1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld nimmt sich New Yorker "High Line" zum Vorbild

Neue Promenade : Krefeld nimmt sich New Yorker "High Line" zum Vorbild

Es ist ein Krefelder Jahrhundertprojekt: Auf einer Länge von 14,5 Kilometern soll in Krefeld von Uerdingen bis Forstwald auf einer Hochbahntrasse eine Boulevardpromenade entstehen.

Die beiden Krefelder Planungspolitiker Jürgen Wettingfeld (CDU) und Björn Rüsing (SPD) haben kürzlich unabhängig voneinander die High Line besucht und berichteten jetzt im Planungsausschuss. Jürgen Wettingfeld zeigt sich besonders von der Wirkung auf das Umfeld begeistert, die die High Line hat. "Man kann sehen, wie die Gegend links und rechts der Bahntrasse sich entwickelt hat. Die High Line hat dort neue Impulse gesetzt", sagt Wettingfeld. Er kann sich für Krefeld vorstellen, dass ähnlich wie in New York bei der Finanzierung auch Private mit ins Boot geholt werden. "Wir sollten das Gespräch mit der Initiative "Zukunft durch Industrie" in Krefeld suchen. Auch Fördergelder von Bund und EU seien möglich. Wettingfeld sagt: "Selbst, wenn unsere Promenade erst in zehn oder 15 Jahren fertig wird. Die Idee ist zu gut, um nicht realisiert zu werden."

"Ein beeindruckendes Projekt", sagt auch SPD-Ratsherr Björn Rüsing, der sich begeistert zeigte von der Vielfalt der Nutzung in New York: "Es war spannend zu sehen, wer sich auf der High Line alles tummelte: Businessleute ebenso wie Kleinkünstler, viele aus der Kreativbranche." Einen ähnlichen Effekt kann er sich auch in Krefeld vorstellen, sagt aber: "Natürlich können wir uns nicht mit New York messen."

1999 startete die Planung in New York und in Krefeld. 2004 machte sich New York an die konkrete Realisierung des Projektes. Schon zehn Jahre später ist die "High Line" als große innerstädtische Parkanlage auf einer Hochbahn fertig. Auf 125 Millionen Dollar werden in New York die Kosten für High Line geschätzt, zwei Drittel davon wurden durch Private finanziert. Wie teuer der Bau in Krefeld wird, ist noch ungewiss - mit weit mehr als 20 Millionen Euro wird gerechnet.

Eindrücke von der "High Line" in New York - zwei Krefelder Politiker waren nun dort. Foto: Stadt Krefeld/dpa

Björn Rüsing hat jetzt bei der Stadtverwaltung angefragt, ob sich die Chancen für eine Förderung aus EU- oder Bundestöpfen erhöhen könnte, wenn Krefeld das Projekt mit Nachbarstädten wie Duisburg oder Willich gemeinsam realisiert. Wie Planungsdezernent Martin Linne berichtet, gibt es ein grundsätzliches Interesse. Allerdings habe diese Planung bei den Nachbarn keine absolute Priorität.

Die Grobplanung für die Krefelder Promenade wurde vor 15 Jahren abgeschlossen. Die Idee: Nicht mehr benötigte Bahnflächen sollten umgewidmet und die Krefelder Bahnhöfe mit ihrem Umfeld besser in die Krefelder Stadtstruktur integriert werden. Auf gleich mehreren Ebenen ist die Stadtverwaltung jetzt aktiv, um die Vision von der "Krefelder Promenade" zu realisieren, wie aus einem neuen Gutachten hervorgeht. 2010 hat die Stadt Flächen des ehemaligen Güterbahnhofs erworben, auf dem ehemaligen Verschubbahnhof können Flächen genutzt werden, und im vergangenen Jahr wurde die Planung für die Gestaltung einer Stadtterrasse auf dem Südbahnhof konkretisiert - alle drei Schritte sind wichtige Bausteine für die Promenade. Insgesamt 16 Abschnitte wurden durch ein Gutachterbüro 2013 noch einmal untersucht. Gut 65 Prozent der Strecke können laut Stadt abseits des KFZ-Verkehrs geführt werden.

Mit der Islamischen Gemeinschaft, die jetzt die Nutzungsrechte für ein "Schlüsselgrundstück" entlang der Promenade in Hochlage hat, hat die Stadt Gespräche aufgenommen. Im Gutachten war noch vermerkt worden, dass dieses Grundstück dringend für den Ausbau in Hochlage nötig sei. Generell zeigt das Gutachten den hohen Investitionsaufwand: zwei Brücken und neue Wege müssen gebaut sowie weitere Grundstücke müssen erworben werden.

(RP)