenschäden aufgeklärt, bei Unfällen mit Sachschäden liegt die Quote bei 45 Prozent. Die Kripo setzt hier verstärkt auf die Unterstützung durch die Bürger. "Wer eine Unfallflucht sieht, soll sofort die 110 wählen", rät Klein. Der Polizeirat weiß, die Spurensicherung durch seine Kollegen wird immer besser: "Jeder Verkehrsunfallort ist auch ein Tatort."

(RP)
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