Krefeld: NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) und Sven Afhüppe, Chefredakteur des „Handelsblattes“, werden Ritter

Krefeld : Coprayer Hofrunde: Mehr übers Gelingen reden

Im 40. Jahr des Bestehens wurden die NRW-Bildungsministerin und der Chefredakteur des renommierten Handelsblattes zu Rittern geschlagen.

Vielleicht sind die Zeiten danach: Die Coprayer Hofrunde der FDP hat ihren Biss verloren. Die Idee, aus der Spannung zweier Pole der Demokratie — Journalist und Politiker – Funken aus Ironie und Witz zu schlagen, zieht nicht mehr. Heute fühlt man sich eher in ein demokratie- und medienethisches Seminar versetzt, in dem merkwürdigerweise von Rittern die Rede ist. So war es jedenfalls bei der nun 40. Coprayer Hofrunde, bei der auf der Burg Linn vor rund 150 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft mit viel FDP-Prominenz aus Bund und Land NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) und Sven Afhüppe, Chefredakteur des „Handelsblattes“, in die Ritterrunde aufgenommen wurden.

Ministerin Gebauer sprach in Reimen und einem Versfuß, der immer wieder damit verblüffte, dass er nach einem langen Lauf über Stock und Stein in einer Reimsilbe endete. Sie sprach über liberale Weggefährten (Burkhard Hirsch, der „immer noch liegt auf anwaltlicher Pirsch“; Christian Lindner: „der uns alle hat gerettet“), über die Not der SPD, einen Vorsitzenden zu finden, über Europa aus den Fugen: „Die Welt, so scheint es mir, wird immer komplizierter/ neue Herausforderungen bewältigen müssen wir heute, morgen und immer passionierter.“ Am Ende appellierte sie: „Bildung ist die Zukunft/ wie auch Ehre, Anstand und Vernunft“.

Sven Afhüppe sprach angenehm uneitel und zurückgenommen über seinen Werdegang an die Spitze des Handelsblattes über Stationen bei „Wirtschaftswoche“ und „Spiegel“. Er ist Nachfolger von Gabor Steingart, der nach schweren Differenzen mit der Verlegerfamilie gefeuert worden war; Auslöser war eine umstrittene Formulierung über einen „perfekten Mord“ im Zusammenhang mit Machtkämpfen an der SPD-Spitze. Afhüppe – verheiratet, Vater von drei Kindern – hat als Schüler bei einer Lokalzeitung angefangen. Antrieb war die Lust zu schreiben, ein bisschen Eitelkeit („Eitelkeit hilft einem, ehrgeizig zu bleiben“) und die Neugierde auf Menschen: „Schreiben“, sagte er, „war das Mittel, um an Menschen näher ’ranzukommen“. Er glaubt, dass Journalisten irren, wenn sie meinen, härter und brutaler werden zu müssen, um Leser zu gewinnen. Er plädiere für analytischen, tiefgehenden Qualitätsjournalismus, der nicht stark auf Negativnachrichten setzt, sondern dem Gelingen nachspürt: nicht aus therapeutischen Gründen, sondern weil die Realität dem durchaus entspricht. Deutschland hätte kein Jahrzehnt wirtschaftlicher Prosperität hinter sich, wenn Dinge in den Unternehmen nicht gelingen würde, argumentierte Afhüppe. „Wir können stolz sein auf das, was viele Gründer geleistet haben“, sagte er unter viel Applaus. Afhüppe selbst ist als Chefredakteur erfolgreich: Das Handelsblatt mit seinen 200 Mitarbeitern (darunter 40 Korrespondenten) und einer Auflage von 176.000 ist hochgeachtet. Unter Afhüppes Führung ist es im Ranking der „meistzitierten Wirtschaftstitel“ in Deutschland auf Platz eins gerückt. Sein Blatt hat zudem früher als viele andere darauf gesetzt, dass auch alle im Internet veröffentlichten Beiträge bezahlt werden müssen.

Auch Ministerin Gebauer hat quasi im Lokalen angefangen: als Mitglied des Kölner Rates. Mit Bildungspolitik habe sie lange nichts zu tun haben wollen, berichtete sie in einer von Otto Fricke moderierten Gesprächsrunde. Dahinter stand eine Art Trauma. Ihr Vater ist in Köln Bildungsdezernent gewesen, als sie Schülerin war. Man ahnt, wie die Tochter auf alles angesprochen wurde, was in lokaler Schulpolitik quersaß. Zum Schluss wünschte sie sich von Afhüppe, er möge bei der Linie bleiben, das Augenmerk auf das Gelingen und Positives zu setzen. Er antwortete kurz: „Versprochen.“

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