Krefeld: Neue Apfelsorte Natyra wird immer beliebter

Krefeld: Tag des Apfels: Natyra auf dem Vormarsch

Heute ist der Tag des deutschen Apfels. In Krefeld wird die Sorte Natyra immer beliebter. 2018 war ein schwieriges Jahr: In der Hitze sind manche Äpfel regelrecht am Baum „verkocht“, berichtet Obstbaumeister Norbert Boekels.  

Die vielleicht schönste Liebeserklärung an den Apfel existiert in englischer Sprache und ist auch mit gebrochenem Schulenglisch zu verstehen: „An apple a day keeps the doctor away“ oder in deutscher, etwas holperiger Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Variante: „Ein Apfel am Tach/ hält den Doktor in Schach." Äpfel sind gesund und immer noch des Deutschen liebstes Obst. Heute ist der offizielle Tag des deutschen Apfels, und wir fragten einen Krefelder Apfelanbauer, was er von der englischen Weisheit hält: „Besser sind zwei bis drei pro Tag“, sagt Norbert Boekels vom Benrader Hof. Und lacht.

Obstbaumeister Norbert Boekels vom Benrader Obsthof wünscht sich mehr Frost  vom Winter. Die „Frostgare“ sprengt Verdichtungen im Boden auf, er bekommt eine krümelige Struktur, wird lockerer. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der Apfel hat weltweit einen guten Ruf. In vielen Ländern wird am dritten Samstag im September der „Internationale Iss-einen-Apfel-Tag“ (International Eat an Apple Day) begangen, für die Amerikaner ist der 1. Dezember der „Iss-einen-roten-Apfel-Tag“ (Eat a Red Apple Day) und der 1. Januar der „Verschenk-einen-Apfel-Tag“ (Apple Gifting Day). In Deutschland ist eigentlich das ganze Jahr über Apfel-Tag; Importe machen es möglich. Frisch geerntete Äpfel gibt es in Krefeld mindestens ein halbes Jahr lang. „Frühäpfel können ab Juli geerntet werden“, erläutert Boekels und nennt Sorten wie James Grieve oder Colina. Boekels baut auf seinem Land rund 20 Apfelsorten an, darunter Elstar, Boskop, Jonagold, Wellant oder Braeburn. Der Wellant-Apfel hat mittlerweile Elstar den Rang abgelaufen und steht an Platz eins der beliebten Äpfel. Schwer im Kommen ist die noch relativ neue Sorte Natyra, berichtet Boekels. Er hat diesen Apfel vor vier Jahren bei einer Verkostung seiner Berufsgenossenschaft kennengelernt. „Es war der einzige Apfel unter den vorgestellten Sorten, bei dem ich gedacht habe: „Der hat was, der hat Zukunft, der ist lecker“, berichtet Boekels. Und tatsächlich: Der Anteil der verkauften Natyra-Äpfel bei ihm nimmt zu.

Boekels betreibt ausschließlich Direktvermarktung über den Benrader Obsthof. Die Neuzüchtungen übernehmen spezielle Institute. Die Obstanbauer entscheiden dann bei Verkostungen ihrer Berufsgenossenschaft, welchen Baum sie bei sich anpflanzen.

Wetterschwankungen können die Obstbauer relativ gut mit raffinierten Beregnungsanlagen ausgleichen. Die Hitze und Dürre des vergangen Jahres stellte allerdings schon ein besonderes Problem dar. „Die Äpfel sind teils am Baum verkocht“, sagt Boekels. Verkocht? „Die Früchte haben bei praller Sonne im Innern teils Temperaturen bis zu 60 Grad erreicht. Das hat die Zellen und die Konsistenz des Fruchtfleisches so verändert, dass die betroffenen Äpfel aussortiert werden mussten.“ Dennoch war die Ernte 2018 unterm Strich „knapp unter normal“, resümiert Boekels. Das war besser als anderswo.

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Die Apfelbäume bei Boekels sind höchsten 2,50 bis 2,70 Meter hoch, damit sie vom Boden aus geerntet werden können. „Bräuchten wir Hilfsmittel wie Leitern, würde die Ernte langwieriger und damit deutlich teurer; deshalb halten wir die Bäume so, dass wir zu Fuß ernten können“, sagt Boekels.

Boekels steht in Jahrtausende alter Tradition. Schon Homer hat in der Odyssee einen Apfelgarten beschrieben, und natürlich hat auch Goethe dazu etwas zu sagen gewusst. In Faust II lässt er einen Gärtner die Einladung ausrufen: „Kommt, von allerreifsten Früchten/ Mit Geschmack und Lust zu speisen! Über Rosen lässt sich dichten, / In die Äpfel muss man beißen."

Die Obstanbauer dieser Welt werden es mit Wohlgefallen hören.

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