Krefeld Pinguine: Fans kämpfen fürs Eishockey in Krefeld

Demo in Krefeld : Fans kämpfen fürs Eishockey in Krefeld

Rund 700 Anhänger der Krefeld Pinguine zogen am Sonntag vom Rathaus zur Yayla-Arena, wo das Heimspiel gegen Augsburg stattfand. Sie forderten die Gesellschafter der GmbH auf, die Zukunft des DEL-Standortes zu sichern.

Dem Krefelder Profi-Eishockey droht zum dritten Mal in seiner Geschichte das Aus. Die Krefeld Pinguine sind von der Insolvenz bedroht, weil die Gesellschafter zerstritten sind. Am Sonntag starteten die KEV-Fans auf dem Rathausplatz unter dem Motto „Krefeld muss bleiben“ einen Demonstrationszug zur Rettung der Pinguine. Rund 700 Menschen zogen nach Polizeiangaben vor dem Heimspiel gegen Augsburg zur Yayla-Arena. Auch mit Offenen Briefen appellierten in der Vorwoche die Pinguine Supporters und einige KEV-Legenden, darunter Ehrenkapitän Uwe Fabig, Christian Ehrhoff und Karel Lang, an Politik und Wirtschaft, den DEL-Standort zu retten. Am Dienstag ist die entscheidende Sitzung der Gesellschafter-Versammlung der KEV Pinguine Eishockey GmbH. Wenn dort kein Durchbruch gelingt, muss Geschäftsführer Matthias Roos vielleicht schon vor Weihnachten die Insolvenz beantragen.

Damit würde in der Stadt eine mehr als 80-jährige Tradition enden. Seit 1936, als die Rheinlandhalle eröffnet und kurz darauf der KEV gegründet wurde, ist die schnellste Mannschaftssportart der Welt ein Markenzeichen und ein Aushängeschild der Stadt. Es gab Höhen und Tiefen. Aber wegen seiner Mischung aus Titeln und Tränen ist das Eishockey mit viel schwarz-gelbem Herzblut ein besonderer Liebling der Menschen in Krefeld. 1951 feierte der KTSV Preussen die Deutsche Meisterschaft, ein Jahr später der KEV. 1955 fand an der Westparkstraße die Weltmeisterschaft statt. 2003 feierten die Krefeld Pinguine die Deutsche  Meisterschaft. Damals pilgerten am Ostermontag weit über 20.000 Menschen zum Theaterplatz und feierten die Mannschaft.

Jetzt steht das Krefelder Eishockey zum dritten Mal vor dem Ende. 1978 kam das Aus des KEV 1936, der sich nach einer Pleite aus der Bundesliga zurückziehen musste. Es wurde der EHC Krefeld gegründet, der in der Landesliga begann und 1981  die Namensrechte des KEV erhielt, nachdem der frühere Vorsitzende Paul Hotstegs die Lizenzrechte für den Namen zurück gekauft hatte.

Aktuell droht den Pinguinen mehr denn je zuvor das Aus in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), deren Gründungsmitglied sie sind. Bereits 1995 und 2010 hatte Ex-Aufsichtsratsmitglied Wilfrid Fabel die Pinguine vor dem finanziellen Kollaps bewahrt. 1995 wurde die Lizenzspiel-
abteilung unter seiner Führung in eine GmbH ausgegliedert; 2010 hatte er mit dafür gesorgt, dass die damaligen Gesellschafter ihr Einlagekapital erhöhten und dadurch die Insolvenz verhinderten.

Woher kommt nun erneut die drohende Insolvenz? Mikhail Ponomarev, der neue Gesellschafter der KEV Pinguine Eishockey GmbH, soll seine finanziellen Zusagen nicht eingehalten haben, und das auch schon in der Vorsaison. Insgesamt soll der Unternehmer und Präsident des KFC Uerdingen bei den Pinguinen mit knapp einer Million Euro in der Kreide stehen. Für einen Club, der sowieso schon mit einem in der Branche als eng geltenden Etat (fünf Millionen Euro) auskommen muss, ist das ein tödliches Szenario. Daher ging Geschäftsführer Matthias Roos in die Offensive und an die Öffentlichkeit: „Leider kommt Mikhail Ponomarev seinen Verpflichtungen und Zusagen gegenüber der KEV Pinguine Eishockey GmbH seit Monaten nicht nach. Grundsätzlich habe ich kein Interesse mit einem Gesellschafter zu arbeiten, der ein derart respektloses Verhalten an den Tag legt und an Unzuverlässigkeit kaum mehr zu überbieten ist. Herr Ponomarev gefährdet damit die Zukunft des DEL-Standorts Krefeld erheblich“, verlautete Roos vor Wochen.

Ponomarev nahm zu den Vorwürfen keine Stellung. Ob er am Dienstag zur Gesellschafter-Versammlung kommt, ist fraglich. Es wird damit gerechnet, dass er seinen Anwalt schickt. Der KFC-Boss übernahm im Januar 46 Prozent der GmbH-Anteile und zahlte dafür 345.000 Euro. 48 Prozent gehören dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Schulz, der Ponomarev im September 2018 mit ins Boot geholt und sich davon eine sicherere Zukunft des DEL-Standortes erhofft hatte. Seit Januar herrscht zwischen beiden Funkstille. Schulz will seine Anteile abgeben, angeblich gab es eine Einigung mit dem Krefelder Unternehmer Gerald Wagener. Der wollte, so hieß es,  auch Ponomarevs Anteile übernehmen. Die Verhandlungen scheiterten aber. Seitdem ist das Thema für Wagener erledigt, zumindest so lange der russische Unternehmer der GmbH angehört.

Unternehmer Gerald Wagener gilt als Kandidat für die Anteilsübernahme. Foto: Thomas Lammertz/Lammertz Thomas
Mikhail Ponomarev soll seine Anteile abgeben. Foto: Stefan Brauer

Es ist schwer einzuschätzen, mit welchem Ergebnis am Dienstag gerechnet werden kann. „Wenn wir bei der Gesellschafterversammlung keine Lösung finden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass wir in der Saison 2020/21 noch in der DEL spielen“, sagt Roos, der keine Tendenz sieht, in welche Richtung es gehen könnte. „Ich weiß nicht, was Herr Ponomarev vorhat. Wenn wir Insolvenz anmelden müssen, sind seine Anteile im Wert von 345.000 Euro weg. Er hätte sie verkaufen können, hat das aber nicht getan.“ Ein wichtiger Punkt der Tagesordnung ist eine Verdoppelung des Stammkapitals (bisher 750.000 Euro). Mit den frischen liquiden Mitteln wäre wenigstens die laufende Saison gesichert.