Krefeld: Pedelec-Fahrer klagt über gefährliche Straßen

Verkehr in Krefeld : Pedelec-Fahrer: „Straßen hier sind lebensgefährlich“

Klaus Armonies fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit. Seit er ein E-Bike nutzt, muss der 64-Jährige auf die Straße, weil die schnellen S-Pedelecs nicht auf den Radweg dürfen. Drei Mal fuhren Autofahrer ihn um. Jetzt appelliert er an die Stadt.

Drei Mal schon nahmen Autofahrer Klaus Armonies die Vorfahrt, drei Mal krachte es und drei Mal stürzte der heute 64-Jährige von seinem Rad. Die Fälle sind Jahre her, aber ein viertes Mal möchte Armonies nicht auf dem Asphalt landen. Doch gerade in den vergangenen Wochen ist seine Angst gewachsen. „Es gibt Straßen in Krefeld, auf denen das Fahren auf einem S-Pedelec lebensgefährlich ist“, sagt er. S-Pedelecs sind schnellere E-Bikes, die bis zu 45 Kilometer pro Stunde fahren können. Besonders schlimm sei das Radfahren für ihn auf der Berliner und Düsseldorfer Straße, erzählt Armonies. „Dort hat mich vor kurzem sogar ein Fahrschüler abgedrängt, und der Fahrlehrer wollte mir erklären, dass ich doch gefälligst nicht auf der Straße fahren soll.“

Armonies wohnt in Fischeln und fährt seit 25 Jahren jeden Tag mit seinem S-Pedelec nach Moers zur Arbeit – 22 Kilometer hin und die gleiche Strecke abends wieder zurück. Im Gegensatz zu normalen Pedelecs, die höchstens 25 Kilometer pro Stunde schaffen, dürfen S-Pedelecs nicht auf dem Radweg fahren, weil sie zu schnell sind. Also muss Armonies auf die Straße – theoretisch. Oftmals meidet er aber die viel befahrenen Hauptverkehrsadern und fährt trotzdem auf dem Radweg. „Die Autofahrer erkennen mich nicht als Fahrzeug, das auf der Straße fahren muss. Nutze ich die Straße, begebe ich mich in Gefahr, das ist ganz einfach.“

Die drei Unfälle – ernsthaft verletzt hat sich Armonies übrigens nie – geben dem 64-Jährigen recht. Und oft entging er nur knapp weiteren Stürzen, und das alles, weil Autofahrer ihm ständig die Vorfahrt nehmen oder ihn gefährlich scharf überholen. „Die zeigen Ihren Unmut mit Hupen, Schneiden oder Ausbremsen“, sagt Armonies. Das Verbot findet er überflüssig, denn mit 45 könne man gar nicht über einen Radweg brettern und außerdem gelte ja auch dort, wie überall, das Gebot der angepassten Fahrweise.

Dem 64-Jährigen ist klar: S-Pedelecs müssen in ganz Deutschland auf der Straße fahren, da wird auch in Krefeld keine Ausnahme gemacht.  Trotzdem erhofft er sich Hilfe von der Stadt. „Es muss Gespräche geben, und wir müssen auf der Straße ernst genommen werden“, sagt Armonies. „Irgendetwas muss passieren.“ Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt die Stadt, es sei nicht bekannt, dass es einen Unfallschwerpunkt mit S-Pedelecs gebe. „Sollte es Auffälligkeiten bei Unfällen mit S-Pedelec geben, wird sich die Unfallkommission damit auseinandersetzen“, sagt ein Sprecher. Dass die schnelleren E-Bikes in Zukunft auf dem Radweg fahren dürfen, sei ausgeschlossen.

Armonies stört noch mehr. Selbst die Radwege, die er verbotenerweise nutzt, seien in schlechtem Zustand, klagt er. „An vielen Radwegen ragen dornige Zweige in die Fahrbahn, etwa an der Lange Straße. Wurzelwerk drückt den Fahrbahnbelag bis zu 20 cm hoch, zum Beispiel an der Uerdinger-/Ecke Vulkanstraße.“ Und weiter: „Die Radwegränder werden nicht gepflegt, sodass die Fahrspur immer enger wird.“ Sollte sich nichts ändern, dann wird Armonies  auch in Zukunft weiterhin auf dem Radweg fahren. Auch, wenn es verboten ist. „In Krefeld ist noch sehr viel Luft nach oben bei dem Anspruch, fahrradfreundliche Stadt zu sein.“

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