Krefeld: Krefeld-Paris: Achse der Avantgardekunst

Krefeld : Krefeld-Paris: Achse der Avantgardekunst

Ein Forschungsprojekt der Adolf-Luther-Stiftung beleuchtet die Verbindungen zwischen Krefeld und Paris nach 1947.

Die deutsch-französische Freundschaft, von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle in den 1950ern gestiftet und mit dem Élysée-Vertrag 1963 offiziell besiegelt, feiert in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert Bestehen. Während die künstlerischen Beziehungen zwischen Berlin und Paris bis 1933 von dem Kunsthistoriker Werner Spies bereits intensiv beleuchtet wurden, sind die Nachkriegsjahre unter diesem Aspekt bislang kaum aufgearbeitet, weitgehend sogar vergessen. Magdalena Broska, ihrerseits Kunsthistorikerin und wissenschaftliche Leiterin der Adolf-Luther-Stiftung Krefeld, bringt zum Jubiläum ihr Buch "Paris – Krefeld" heraus, um diese Lücke ein wenig zu schließen.

In den 50er Jahren nämlich, als noch nicht New York, sondern unverändert Paris der künstlerische Mittelpunkt der Welt war, da gab es auch noch nicht die virulenten Szenen von Köln, Düsseldorf und dem wiedervereinten Berlin.

Es war Paul Wember, der legendäre Leiter des Kaiser-Wilhelm-Museums, der nach der geistigen Dürre der Nazi-Jahre von Krefeld aus den kulturellen Nachholbedarf eines großen Publikums deckte, der weit und breit erstmals Pablo Picasso oder später Yves Klein ausstellte, der als Einkäufer zeitgenössischer Kunst für das Museum Pionierarbeit leistete und als Organisator herausragender Vortragsreihen einheimisches und anreisendes Publikum faszinierte – all dies in enger Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten der französischen Kunstszene.

Eine ganze Reihe von Zeitzeugen jener Jahre konnte Broska noch persönlich befragen, darunter Mitarbeiterinnen von Wember wie Roswitha Goetze und Ruth Müller, und Künstler wie Heinz Mack, Paul Kamper und Claus-Jürgen Fischer. Ferner recherchierte sie in diversen deutschen und französischen Archiven. "Wir müssen den Anschluss an die Internationalität finden", war Wembers Leitsatz, und in Broskas Buch wird deutlich, wie erfolgreich er die internationale Kunst in Deutschland und den Ruf Krefelds als Kunstkennerstadt in der Welt etablierte.

Die Autorin arbeitet zur Zeit an einem neuen Buch über Adolf Luther, aber auch bereits am zweiten Band "Paris – Krefeld", in dem es unter anderem um in Frankreich erfolgreiche deutsche Künstler gehen wird. Die Bücher erscheinen – ebenso wie der aktuelle Band – in der "Silbernen Reihe" der Adolf-Luther-Stiftung. In der Fachwelt wirkt Broskas Buch bereits als Katalysator für weitere Beschäftigung mit der Kunststadt Krefeld. Aber auch der nichtprofessionelle Kunstfreund kann in dem reich bebilderten Band auf spannende Entdeckungsreise gehen.

(RP)
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