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Krefeld: Neue Gemeinschaftsunterkunft am Siemesdyk

Bauvorhaben in Krefeld : Neue Unterkünfte am Siemesdyk und in Bockum

Die Zahl der Flüchtlinge in Krefeld wächst, in den Gemeinschaftsunterkünften ist nicht genügend Platz. Die Stadt stellt in der Bezirksvertretung Ost am kommenden Mittwoch ihre Bauvorhaben vor.

Die Zahl der Flüchtlinge wächst. Tagtäglich kommen neue Schutzsuchende aus der Ukraine in Krefeld an. Ihre Zahl findet sich jedoch noch nicht in der Vorlage des städtischen Fachbereichs 56, Migration und Integration, die sich mit der Unterbringung von Geflüchteten beschäftigt und die geplanten baulichen Maßnahmen auf Basis der bis Dezember 2021 vorliegenden Daten vorstellt.

Hintergrund ist der schlechte bauliche Zustand der Gemeinschaftsunterkunft am Siemesdyk, die im Jahr 1990 erbaut wurde und seit 1996 laut Aussage der Behörde überwiegend zur Unterbringung asylsuchender Menschen genutzt wurde. Die zuerst angedachte Sanierung der 16 Übergangswohnheime, die ursprünglich für Aussiedler gebaut wurden, macht angesichts der Schäden keinen Sinn mehr. „Eine bloße Sanierung der Gebäude mit einer weiteren Nutzung als öffentlichrechtliche Flüchtlingsunterkunft erscheint aufgrund der Gebäudesubstanz, des Sanierungsbedarfs und der von der Wohnstätte geforderten Beibehaltung der kostenintensiven Vereinbarung zur Instandsetzung im laufenden Betrieb kaum aussichtsreich“, heißt es in der Vorlage der Stadt. Wenig zielführend war auch die anschließende Suche nach alternativen Standorten. Im Oktober 2021 stand fest: Entweder sind die Grundstücke zu klein, bereits für andere Vorhaben verplant oder ihre Lage in Krefeld ist nicht geeignet.

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Damit rückte ein Neubau einer solchen Unterkunft in den Fokus und wurde auf seine Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit hin geprüft. Die in der Vorlage aufgeführten Zahlen zur Belegung der Räume und Betten haben angesichts der jüngsten Entwicklungen keine Aussagekraft mehr. Dazu heißt es: „Wie sich die aktuelle Lage um die Aufnahme Geflüchteter Menschen aus der Ukraine auf die Belegungskapazitäten auswirkt, bleibt abzuwarten. Von zumindest vorübergehend zusätzlichen Bedarfen ist allerdings auszugehen.“

 Eine Luftaufnahme  des Kasernengeländes an der Emil-Schäfer-Straße. Dort sollen Wohnungen für Schutzsuchende entstehen.
Eine Luftaufnahme  des Kasernengeländes an der Emil-Schäfer-Straße. Dort sollen Wohnungen für Schutzsuchende entstehen. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Auch deshalb, weil durch die Modernisierung der Unterkunft am Wehrhahnweg weitere Plätze wegfallen. „Das Objekt Wehrhahnweg befindet sich in der Planung des Umbaus bzw. der Anpassung, um eine integrationsfördernde Raumnutzung (u.a. Aufteilung der ehemaligen Klassenzimmer in mehrere kleinere Räume mit entsprechender Reduzierung der Belegung) und ausreichend Sanitäreinrichtungen im Gebäude herzustellen. Die vorliegende Planung für das Objekt wird voraussichtlich eine Reduzierung der Kapazität von zurzeit 177 auf zukünftig 150 Plätze nach sich ziehen.“

Am Siemesdyk ist laut Machbarkeitsstudie aus all diesen Gründen ein Neubau sinnvoll.  Geplant ist eine Bebauung mit zwei Vollgeschossen, zuzüglich eines weiteren Nicht-Vollgeschosses, die 160 Plätze vorhalten könnte. „Für die Bauphase ist geplant, dass zunächst der vordere Querriegel des Altbestandes abgerissen wird und an gleicher Stelle zunächst der erste neue Gebäudeteil bezugsfertig entsteht. So sollen temporäre Unterbringungsbedarfe möglichst gering gehalten werden“, heißt es in der Vorlage. Angestrebt werden getrennte und abschließbare Wohneinheiten, die mit eigenen Sanitäranlagen und Küchen sowie Grundmobiliar ausgestattet sein sollen. In ihnen sollen maximal drei Personen leben, „wobei auf soziale Beziehungen und insbesondere auf Familienstrukturen zu achten ist.“ Jeder Person stehen „mindestens  sieben Quadratmeter Wohn- und Schlaffläche“ zur Verfügung.

Außerdem soll, so die Empfehlung der Experten, im Baugebiet Emil-Schäfer-Straße die Errichtung von Geschosswohnungsbau vorangetrieben werden. Die Begründung: „Durch den Umzug von Geflüchteten mit anerkanntem Schutzstatus aus der städtischen Unterbringung in den dort neu zu schaffenden Wohnraum, könnten so weitere Kapazitäten für neu zugewiesene Geflüchtete geschaffen werden.“

Ganz so schnell lässt sich dieses Vorhaben jedoch nicht realisieren, da bekanntlich noch kein Planrecht für die Fläche besteht, weil sich der Bebauungsplan Nr. 692 – südlich Emil-Schäfer-Straße/östlich Friedhof – noch in Aufstellung befindet. Allerdings sei die Aufbereitung der rund 10.670 Quadratmeter großen Teilfläche im Nordosten des ehemaligen Kasernengeländes bereits in 2021 ausgeführt und durch das NRW-Sonderförderprogramm „Identifizierung und Mobilisierung von Brachflächen für Flüchtlingsunterkünfte und für dauerhaften Wohnraum“ zu 100 Prozent finanziert worden. Das hat zur Folge, dass laut Förderbedingungen auch eine 100-prozentige Wohnnutzung für mindestens 25 Jahre auf dieser Fläche zweckbindend ist.

Die Bezirksvertretung Ost tagt am Mittwoch, 25. Mai, ab 17 Uhr im Pfarrzentrum St. Christophorus.