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Krefeld: Oberbürgermeister Frank Meyer warnt vor neuer Corona-Gefahr

Plakataktion in Krefeld : Frank Meyer warnt vor neuer Corona-Gefahr

Der Krefelder Verwaltungschef macht sich Sorgen wegen des „lockeren Umgangs mancher Bürger“ mit den bestehenden Bestimmungen. „Keiner von uns weiß, was da noch auf uns zukommt.“ Der städtische Krisenstab tagt ab sofort wieder zwei Mal pro Woche.

Die Stadtverwaltung will mit neuen Plakaten auf die weiterhin bestehende Corona-Gefahr hinweisen. „Die Marketing-Abteilung hat diese in Auftrag gegeben, sie sollen kurzfristig in den öffentlichen Informationsanlagen zu sehen sein“, erklärt Oberbürgermeister Frank Meyer. Beschworen wird die inzwischen allseits bekannte „Aha!“-Formel – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Der Verwaltungschef macht sich Sorgen wegen des „lockeren Umgangs mancher Bürger“ mit den bestehenden Bestimmungen. Meyer: „Wenn die Abstands- und Hygieneregeln zunehmend missachtet werden, kann das Menschenleben gefährden.“ Ab sofort tagt der Corona-Krisenstab wieder zwei Mal pro Woche. Das Diagnosezentrum der Stadt soll nach Aussage von Meyer ausgebaut und der Vertrag – unter anderem mit dem DRK – verlängert werden: „Ich nehme lieber eine Überkapazität in Kauf, als das Risiko einzugehen, dass Chaos entsteht.“

Die Anzahl der aktuellen Corona-Infektionen in Krefeld liegt bei 51 Personen, sechs mehr als am Freitag. Inzwischen gelten 682 Betroffene als genesen, 24 Personen sind verstorben. Insgesamt 11.367 Erstabstrichen wurden seit Beginn der Pandemie genommen. Aktuell muss eine infizierte Person aus Krefeld in einem Krankenhaus behandelt und beatmet werden. Die Gesamtzahl der Quarantänen beträgt 2.507. Die sogenannte 7-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner (Zahl der Neuinfektionen der letzten sieben Tage auf 100.000 Einwohner) liegt in der Seidenstadt bei neun, die „kritische Grenze“ ist vom Bund und den Ländern auf 50 festgesetzt worden.

Bestens vorbereitet sieht sich die Stadt auf den Unterrichtsstart der Schulen am Mittwoch. Dann kehren in Krefeld 32.000 Kinder und Jugendliche in den Regelbetrieb zurück. „Das ist natürlich eine andere Hausnummer als vor den Sommerferien“, so Jürgen Maas, Leiter des Fachbereichs Schule. Die insgesamt 3500 Lehrer und Bedienstete an Schulen, sollen ab sofort in 14-täglichem Rhythmus einem Corona-Test unterzogen werden. Schulrätin Marita Koblenz-Lüchow hofft, dass im Herbst eine größere Grippewelle verhindert werden kann: „Derzeit stehen die Vertretungspläne, sollten jedoch noch mehr Pädagogen ausfallen, könnte es eng werden.“ Keine Probleme erwartet sie bei den Einschulungsterminen. „Das Wetter spielt uns hierbei in die Hände. Die Schulhöfe können für die Feiern genutzt und dort die Abstände eingehalten werden.“

Mit dem Schulbeginn startet – bei Bruthitze – die Maskenpflicht im Unterricht. Viele sind bereit, das zum Schutz vor Corona zähneknirschend zu akzeptieren. Dafür seien aber Erleichterungen bei den strengen Hitzefrei-Vorgaben fällig, finden Städtetag und Schüler. Bislang sieht der Hitzefrei-Erlass der Landesregierung Hitzefrei für die Oberstufe nicht vor. In Grundschulen und in der Sekundarstufe I entscheiden die Schulleiter über die Befreiung. Im Erlass heißt es: „Als Anhaltspunkt ist von einer Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Celsius auszugehen. Beträgt die Raumtemperatur weniger als 25 Grad Celsius, darf Hitzefrei nicht erteilt werden.“ „Eine Maskenpflicht während des Unterrichts gilt jedoch nur in weiterführenden Schulen“, so Marita Koblenz-Lüchow. „An Grundschulen gilt die Maskenpflicht nur auf den Fluren, sollte der Abstand nicht eingehalten werden können.“

Echte Herausforderungen ergeben sich aus der Anreise der Schülerschaft mit Bus und Bahn, vor allem zu den stark frequentierten Bereichen in Uerdingen und an der Westparkstraße. Der Unterricht beginnt hier teilweise versetzt, um die Situation zu entzerren. Außerdem haben die Stadtwerke zugesagt, an den Brennpunkten „mit maximaler Logistik“ an den Start zu gehen, wie Jürgen Maas erklärt. Die Schüler seien auch aufgefordert worden, andere Verkehrsmittel zu benutzen. Sollte es doch wieder zum Unterricht auf Distanz kommen, sind auch dafür Vorbereitungen getroffen: Krefeld erwartet 2,5 Millionen Euro vom Bund für die Anschaffung digitaler Endgeräte für Schüler aus finanzschwachen Familien – davon lassen sich laut Maas etwa 5000 Tablets bestellen. „Ich gehe davon aus, dass wir die ersten Geräte noch in diesem Jahr verteilen können.“