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Krefeld: Osteopathin berichtet aus dem schweren Praxisalltag

Praxisalltag in Krisenzeiten : Osteopathie in Corona-Zeiten

Cornelie Wellhausen ist Heilpraktikerin in Bockum und berichtet aus ihrem Praxisalltag in der Pandemie.

Es ist ruhig in der Praxis für Osteopathie von Heilpraktikerin Cornelie Wellhausen in Bockum. Sind die Termine am Tag sonst eng getaktet, ist momentan deutlich mehr Zeit. Nur noch rund 30 Behandlungen kommen pro Monat zusammen. Das sind Zweidrittel weniger als sonst. Schuld daran ist die Unsicherheit der Menschen und die Angst vor Ansteckung mit dem Corona-Virus. „Es ist schon eine deutlich spürbare Umsatzeinbuße, die ich dadurch habe. Andererseits muss ich aber auch sagen, dass ich in der jetzigen Situation zwischen den einzelnen Terminen mehr Zeit brauche“, sagt die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die in der schulfreien Zeit ebenfalls den ganzen Tag über beschäftigt sein wollen. Wellhausen, die auch eine osteopathische Ausbildung absolviert hat, braucht zwischen den einzelnen Behandlungen Zeit, die Räumlichkeiten durchzulüften und alles zu desinfizieren.

„Natürlich spielt Hygiene in meinem Praxisalltag immer eine große Rolle. Aber nun gehe ich noch mehr auf Nummer Sicher und desinfiziere alles gründlichst.“ So versucht die Heilpraktikerin ihren Patienten größtmögliche Sicherheit zu bieten. Gleichzeitig schützt sie dadurch auch sich und ihre Familie, da die Praxisräume im Erdgeschoss ihres Wohnhauses untergebracht sind.

Die Vorsichtsmaßnahmen gehen weit über Desinfektion und Händewaschen hinaus. „Ich kläre bereits im Vorfeld ab, wie es meinen Patienten geht, ob sie vor kurzem im Urlaub waren oder Kontakt zu Leuten aus einem Risikogebiet hatten. Dadurch, dass ich so genau frage, habe ich schon dreimal verhindern können, dass potenziell infizierte Patienten sich von mir behandeln lassen“, erklärt die Praxisinhaberin.

Sie betont, dass es kein böser Wille sei, der Menschen dazu bringe, Urlaube oder Kontakte zu verschweigen. Eher seien es Unwissenheit über die Zusammenhänge oder Gedankenlosigkeit. „Eine Frau hat mir erzählt, dass sie allein in einer Ferienwohnung Urlaub gemacht habe. Auf Nachfrage habe ich erfahren, dass sie an einem Tag Ski gefahren ist und dazu eine Gondel genutzt hat, in der viele Menschen eng zusammen standen. Eine ideale Situation, um sich anzustecken.“

Osteopathen können sich besonders leicht infizieren, da sie immer in direktem Kontakt zum Patienten arbeiten. In vielen Praxen jedoch, so die Erfahrung der Bockumerin, lässt der enge Zeitplan wenig Spielraum für die von der Ärztekammer vorgeschlagenen Prophylaxe-Maßnahmen. Zumal auch einige Kollegen um ihre Existenz bangen und behandeln müssen, auch wenn sich sich nicht ausreichend schützen können, da Mundschutz fehlt.

„Ich trage jetzt anders als sonst immer Mundschutz und Handschuhe bei der Arbeit, da sie der Infektionslage angemessen sind. Glücklicherweise habe ich noch genügend Vorräte, auch an Desinfektionsmittel. Das sieht in anderen Praxen aber ganz anders aus“, weiß Cornelie Wellhausen und ist erleichtert, dass sie in dieser Zeit nicht die Verantwortung für Angestellte trägt.

Noch ein Jahr zuvor hätte das anders ausgesehen. Damals führte die Bockumerin eine Physiotherapie-Praxis in Duisburg und hatte fünf Mitarbeiter. Erst im November 2019 übergab sie den Betrieb an ihren Nachfolger und konzentriert sich seitdem auf ihre Arbeit als Heilpraktikerin. „Da habe ich einfach richtig Glück gehabt. Als Heilpraktikerin kann ich auch ohne ärztliche Verordnung arbeiten, und ich muss mir keine Gedanken um die Gesundheit meiner Mitarbeiter machen. Das erleichtert vieles.“

Die meisten Patienten, die derzeit anrufen, sind froh, dass ihnen in der Praxis an der Grotenburgstraße trotz Pandemie geholfen wird. Cornelie Wellhausen erklärt: „Wir gehören zu dem systemrelevanten Personenkreis, da wir durch die Behandlung der Notfälle die Kliniken und niedergelassenen Ärzte entlasten. Das machen wir gerne, obwohl das Risiko einer Ansteckung immer da ist.“

Diejenigen Patienten, die sie jetzt aufsuchen, stünden ihrer Erfahrung nach unter hohem Leidensdruck und seien sehr dankbar, noch behandelt zu werden. Selbstverständlich würden die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts täglich umgesetzt. „Bei Unklarheit, ob eine Behandlung möglich ist, werden die Termine einfach um 14 Tage verschoben.“