Krefeld: Neuer Fakten-Check für Forstwald

Krefeld : Neuer „Fakten-Check“ für Forstwald

Die Bürgerinitiative „Forstwald für Aufforstung Kasernengelände“ hat ihre Argumente zusammengetragen und das Heft an Politik und Verwaltung geschickt. Ziel: Bebauung auf dem ehemaligen Kasernengelände zu verhindern.

Die Gegner einer Bebauung des ehemaligen Kasernengeländes in Forstwald geben nicht auf. Sie wollen die Entwicklung des Geländes verhindern, um ein aus ihrer Sicht wertvolles Stück Natur, Lebensqualität und den Charakter des Ortsteils zu bewahren. Die „Bürgerinitiative Forstwald für Aufforstung Kasernengelände“ hat jetzt ihre Argumente in einem Heft gebündelt, das den Titel „Fakten-Check 2018. Verbesserung der Lebensqualität durch Aufforstung des Kasernengeländes“ trägt. Verantwortlich zeichnen der CDU-Bezirkspolitiker Hans Josef Ruhland, der FDP-Politiker Günther Porst und Jürgen Reck vom Bürgerverein Forstwald. Das Heft wurde an alle Ratsmitglieder, Bezirkspolitiker und die Verwaltungsspitzen versandt. „Wir wollen mit diesem Heft den Stand der Debatte und alle Argumente gegen eine Bebauung konzentriert darstellen. Wir glauben, dass große Teile des Rates um die Einzelargumente nicht wissen“, sagte am Montag Jürgen Reck auf Anfrage.

Diese Grafik verdeutlicht den Verlauf der Eichenallee im historischen Konzept des Schumacherschen Gartenwaldes. Die historische Struktur ist 1952 durch den Bau der Kaserne empfindlich gestört worden. Foto: Bürgerinitiative Forstwald

Das Erste, was an dem Heft auffällt: Der Fakten-Check fasst den Stand der Dinge fair zusammen und verschweigt nicht die Argumente der Bebauungsbefürworter. „Es geht nicht darum, Krawall zu machen“, betont dann auch Reck; man wolle die Argumente bündeln, ordnen und im Zusammenhang darstellen. Gerade der letzte Punkt ist den Verfechtern der Aufforstung wichtig. Es gehe darum, „den engen monokausalen Diskurs um Bebauung aufzubrechen und die mit der Euroga-Konzeption erreichte strategische Kulturlandschaft wieder zur Geltung bringen“, heißt es in dem Heft. Hintergrund: Die Europäischen Gartenschau habe die Region als Kultur- und Naturraum begriffen; Reck und seine Mitstreiter werben dafür, Forstwald und das Kasernengelände als Teil dieser Kulturlandschaft zu verstehen – auch in historischer Tiefe. Denn der Bau der Kaserne 1952, so heißt es im „Fakten-Check“, habe „eine erhebliche Störung des Systems und der Kulturlandschaft herbeigeführt“; die Wiederaufforstung des Kasernengeländes wäre aus Sicht der Wald-Befürworter eine Chance, diese historische Wunde zu heilen.

Cover des Heftes der Forstwalder Bürgerinitiative. Foto: Bürgerinitiative Forstwald

Erwähnt wird etwa eine historische Eichenallee als Element der Schumacherschen Besitzungen. 1822 erwarb die Kaufmannsfamilie Schumacher Heideland und verwandelte es in einen gestalteten Wald um, den sie mit Erdwällen gegen die umliegenden Landwirtschaftsflächen abgrenzte. Dieses historische Waldstück ist nach Überzeugung von Reck und seinen Mitstreitern bis heute kultuhistorisch und ökologisch zu wertvoll, um mit einer Bebauung des Kasernengeländes den Eingriff, den der Bau der Kaserne darstellte, zu zementieren. Das sei auch im Euroga-Konzept erkannt. Dort nämlich „ist der durchgehende Grünzug der historischen Kulturlandschaft Forstwald verankert“, heißt es im „Fakten-Check“, der Waldzug sei für den Klimaschutz, die Artenvielfalt und als Frischluftschneise „von hohem Wert“.

Neben solchen regional ausgerichteten Argumenten finden sich auch Analysen zu Forstwalder Belangen. Es gebe kein wirkliches Verkehrskonzept für den Fall einer Bebauung, das Ausmaß der Bauverdichtung stehe nicht fest – befürchtet wird ein Ausmaß, das den beschaulichen Charakter des Stadtteils massiv verändert; zudem seien weder die Kanalisation noch der Öffentliche Nahverkehr auf den Zuzug von vielen Forstwalder Neubürgern vorbereitet.

Die Bürgerinitiative möchte mit ihren Argumenten verhindern, dass neue Bebauungspläne aufgelegt werden. Zwar erlaubt der Flächennutzungsplan grundsätzlich Bebauung auf dem ehemaligen Kasernengelände, doch ist es am Ende die Frage, ob sich Investoren finden und ob der Rat der Einleitung von B-Plan-Verfahren zustimmt.

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